Dialog mit der Priesterbruderschaft St. Pius X.: Initiative von Msgr. Di Noia

Ein Brief an Msgr. Fellay und an alle Priester der Bruderschaft

Rom, (ZENIT.org) Anita Bourdin | 941 klicks

In einer persönlichen Initiative versucht Msgr. Augustine Di Noia, den Dialog zwischen Rom und der Priesterbruderschaft St. Pius X. wieder aufzugreifen.

Msgr. Di Noia, US-amerikanischer Dominikaner, ist seit Juni 2012 Vizepräsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, die die Aufgabe hat, die Mitglieder der von Msgr. Lefebvre gegründeten Bruderschaft wieder in die volle kirchliche Gemeinschaft mit Rom zurückzuführen. Die Kommission hängt von der Kongregation für die Glaubenslehre ab.

Msgr. Di Noia hat einen Brief verfasst, der an den Generaloberen der Lefebvristen, Msgr Bernard Fellay, und an alle Priester der Bruderschaft adressiert ist.

Die Versandung des Dialogs, stellt der Vizepräsident der Kommission Ecclesia Dei fest, sei im Wesentlichen auf unterschiedliche Auffassungen mancher Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückzuführen. Während Rom das Konzil im Licht einer „Hermeneutik der Kontinuität“ mit der Tradition sehe, schätze die Bruderschaft St. Pius X. manche Konzilsdokumente als falsch ein, besonders die Dokumente über Ökumene und interreligiösen Dialog.

Angesichts der festgefahrenen Positionen im theologischen Dialog, wird Msgr. Di Noia einen spirituellen Ansatz versuchen und zu einer Gewissensprüfung einladen, unter dem Motto: Demut, Fügsamkeit, Geduld, Nächstenliebe.

Rom warte noch, erinnert der Brief, auf eine Antwort von Msgr. Fellay auf das am 14. Juni 2012 erlassene Dokument. Um aus der Sackgasse herauszukommen, in der sich der Dialog verlaufen habe, schlägt Msgr. Di Noia vor, die Bruderschaft solle sich auf das „positive Charisma“ ihrer Anfänge zurückbesinnen, als sie noch einen Versuch der Reform zur Ausbildung von Priestern und Missionaren darstellte.

Im Brief wird auch nahegelegt, auf die Nutzung der Massenmedien zu verzichten – tatsächlich hat das Pressebüro des Heiligen Stuhls den Brief nicht veröffentlicht – und die im Dialog verwendeten Argumente auf konstruktive Weise zu nutzen und auf eine „tiefe“ Theologie zu gründen.

Dabei bezieht sich Msgr. Di Noia auf die am 24. Mai 1990 von Kardinal Joseph Ratzinger unterschriebene Unterrichtung „Donum Veritatis“ über die kirchliche Berufung des Theologen, in der über die Aufgabe der Theologen gesagt wird, sie bestehe darin, „in Gemeinschaft mit dem Lehramt ein immer tieferes Verständnis des Wortes Gottes, wie es in der inspirierten und von der lebendigen Tradition der Kirche getragenen Schrift enthalten ist, zu gewinnen.“

Nach dem am 24. Oktober 2012 bekanntgemachten Ausschluss von Msgr. Richard Williamson scheint die Priesterbruderschaft St. Pius X. von inneren Trennungen getroffen worden zu sein, während Msgr. Fellay den Dialog mit Rom weiterführen möchte.

Manche Beobachter schätzen, die aktuelle Lage der Bruderschaft, deren Mitglieder nicht mehr Exkommuniziert, jedoch auch noch nicht wieder in die katholische Kirche eingegliedert sind, sei langfristig nicht haltbar.

Der Brief von Msgr. Di Noia scheint eine realistische Botschaft übermitteln zu wollen: Die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei will verhindern, dass die von Papst Benedikt XVI. der Bruderschaft gereichte Hand eines Tages als verpasste Gelegenheit betrachtet werden müsse; andererseits können die Verhandlungen auch nicht in alle Ewigkeit hingezogen werden. [aw]