Deutschland: Wechselseitige Anerkennung der Taufe

Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung durch elf Kirchenvertreter in Magdeburg

| 538 klicks

MAGDEBURG, 30. April 2007 (ZENIT.org).- Einen gewaltigen Fortschritt in der Ökumene bedeutet die Erklärung zur wechselseitigen Anerkennung der Taufe, die am Sonntag in Magdeburg unterzeichnet wurde.



Folgende christliche Kirchen stimmten der gemeinsamen Erklärung zu: die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, die Arbeitsgemeinschaft Anglikanisch-Episkopaler Gemeinden in Deutschland, die Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche in Deutschland, die Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen, die Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeinem die Evangelische Kirche in Deutschland, die Evangelisch-methodistische Kirche, das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, die Orthodoxe Kirche in Deutschland, die Römisch-Katholische Kirche und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sieht die Unterzeichnung der Vereinbarung als eine „heilige Verpflichtung“ an. „Es ist ein großer Schatz, dass die Kirchen in hohem Maß trotz aller Trennungen das sakramentale Band der Einheit durch die Taufe erhalten haben“, erklärte er. „Alle Einheit geht aus der Taufe hervor. Aber es ist doch ein unvollkommenes Band der Einheit. Diese ist ausgerichtet auf ein weiteres Wachsen in das Maß der Fülle Jesu Christi (vgl. Eph 4,13). Dies fordert uns in ganz besonderer Weise heraus, in diesem Geist und in einer neuen Spiritualität der Taufe die Hindernisse zwischen uns zu überwinden und noch mehr wahre Einheit zu gewinnen.“

Für den Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, bedeutet der Schritt, der am Sonntag genommen wurde, „eine neue Qualität“ im ökumenischen Miteinander. Die gegenseitige Anerkennung zeige, „dass mit der Taufe etwas gegeben ist, was getrennte Kirchen und Christen fundamental verbindet“. Die Taufanerkennung biete zwar keine Lösung für alle Probleme, sie sei aber „ein Ruf an die Kirchen, sich auf dieser Basis noch stärker um die Überwindung der unglückseligen Trennungen zu bemühen“.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, wertete das Ereignis in seiner Ansprache als Beleg dafür, dass die ökumenischen Bemühungen entgegen mancher Behauptungen „nicht erstarrt“ sind. „Das Bekenntnis ‚Jesus Christus ist unser Heil‘ eint die christlichen Kirchen“, bekräftige er. Dahinter träten die Unterschiede zurück, die den Kirchen im ökumenischen Miteinander ihre je eigene Prägung gäben. Die wechselseitige Anerkennung der Taufe markiere jedoch auch den „bleibenden Abstand des christlichen Glaubens zu anderen Religionen“.

Die Anregung zur formellen wechselseitigen Anerkennung der Taufe ging bereits im Mai 2002 vom Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, aus.

Seit rund 30 Jahren gibt es in Deutschland zur Anerkennung der Taufe nur einzelne regionale Vereinbarungen zwischen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche und römisch-katholischen Diözesen.

In dem unterzeichneten Text heißt es, trotz Unterschieden im Kirchenverständnis bestehe ein Grundeinverständnis über die Taufe: „Deshalb erkennen wir jede nach dem Auftrag Jesu im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit der Zeichenhandlung des Untertauchens im Wasser beziehungsweise des Übergießens mit Wasser vollzogene Taufe an und freuen uns über jeden Menschen, der getauft wird.“