Deutschland: Katholische Hilfswerke fordern indische Botschafterin zum Handeln auf

Christenverfolgungen im Bundesstaat Orissa dauern an

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AACHEN, 5. September 2008 (ZENIT.org).- In einem gemeinsamen Brief haben die katholischen Hilfswerke MISEREOR, MISSIO und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ die indische Botschafterin in Berlin, Meera Shankar, aufgefordert, sich stärker für die Einhaltung der Menschenrechte im indischen Bundesstaat Orissa einzusetzen.



Seit zwölf Tagen kommt es in verschiedenen Städten und Regionen zu Übergriffen hinduistischer Fundamentalisten auf Angehörige christlicher Kirchen und auf kirchliche Einrichtungen. Anlass der erneuten Gewalt ist die Ermordung des radikalen Hinduführers Swami Laxmanananda Saraswati. Die Verantwortung für die Ermordung hat die maoistische Guerillabewegung der Naxaliten übernommen. Dennoch richtet sich der Hass der Hindufundamentalisten gegen die christliche Minderheit in der Region.

In dem Brief, den der Vorsitzende der MISEREOR-Kommission, Erzbischof Werner Thissen, und der Vorsitzender der Bischöflichen Kommission MISSIO, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, unterzeichnet haben, heißt es: „„Wir wenden uns an Sie mit dem dringenden Anliegen, unverzüglich für den Schutz der Opfer in Orissa, die Einhaltung der Menschenrechte und die rückhaltlose Aufklärung der Verbrechen zu sorgen. Wir fordern zudem eine Bestrafung der Täter und die notwendige humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge. Die indische Demokratie darf keinen Schaden nehmen. Ihre Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Toleranz dürfen nicht durch eine radikalisierte und gewalttätige Gruppe in ernsthafte Gefahr geraten.““

Nach jüngsten Rückmeldungen des Erzbischofs der Diözese Cuttack-Bhubaneshwar, Raphael Cheenath, sind zwischen 25.000 und 50.000 Christen vor den brutalen Ausschreitungen in den Urwald geflohen. Die meisten harren dort ohne jegliche Versorgung aus, weil auch die errichteten Flüchtlingslager vor Angriffen nicht sicher sind.

„„Davon, dass die Lage sich im Kerngebiet der Verfolgungen, dem Bezirk Kandhamal, wo viele unserer Partnerorganisationen tätig sind, beruhigt habe, wie der dortige Ministerpräsident Naveen Patnaik bereit am 30. August gegenüber der ‚Thaindian News’ beteuerte (“‚The situation in Kandhamal district is returning to normal’”), kann keine Rede sein. Täglich erreichen uns neue Horrorbotschaften von brutalen Misshandlungen und mutwilligen Zerstörungen.

Das mit deutschen Spendengeldern über unsere Hilfswerke finanzierte Büro und Tagungshaus der Erzdiözese Cuttack-Bhubaneshwar sowie die  erzdiözesane Sozialeinrichtung Jana Vikas sind vollständig niedergebrannt worden. Dabei hat sich Jana Vikas immer um interreligiösen Dialog und Verständigung bemüht. Der Vorwurf der Hindufundamentalisten, dass die Christen missioniert und dafür auch ausländisches Geld eingesetzt hätten, ist nachweislich unwahr und ein verleumderischer Vorwand für die andauernden Angriffe““, heißt es in dem Brief.