Dialog und Friede sind die einzige Lösung

Monsignor Ignatius Kaigama über die Situation in Nigeria

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ROM, 21. August 2012 (ZENIT.org). - Im Rahmen des Meetings in Rimini schilderte Erzbischof Ignatius Kaigama, Präsident der Bischofskonferenz in Nigeria, im Gespräch mit Antonio Gaspari und anderen Journalisten die schwierige Lage in Nigeria.

Am 11. März 2012 griffen die Boko Haram die Kirche von San Finbar an und töteten 15 Personen. Die Boko Haram sind eine kleine Gruppe von Extremisten, die mit ihren Übergriffen versuchen, in Nigeria einen Bürgerkrieg zu entfachen. Seit Januar sind ihren Attentaten bereits 800 Menschen zum Opfer gefallen. Ihre Angriffe richten sich gegen christliche Kirchen und Gläubige, da Boko Haram westlicher Kultur und Erziehung feindlich gesonnen sind. Der augenblickliche Präsident Nigerias ist Christ; und deshalb seien die Angriffe von Boko Haram, wie Erzbischof Kaigama vermutet, auf oppositionelle politische Gruppierungen zurückzuführen.

„Als ich vor Ort ankam“, so Erzbischof Ignatius Kaigama, „war alles zerstört. Die jungen Menschen waren zornig und traurig. Sie baten mich, etwas zu tun. Einige warfen mir sogar vor, zu muslimenfreundlich eingestellt zu sein, und wollten zu den Waffen greifen. Daraufhin wandte ich mich um und kniete vor den heiligen Darstellungen nieder. Schlagartig schwiegen die jungen Männer. Ich sagte ihnen, sie sollten nach Hause zurückkehren und ihre Seelen nicht von Zorn und Haß bestimmen zu lassen.“ „Die Übergriffe", so Erzbischof Kaigama, „haben den Glauben auf eine harte Probe gestellt, weil es nicht leicht ist, unter diesen Bedingungen über Liebe und Vergebung  zu sprechen.“ „Auch wenn ich allein und stets Ziel von Angriffen bin, ist die Gnade des Herrn immer mit mir“, betonte der Erzbischof. Und er fügte hinzu: „Wir wurden angegriffen und getötet, aber die Hoffnung bleibt.“

Erzbischof Kaigama erklärte in einem Interview mit ZENIT, dass die Christen über ganz Nigeria verteilt lebten. Es sei richtig, dass teilweise versucht werde, die Christen zu verjagen oder zu konvertieren. Größtenteils sei aber das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen friedlich. Zur Förderung des interreligiösen Dialogs und des Friedens gründete Erzbischof Kaikama eine Bildungsstätte in seiner Diözese, wo Christen und Muslime gemeinsam studieren können. Die katholische Kirche in Nigeria leistet vor allem edukative und karitative Arbeit, sorgt für trinkbares Wasser und stellt sanitäre Einrichtungen zur Verfügung.

„Die einzige Lösung besteht darin, den Dialog und den Frieden zu fördern“, betonte Erzbischof Kaigama. Um den Dialog mit den Muslimen zu stärken, nahm er an gemeinsamen Mahlzeiten teil. Vor einigen Tagen war Erzbischof Kaigama außerdem zu Gast in der Moschee, um an den Abschlussfeierlichkeiten des Ramadan teilzunehmen.

Erzbischof Kaigama schloss mit den Worten, dass Jesus am Kreuz mit ausgebreiteten Armen gestorben sei, um die ganze Menschheit zu umarmen. Er bat, dafür zu beten, dass die Gewalt eine Ende nehme und dass Nigeria vereint bleibe. [bd]