"Die Anbetung Gottes führt zur klassenlosen Gesellschaft"

Kardinal Reinhard Marx erinnert zu Fronleichnam an Gleichheit aller Menschen vor Gott

München, (Erzbistum Muenchen und Freising) | 259 klicks

Kardinal Reinhard Marx hat zum Fronleichnamsfest an die Gleichheit aller Menschen vor Gott erinnert. „Die Anbetung Gottes – so kann man etwas überspitzt sagen – führt zur klassenlosen Gesellschaft, nicht Revolution, Gewalt oder Enteignung: das Bewusstsein, dass wir alle arm, dass wir alle Bettler sind vor Gott“, so der Erzbischof von München und Freising beim Festgottesdienst am Donnerstag, 19. Juni, auf dem Münchner Marienplatz. Zu der Messe und der anschließenden Prozession zum Altar vor St. Ludwig und wieder zurück zum Marienplatz, wo der eucharistische Segen gespendet wurde, versammelten sich rund zehntausend Gläubige.    

Zum Auftrag der Kirche gehöre die Feier von Gottesdiensten als Erinnerung daran, dass der Mensch „keine Ansprüche vor Gott“ habe, dass er ein Geschenk sei, dass er aus Gnade lebe und im Grunde arm sei, erklärte Marx. „Keiner hat einem anderen etwas voraus vor Gott, alle sind gleich“, unterstrich der Kardinal. Jesus Christus sei das „große Geschenk Gottes, das man nicht kaufen kann“, und ihn „als Weg in die unendliche Liebe Gottes hinein“ in die Gesellschaft einzubringen, sei Aufgabe der Kirche. Dieser Gedanke der Gabe, des Geschenkes und der Unentgeltlichkeit wende sich „gegen die Logik des Geldes und eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche“. Die Liebe, die Familie und viele weitere zentrale Erfahrungen des Menschen seien „nicht Erfahrungen, die wir kaufen können“, so der Erzbischof. 

Das Fronleichnamsfest ist nach den Worten von Marx auch „ein Fest gegen das Vergessen“ und zugleich gegen die „Versuchung, Erinnerungsdaten aufzugreifen, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, um Politik zu machen, um bestimmte Botschaften zu vermitteln und damit manchmal auch die Geschichte zu verfälschen“. Wenn Katholiken das Fronleichnamsfest feierten, so feierten sie „es nicht selbst, sondern schauen auf den, der etwas an uns getan hat“. 

Fronleichnam wurde vor 750 Jahren vom damaligen Papst Urban IV. zum offiziellen kirchlichen Fest erklärt. Der Begriff „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „fron“ bedeutet „Herr“ und „lichnam“ meint den lebendigen Leib. An Fronleichnam, dem „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, zeigen Katholiken öffentlich ihren Glauben an die Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Sie tragen dabei das Allerheiligste, eine konsekrierte Hostie, in einem kunstvoll verzierten Schaugefäß, einer Monstranz, durch die Straßen ihrer Gemeinde und beten an mehreren Altären um Gottes Segen. (ck)

(Quelle: Webseite des Erzbistums München und Freising, 19.06.2014)