Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman

Neuer Animations-Langfilm von "DreamWorks" zeigt die Liebe eines Vaters, der sich rührend um seinen Sohn kümmert, aber zugleich selbst lernen muss, den Reifungsprozess seines Sohnes zu akzeptieren

Berlin, (textezumfilm) | 396 klicks

Die Unterschiede zwischen den zwei größten Animationsstudios „Pixar“ und „DreamWorks“ werden immer geringer. Einerseits lassen es die letzten Pixar-Filme an der Originalität vermissen, die sie Jahre lang ausgezeichnet hatte. Andererseits holt „DreamWorks“ in Sachen Charakterzeichnung und Handlung merklich nach – so etwa zuletzt in „Drachenzähmen leicht gemacht“ (siehe Filmarchiv). Nun hat „DreamWorks“ seinem neuen Animations-Langfilm „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ in alter Pixar-Manier einen Kurzfilm vorangestellt. Auch wenn „Almost Home“ von den großartigen Pixar-Kurfilmen noch sehr weit entfernt ist, bedeutet das schon einen weiteren Schritt für das von Steven Spielberg mitbegründete Studio. 

Im eigentlichen Film „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ adaptieren Drehbuchautor Craig Wright und Regisseur Rob Minkoff für Kinder die eigentlich bekannte Handlung eines Zeitreise-Filmes. Basierend auf der in den sechziger Jahren in den Vereinigten Staaten populären Fernseh-Zeichentrickserie „Rocky and Bullwinkle” handelt „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ vom klügsten Hund der Welt. In einer Schnellmontage erzählt Mr. Peabody selbst, was er alles in seinem Leben erreicht hat, darunter auch die Verleihung des Nobelpreises. Allerdings ist Mr. Peabody ein Hund, den in seiner Kindheit kein Mensch adoptieren wollte. So hat er selbst einen kleinen verlassenen Jungen adoptiert, den er Sherman nennt. Aus einer Rückblende erfährt der Zuschauer, wie Mr. Peabody vom Gericht das Sorgerecht zugesprochen bekam – nach der herrlichen Logik eines Animationsfims: Wenn ein Junge einen Hund adoptieren könne, warum sollte nicht auch ein Hund einen Jungen adoptieren dürfen? Zu Shermanns Erziehung gehört insbesondere das Fach Geschichte aus eigener Anschauung: Der geniale Erfinder hat eine Zeitmaschine namens Zeitomat gebaut, mit der Vater und Sohn in die Vergangenheit fahren können. So erleben sie die französische Revolution aus nächster Nähe, etwa Maria Antoniettes Schwäche für Kuchen, müssen aber vor Maximilien de Robespierre fliehen, der auch die Zeitreisenden einen Kopf kürzer machen will. 

Ein Streit zwischen Sherman und seiner Klassenkameradin Penny gleich am ersten Schultag ruft die Jugendamt-Furie Miss Grunion auf den Plan. Um das Sorgerecht für seinen Adoptivsohn zu behalten, lädt Mr. Peabody Penny und ihre Eltern zu einem Versöhnungsessen ein. Während sich die Erwachsenen näher kommen, entdeckt Penny den Zeitomat. Dann ist kein Halten mehr, denn natürlich will sie ihn sofort ausprobieren. Sherman ruft Mr. Peabody zu Hilfe, und so beginnt eine Reise durch die Geschichte, die vom Hof Tutanchamuns im Jahre 1332 v. Chr. über das Florenz des beginnenden 16. Jahrhunderts mit Leonardo da Vinci zurück ans Ende des 12. vorchristlichen Jahrhunderts und in den Trojanischen Krieg führt. Irgendwann einmal stören die Zeitreisenden das Raum-Zeit-Kontinuum, was zu einer Katastrophe führen kann. 

Trotz seiner episodischen Struktur überzeugt der Film durch seine ausgefeilte Computer-Animation mit der klaren Zeichnung, bei der sich die übergroße Brille als auffälliges Charaktermerkmal sowohl von Mr. Peabody als auch von Sherman ausnimmt. Regisseur Minkoff und sein Produktionsdesigner David James verknüpfen ein Erscheinungsbild aus den fünfziger Jahren, etwa in Mr. Peabodys Appartement mit dem futuristischen Design des Zeitomats: „Es war wichtig, dem Film einen Hauch dieser Ära zu geben, aber gleichzeitig auch einen modernen Touch”, erklärt der Regisseur. In den Zeitreise-Sequenzen entspricht die Farbpalette der jeweiligen Zeit an, in der sie angesiedelt sind. Danny Elfmans Filmmusik passt sich wunderbar auch dem verspielten Charakter des Filmes an. 

Trotz der ansprechenden Animation legen die Filmemacher jedoch vor allem Wert auf die Figurenzeichnung und auf viele Anspielungen, die sich besonders an die Erwachsenen richten. So können etwa Erwachsene über solche Sätze herzlich lachen: „Das ist unfair. Alle meine Freunde kämpfen im trojanischen Krieg!“. Zwar zeigen die Filmemacher eine sehr eigenwillige Sicht der verschiedenen Epochen, in die Mr. Peabody, Sherman und Penny reisen, etwa in der Behandlung des berühmten Lächelns von Mona Lisa. Dennoch vermittelt „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ ohne erhobenen Zeigefinger gewisse Geschichtskenntnisse, ob es sich um ägyptische Geschichte, den Trojanischen Krieg, die Renaissance oder die Französische Revolution handelt. 

Interessant ist „Die Abenteuer von Mr. Peabody und Sherman“ freilich nicht nur wegen dieser Anspielungen und der rasanten Animation. Darüber hinaus handelt der Film von Craig Wright und Rob Minkoff eigentlich von einer Vater-Sohn-Beziehung. „Es geht ihnen wie jeder Familie, irgendwie werden die Dinge kompliziert und sie müssen an ihren Aufgaben wachsen und aus ihren Erfahrungen lernen, um letztendlich eine noch bessere Familie zu werden“, führt Regisseur Minkoff dazu aus. Obwohl es sich gegen Ende ein wenig zu viel Pathos in den Film einschleicht, verdeutlicht „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ die Liebe eines Vaters, der sich rührend um seinen Sohn kümmert, aber auch selbst lernen muss, den Reifungsprozess des Sohnes zu akzeptieren.

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Filmische Qualität:  Vier Sterne
Regie: Rob Minkoff
Darsteller: (dt. Stimmen): Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Hella von Sinnen, Thomas Rath, Matze Knop
Land, Jahr: USA 2013
Laufzeit: 92 Minuten
Genre: Animation
Publikum: ohne Altersbeschränkung
Einschränkungen: --
im Kino: 2/2014

Dr. José García, geb. 1958, Magister Artium 1982, promovierte in Mittlerer und Neuerer Geschichte an der Universität Köln 1989. Filmkritiker für verschiedene Zeitungen. Autor der Filmbücher „Träume, Werte und Gefühle. Die wundersame Welt von Film und Kino“ und „Der Himmel über Hollywood. Was große Filme über den Menschen sagen“. Mitglied im Verband der deutschen Filmkritik, Mitarbeit an den Jurys für die Verleihung des „Preises der Deutschen Filmkritik“. José García lebt und arbeitet in Berlin.