Deutschland: Reproduktionsmediziner wollen Embryonengesetz zu Fall bringen

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WIEN, 16. November 2007 (ZENIT.org).- Das Wiener Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) warnt vor einer Aufweichung des Stammzellengesetzes in Deutschland, vor allem aber vor dem eigentlichen Ansinnen der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM), „das Embryonenschutzgesetz zu Fall zu bringen“.



„Seit Monaten wird in Deutschland über eine Änderung des Stammzellgesetzes diskutiert. Immer deutlicher wird dabei die Allianz zwischen Reproduktionsmedizinern und der Lobby für die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen (hESZ)“, berichtet das 1988 gegründete Institut in seinem aktuellen Rundschreiben.

Die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) mache sich „für eine völlige Aufhebung des Stammzellengesetzes stark. Anscheinend geht es dabei nicht um die Wissenschaft, sondern vielmehr um Politik“, heißt es mit Blick auf einen entsprechenden Bericht, der am 6. November in der katholische Zeitung „Die Tagespost“ erschien.

Da die Reproduktionsmedizin als Fach nicht von embryonaler Stammzellforschung profitiere, werde die Stammzellenforschungsdebatte vorgeschoben, „um das Embryonenschutzgesetz zu Fall zu bringen und durch ein ‚modernes Fortpflanzungsmedizingesetz‘ zu ersetzen“, wie es die DGRM ausdrücklich fordert. „Damit wäre der Weg für umstrittene Verfahren wie die Präimplantationsdiagnostik (PID) und andere Eingriffe am Embryo geebnet“, erklärt IMABE.

Gegenüber ZENIT bekräftigte der Molekularbiologe Lukas Kenner, Professor am Klinischen Institut für Pathologie an der Medizinischen Universität Wien, dass jede therapeutische Anwendung von menschlichen embryonalen Stammzellen in der Vergangenheit gescheitert sei. „Es gibt de facto keine einzige Therapie“, betonte der Wissenschaftler. Dagegen gebe es hunderte verschiedene Therapieformen mit so genannten adulten Stammzellen, die sehr erfolgsversprechend seien.

Wie IMABE berichtete, bestätigte das überraschenderweise auch Robert Edwards, Pionier der In-vitro-Fertilisation (IvF) und „Vater“ des ersten Retortenbabys Anfang November als Gast einer von der DGRM organisierten Tagung in Berlin. Edwards stellte klar, dass er die Zukunft nicht in den embryonalen, sondern den adulten Stammzellen sieht, was unter seinen Kollegen für Irritation sorgte.