Dialog und die Rolle der Medien: P. Lombardi SJ in Toronto (Kanada)

Der Pressesprecher des Papstes spricht über die Ökumene und den interreligiösen Dialog

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TORONTO, 4. Juni 2008 (ZENIT.org).- P. Federico Lombardi SJ, Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls sowie Direktor von „Radio Vatikan“ und des vatikanischen Fernsehzentrums (CTV) nahm am Freitag in Toronto (Kanada) an einem Frühstück für führende katholische Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben teil. Bei dieser Gelegenheit hielt er eine Ansprache, in der er die Ökumene und den interreligiösen beziehungsweise interkulturellen Dialog beleuchtete.



Der Dialog in der Ökumene und die Beziehungen und der Dialog mit anderen Religionen und Kulturen sei eine der größten Bemühungen der letzten Päpste gewesen, erklärte der Pressesprecher des Heiligen Vaters. Auch Benedikt XVI. habe vom ersten Augenblick seines Pontifikats an auf die Bedeutung der Ökumene hingewiesen und habe von Anfang an in diesem Aspekt ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers Johannes Paul II. treten.

Pater Lombardi ließ diesbezüglich einige konkrete Beispiele Revue passieren. Detailliert sprach er über die Reise Benedikts XVI. nach Istanbul in der Türkei im November 2006. Während dieser Reise traf Benedikt XVI. mit dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., zusammen, was als starkes Signal für die Ökumene gewertet worden sei. Der Jesuitenpater wies in diesem Zusammenhang auf „die einzigartige Form der Zusammenarbeit“ im Bereich der Pressearbeit hin. Die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des orthodoxen Patriarchats habe sowohl auf der Ebene des Fernsehens als auch auf der Ebene des Radios stattgefunden. An diesem Beispiel könne man den Dienst der Kommunikationsmittel am interreligiösen Dialog erkennen.

„Seit Jahren arbeiten CTV, das Fernsehen des Vatikans, und Radio Vatikan intensiv mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen zusammen. Zahlreiche Besuche von Delegationen aus Griechenland, Rumänien, Bulgarien und anderen Ländern nach Rom wurden übertragen und kostenlos den Stationen der Länder, aus denen die Delegierten kamen, zur Verfügung gestellt.“

Die Ökumene werde vom Heiligen Vater und seinen Mitarbeiten angestrebt, jedoch liege es in der Hand der Verantwortlichen für die Medienarbeit innerhalb der Kirche, dieses Engagement, seh-, fühl- und hörbar zu machen.

Während die Beziehung zur griechisch-orthodoxen Kirche doch sehr gut sei, gestalte sich die Beziehung zur Kirche in Russland nach wie vor schwierig, erläuterte P. Lombardi. Allerdings gebe es auch Freundschaften, von denen erwartet werde, dass sie in der Zukunft zu einer Begegnung auf höchster Ebene führen könnten. Auch in dieser Hinsicht leisteten die Medien einen großen Dienst.

Ein kleines Anzeichen für einen Fortschritt in den Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche in Russland sei die Ausstrahlung einer Dokumentation über Benedikt XVI. im staatlichen Fernsehen gewesen. Bei der Dokumentation handelte es sich um eine Co-Produktion zwischen Katholiken und Orthodoxen, und sie enthielt eine Ansprache des Papstes an die russische Bevölkerung, die eigens für diesen Anlass geschrieben worden war. „Es war das erste Mal, dass dies möglich wurde, und es konnte nur aufgrund der guten Beziehungen zum Patriarchen erreicht werden.“

Anschließend kam Pater Lombardi auf die Beziehungen zu den nichtchristlichen Religionen zu sprechen und sagte, dass sich viele Menschen unsicher gewesen seien, wie sich Papst Benedikt in den Beziehungen zu den anderen Religionen verhalten würde, nachdem im Pontifikat Johannes Pauls II. eine große Offenheit vorherrschend gewesen sei. „Benedikt XVI. wünscht sich einen Dialog, der ehrlich ist und die Schwierigkeiten nicht ausblendet“, fuhr der Jesuitenpater fort.

Was die Beziehung mit dem Judentum angeht, habe der Papst vom Beginn seines Pontifikates an ausdrucksstarke Handlungen vollbracht. Zu nennen seien vor allem die Besuche in der Synagoge in Köln, im Konzentrationslager Auschwitz, beim Judenplatz in Wien, an dem der ermordeten Juden gedacht werde, wie auch der Besuch der großen Synagoge in New York.

Der Dialog mit dem Islam sei auf schwierigeren Bahnen verlaufen, nicht zuletzt aufgrund der Regensburger Rede, auf die viele Diskussionen gefolgt seien. Der Papst sei missverstanden worden, doch es sei klar, worauf er habe hinweisen wollen: dass eine authentische Religion die Gewalt ablehnen müsse und in der Beziehung zu Gott die Vernunft gebrauchen sollte.

Der Scheich von Saudi-Arabien sei eigens nach Rom gekommen, um Benedikt XVI. zu besuchen und seinen Wunsch nach Einheit im Weg zum Frieden zu bekunden. Dieser Besuch müsse als positives Zeichen interpretiert werden, ohne die Schwierigkeiten ausblenden zu wollen, die es im Dialog mit dem Islam gebe.

Aus der Sicht von Federico Lombardi gibt es auch noch weitere hoffnungsvolle Zeichen: Beispielsweise sei er bereits zwei Mal vom staatlichen Fernsehen in Saudi-Arabien interviewt worden, da man in der arabischen Welt mehr über den Vatikan und die Bereitschaft zum Dialog habe erfahren wollen.

„Zugleich bleibt der Papst fest, was seine Standpunkte betrifft“, so der Pressesprecher. „Er hat beispielsweise sehr viel Mut bewiesen, als er in der Osternacht einen ägyptischen Moslem, den Journalisten Magdi Allam, taufte.“ Mit dieser Geste habe Benedikt XVI. auch auf die Religionsfreiheit und das Recht der Bekehrung zum Christentum hingewiesen.

Schließlich wies P. Federico Lombardi auf einen weiteren Aspekt des Dialoges hin, den nicht nur die Kirche, sondern die ganze Welt verfolge: die Beziehung zur Kirche in China. Der Papst habe in seinem „Brief an die chinesischen Katholiken“ gezeigt, wie sehr er mit seinen Gedanken und Gebeten China während des vergangenen Jahres begleitet habe.

In seinem Brief habe der Papst seinen Wunsch zur Normalisierung der Beziehungen mit den chinesischen Autoritäten zum Ausdruck gebracht, um der Kirche in China ein Leben in Freiheit und die Möglichkeit zur Freundschaft mit der weltweiten katholischen Kirche zu garantieren. Am Sonntag, den 24. Mai, beging die Kirche erstmals den Weltgebetstag für die Kirche in China, den der Papst in dem genannten Schreiben ausgerufen hatte.

P. Lombardi erklärte, dass gegenwärtig konkrete Schritte zur Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Vietnam gemacht würden. Diese Entwicklungen beobachte China mit größtem Interesse.

Der Dialog mit anderen Christen, Religionen, Nationen und Kulturen, so Lombardi abschließend, spiele in den vielfältigen und zahlreichen Beziehungen des Heiligen Stuhls und der ganzen katholischen Kirche eine wichtige Rolle. Auch die Medienorganisationen des Heiligen Stuhls spielten eine wichtige Rolle, allerdings sei die Zusammenarbeit innerhalb der Kirche unverzichtbar, um die Informationen und Ideen zu verbreiten. „Niemand innerhalb der Gemeinschaft der Kirche arbeitet alleine.“