Die Akzente im Programm der Deutschen Bischofskonferenz

Ökumenisch, reformorientiert, pragmatisch, transparent, weltpolitisch engagiert

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FULDA, 28. September 2007 (ZENIT.org).- In ihrer Abschlusserklärung zur 140. Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die am Donnerstag in Fulda zu Ende ging, haben sich die deutschen Hirten einstimmig für die Fortsetzung eines ökumenischen Dialoges ausgesprochen, der sich besonders auf die gemeinsamen Glaubensschätze gründen soll.



„Die Rückkehr zu einem sachlichen Austausch und die Belebung bewährter ökumenischer Kontakte haben deshalb gegenwärtig besondere Priorität“, erklärte Kardinal Lehmann am Freitag während einer Pressekonferenz, in der er die Ergebnisse der vergangenen Tage zusammenfasste.

Ökumenisch, reformorientiert, pragmatische, transparent, weltpolitisch engagiert – so könnte man den Tenor der Abschlusserklärung auf den Punkt bringen.

Die Fortsetzung des theologischen Dialogs zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands kann nach Worten von Kardinal Lehmann „ein wichtiger Beitrag“ für die Ökumene sein. Von der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung, die vom 4. bis 9. September in Sibiu/Hermannstadt (Rumänien) stattfand, könne in dieser Hinsicht ein neuer Impuls ausgehen, fügte er hinzu. Bischof Feige, Leiter der deutschen 84köpfigen Delegation, hatte seinen Mitbrüdern im Bischofsamt über die Arbeiten in Sibiu und die damit verbundenen Perspektiven unterrichtet.

Mit Blick auf die aktuelle Debatte über sexuellen Missbrauch durch Geistliche erklären die Bischöfe nach einer ausführlichen Befragung des Regensburger Diözesanbischofs Gerhard Ludwig Müller, dass man vor dem Hintergrund der Vorgänge in diesem Bistum Erfahrungen ausgetauscht habe und entschlossen sei, „alles zu tun, um sexuellen Missbrauch mit allen Kräften aufzudecken“. Sie stellen fest: „Wir bedauern zutiefst alle Schäden, die bei den Opfern und ihren Familien entstehen. Es gibt die grundsätzliche Bereitschaft, therapeutische Maßnahmen zu unterstützen, auch materiell. Im Blick auf die Vergehen selbst können wir jedoch die ethische Verantwortlichkeit nicht vom Täter nehmen.“

Die Bischöfe haben in diesem Zusammenhang die Gültigkeit ihrer bereits im Jahr 2002 erlassenen Leitlinien „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ bestätigt.

Angesichts verschiedener pastoraler Bedürfnisse, die den Bischöfen vorgelegt wurden, kommt die Bischofskonferenz ihrer Zusage nach, allgemeine Leitlinien für die Feier der Tridentinischen Messe zu erlassen. „In den meisten deutschen Bistümern“, so Kardinal Lehmann, „fanden bereits vor dem neuen Motu Proprio mit Genehmigung des Diözesanbischofs an Sonntagen und werktags Tridentinische Messfeiern statt. Eine Umfrage im letzten Jahr hat gezeigt, dass der Bedarf hier weitgehend gedeckt ist.“

Weitere Initiativen zu einer lebendigeren Liturgie, die von der Bischofskonferenz mitgetragen werden, sind nach den Ausführungen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz „die großen Buchprojekte – die Übersetzung des Römischen Messbuchs 2002, die Revision der Einheitsübersetzung der Bibel und das neue Gebet- und Gesangbuch ‚Gotteslob‘“.

Mit Blick auf die Vorbereitungen der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“, die vom 5. bis zum 26. Oktober 2008 in Rom stattfinden wird, zeigen sich die Bischöfe über die „Verbreitung und den Umgang mit der Bibel“ sowie über verschiedene Veranstaltungen erfreut, wie etwa das ökumenische „Jahr der Bibel“ 2003.

