Die Abschaffung der Todesstrafe, eine dauerhafte politische Errungenschaft

Ansprache von Erzbischof Agostino Marchetto beim dritten „Kongress der Justizminister“

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ROM, 30. September 2008 (ZENIT.org).- Die katholische Kirche sei über den internationalen Einsatz zur Abschaffung der Todesstrafe sehr zufrieden und hege diesbezüglich große Hoffnungen, erklärte gestern, Montag, der Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Erzbischof Agostino Marchetto, im Rahmen einer internationalen Tagung zum Thema „Todesstrafe“ in Rom, an der Justizminister aus aller Welt teilnahmen.

Der Vatikan bekräftigte bei diesem dritten „Kongress der Justizminister“, den die Gemeinschaft Sant’Egidio ausrichtete, sein Nein zur Todesstrafe. Die Abschaffung sei ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer wirksameren Justiz. Statt der Todesstrafe müßten „gerechtere Strafformen“ gefunden werden, erklärte Erzbischof Marchetto in der Sala delle Statue des Palazzo Rospigliosi.

Das gelte auch für Schwerverbrecher, fuhr der Kurienerzbischof fort. Gleich welche Straftat jemand begangen habe – jeder müsse eine Chance zu Reue und Buße haben. Andererseits sei sich die Kirche aber auch bewusst, dass dieses Ziel nur schrittweise zu realisieren sei.

Marchetto betonte, dass ein Moratorium zur Todesstrafe deutlich mache, dass die Kultur des Lebens und die Heiligkeit des menschlichen Lebens, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, ein universeller Wert sei - „auch wenn er fortwährenden Angriffen und gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt ist“. Das gelte besonders für Länder, wo die Todesstrafe zur Normalität gehöre. Dennoch sei auch in diesen Nationen die rechtliche Möglichkeit zum Aufschub der Hinrichtungen gegeben. Das seit kurzem erreichte internationale Moratorium der Todesstrafe sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Erzbischof Marchetto forderte die Justizminister auf, Verantwortung zu übernehmen und die Abschaffung der Todesstrafe durchzusetzen, und zwar als eine dauerhafte politische Errungenschaft. Sein besonderes Lob galt schließlich den zahlreichen afrikanischen Staaten, die ihre Rechtssprechung in dieser Hinsicht geändert haben. Sie hätten, so Marchetto, jenen 141 Ländern etwas voraus, in denen die Todesstrafe noch praktiziert werde.