Die Annahme der irakischen Verfassung, ein \"gutes Vorzeichen\"

Erzbischof Filoni, Apostolischer Nuntius im Irak, fordert Nachbesserungen

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ROM, 27. Oktober 2005 (ZENIT.org).- In der italienischen Ausgabe des \"Osservatore Romano\" wurde am Mittwoch die Annahme des irakischen Verfassungsentwurfs als \"ein gutes Vorzeichen\" für den Friedensprozess und für die Errichtung einer dauerhaften Demokratie im Irak bewertet.



\"Im schwierigen und mühsamen politischen Prozess, den der Irak durchmacht\", sei das Referendumsergebnis \"ein Schritt vorwärts\", hieß es im Leitartikel der offiziellen Tageszeitung des Vatikans. Die Ergebnisse waren am Dienstag offiziell veröffentlicht worden. Zuvor hatten die Sunniten eine Anhörung wegen Wahlbetrugs eingebracht, der sich aber nicht bestätigte.

Nach \"unzähligen Tagen des Blutvergießens in Bagdad, einer Stadt, die durch die Strategie des Terror schwer gezeichnet ist\", sei die Annahme des Verfassungsentwurfs in der irakischen Hauptstadt und im ganzen Land ein ganz besonderes Ereignis gewesen. \"Angesichts dieser Strategie, die keinen Waffenstillstand kennt, ergibt sich die Dringlichkeit, angemessene politische Lösungen zu finden\", die auf nationaler wie auf internationaler Ebene mitgetragen werden müssten. Denn nur sie könnten dem Irak \"die notwendige Ruhe und Stabilität gewähren. In diesem Sinne scheint die Zustimmung zur neuen Verfassung ein gutes Vorzeichen zu sein – die Voraussetzung für weitere Fortschritte auf dem Weg zu einer wirklichen Demokratie.\"

Erzbischof Fernando Filoni, Apostolischer Nuntius im Irak, erklärte in einer ersten Stellungnahme, die Zustimmung zur Verfassung sei ein \"positiver Schritt in Richtung Normalisierung\". Anlässlich eines Besuchs in Amman (Jordanien) sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur \"AsiaNews\", die große Beteiligung am Referendum beweise \"die Entschlossenheit der Bevölkerung zum Wiederaufbau und zum Neuanfang\". Er fügte aber auch hinzu, dass die Verfassung in einigen Bereichen ganz offensichtlich widersprüchlich sei: \"Auf der einen Seite soll sie ein Vorbild für den Mittleren Osten sein, auf der anderen Seite enthält sie aber äußerst traditionelle Elemente. Es ist notwendig, daran zu denken, dass die irakische Gesellschaft gerade einen Umwandlungsprozess durchmacht, und wir müssen beachten, dass dieser Prozess noch weitergehen muss.\" Der offizielle Stellvertreter des Heiligen Vaters im Irak betonte, dass die irakische Regierung nun noch vier Monate Zeit habe, um den Verfassungstext zu verbessern. \"Das ist der Weg, um einige strittige Punkte zu lösen, die sonst problematisch werden und sogar zu Gewalttaten führen könnten.\"

In der irakischen Verfassung wird das Recht auf Religionsfreiheit zwar verteidigt, in Artikel 2.1 (a) heißt es aber: \"Kein Gesetz darf verabschiedet werden, das den Gesetzten des Islam widerspricht.\"