In den vergangenen Tagen hatte Kardinal Lehmann in Fulda auch die neue Arbeitshilfe „,Mehr als Strukturen…‘ Neuorientierungen der Pastoral in den Diözesen. Ein Überblick“ vorgestellt. Sie ist in der Reihe „Arbeitshilfen“ (Nr. 216) erschienen und wird vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben.

Was die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland angeht, nimmt die Deutsche Bischofskonferenz „mit Besorgnis die vielfältigen Tendenzen zur Kenntnis, die Forschung mit embryonalen Stammzelllinien auszuweiten, deren Gewinnung die Tötung menschlicher Embryonen voraussetzt“, unterstrich Kardinal Lehmann.

„Angesichts der aktuellen Debatte im Deutschen Bundestag zur Änderung des Stammzellgesetzes betonen die deutschen Bischöfe erneut nachdrücklich die Unantastbarkeit des Lebensrechtes embryonaler Menschen. Sie fordern ein deutliches politisches Bekenntnis zu den Grundlagen des Embryonen-Schutzgesetzes und des Stammzellgesetzes. Eine weitere Aufweichung des Embryonenschutzes, zum Beispiel durch eine Verschiebung der geltenden Stichtagsregelung, mit der auch ein Signal gegen Anreize zur Tötung menschlichen embryonalen Lebens zur Gewinnung von Stammzelllinien gesetzt werden sollte, lehnen wir entschieden ab… Das glaubwürdige Eintreten für einen umfassenden Lebensschutzes in einer menschenwürdigen Gesellschaft lässt kein Abseitsstehen in dieser Grundsatzdiskussion zu.“

Auch die Bedeutung des weltpolitischen Engagements kam in Fulda zur Sprache. In dieser Hinsicht fordern die deutschen Bischöfe etwa die „Wiederaufnahme des Reformprozesses“ in der Türkei. „Im Rahmen dieses Prozesses müssen endlich auch die legitimen Anliegen der religiösen Minderheiten einer Lösung zugeführt werden, die den Standards eines demokratischen Rechtsstaates entspricht“, forderte Kardinal Karl Lehmann im Namen aller Bischöfe.

„Mit Bestürzung und Empörung haben wir zur Kenntnis genommen, dass das Oberste Gericht der Türkei dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel mit Urteil vom 13. Juni 2007 das Recht auf Verwendung seines seit Jahrhunderten verbürgten Titels abgesprochen und die Anerkennung des Patriarchats als juristische Person verweigert hat. Wir weisen entschieden den Anspruch eines weltlichen Gerichts zurück, sich in die inneren Angelegenheiten der Orthodoxen Kirche einzumischen und dem Patriarchen von Konstantinopel den Anspruch abzusprechen, nach eigener alter Tradition den Titel des ‚Ökumenischen Patriarchen‘ zu führen.“

Die Sorge der deutschen Bischöfe gilt auch Afrika: Erneut beklagen sie, dass in Simbabwe „die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten ungebremst voranschreitet“. Die Gründe dieser Misere „sind zum allergrößten Teil der Regierung Simbabwes anzulasten. Öffentliche Kritik wird jedoch mit geheimdienstlichen und polizeistaatlichen Methoden unterdrückt“, so Kardinal Lehmann. Und er bekräftigte: „Die deutschen Bischöfe unterstützen die Forderung der Simbabwischen Bischofskonferenz nach einem Ende der Gewalt und dem Aufbau von Rechtsstaatlichkeit und echter Demokratie.“

Auch den Christen im Nahen Osten müsse geholfen werden, denn sie „stehen zunehmend unter großem Druck und sind immer schwieriger werdenden Lebensbedingungen ausgesetzt“.

Franz-Josef Overbeck, der frisch geweihte und jüngste Weihbischof Deutschlands, so hieß es abschließend zum Thema Personalia, ist für die laufende Arbeitsperiode zum Mitglied der Glaubenskommission und der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen gewählt worden. Prälat Franz Jung wurde zum Visitator für die Priester und Gläubigen aus dem ehemaligen Erzbistum Breslau bestellt.