Die Antwort des Vatikans auf das Aids-Drama: Die Stiftung „Der Barmherzige Samariter“

Interview mit Kardinal Javier Lozano Barragán, ihrem Präsidenten

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ROM, 16. Januar 2008 (ZENIT.org).- Unter den 39,5 Millionen Menschen, die heute an Aids/HIV leiden, sind 2,4 Millionen Kinder, und 90 Prozent von ihnen leben in der Subsahara Afrikas. Um ihnen zu helfen, müssten monatlich pro Kopf rund 12,5 Euro aufgebracht werden, erklärte Kurienkardinal Lozano Barragán im ZENIT-Gespräch über die Arbeit der Stiftung „Der Barmherzige Samariter“.



Die im September 2004 von Papst Johannes Paul II. errichtete Einrichtung mit Sitz im Vatikan will zur Verringerung der Zahl von Menschen beitragen, die jedes Jahr aufgrund von Aids sterben (2006 waren es 2,9 Millionen), sowie zur Verhinderung von Neuinfizierungen, die gegenwärtig rund vier Millionen Menschen pro Jahr ausmachen. Die besondere Fürsorge der Stiftung gilt nach Worten des Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, der zugleich der Präsident der Stiftung ist, den Aids-Patienten.

Die bedürftigsten Kranken, vor allem Aids-Kranken, sollen mit den Mitteln der Stiftung wirtschaftlich unterstützt werden. Die Kirche Christi bemühe sich auf diese Weise, den von Christus erhaltenen Auftrag: „Heilt die Kranken“ (Lk 10, 9; Mt 10, 8) zu erfüllen und setze damit eine solidarische Liebesgeste zugunsten der verlassenen Menschen.

Die Initiative zur Errichtung der Stiftung ging vom genannten Päpstlichen Rat aus, dem sie auch anvertraut ist.

Erste Hoffnungen, Kapital für die Stiftung aus dem Global Fonds beziehungsweise von Einrichtungen in den USA zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu erhalten, hätten sich nach rund zwei Jahren als trügerisch erwiesen, berichtete der Kardinl. Zu sehr habe das Vorurteil überwogen, dass die Ablehnung von Präservativen als mögliche Vorbeugemaßnahme gegen Aids durch die katholische Kirche die Ausbreitung gewissermaßen fördere.

„Rund 27 Prozent der Einrichtungen, die weltweit Aids-Kranken helfen, haben katholische Träger und finanzieren sich durch Spenden“, erläuterte Kardinal Lozano Barragán. „Rund 44 Prozent gehören Regierungen, sind also Werke, die durch Steuereinnahmen getragen werden; rund elf Prozent sind Nichtregierungsorganisationen und acht Prozent gehören anderen religiösen Gruppen“.

Angesichts der Tatsache, dass Aids nur durch eine enge Zusammenarbeit eingedämmt werden könne, gehe es der Stiftung „Der Barmherzige Samariter“ um die Vernetzung von katholischen Hilfswerken und Einrichtungen und den Aufbau von Gesundheitszentren. Allerdings verfügten sie meistens nicht über die Mittel, um die erforderlichen Medikamente zu bezahlen. Und andererseits gebe es noch zu wenige, um die dringlichsten Bedürfnisse abzudecken.

Jährlich appelliert die Stiftung „Der Barmherzige Samariter“ deshalb vor allem an die Bischöfe und ihre Diözesen auf der ganzen Welt; an Priester, Ordensinstitute, Stiftungen für karitative Werke und alle Menschen guten Willens. „Wir ersuchen Sie alle, sich auf Dauer zusammenzuschließen, um dieser Aufforderung großherzig zu entsprechen.“

Der Stiftung, die ihre Aufgabe als Brückenfunktion sieht, ist es gelungen, dank Unterstützungen aus denUSA die fachmännische Betreuung eines Patienten durch eine besondere Behandlungsmethode für ein ganzes Jahr mit einer Summe von 217 US-Dollar (rund 150 Euro) gewährleisten zu können.

Der Apostolische Nuntius von Ghana habe den Erfolg dieser Behandlungsmethode bestätigt, so der Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, den besonders die Begegnung mit einer Gruppe von Waisenkindern beeindruckte, die wie Hunderttausende andere auch ihre Eltern aufgrund von Aids verloren haben und von den oft überforderten Großeltern betreut werden.

Die Stiftung „Der Barmherzige Samariter“ schenke vielen Menschen Hoffnung, benötigte aber das ganze Jahr über Unterstützung.

Nähere Informationen auch im Hinblick auf Spenden direkt beim


Päpstlichen Rat für die Pastoral im Krankendienst
(http://www.healthpastoral.org/)

Palazzo S. Paolo

00120 Ciudad del Vaticano

Tel: +39.06.69883138

Fax: +39.06.6988.3139
E-Mail: goodsamaritan@hlthwork.va ; opersanit@hlthwork.va


Die Büros befinden sich in der:

Via della Conciliazione 3

00193 Roma


[Das Interview führte Marta Lago; Zusammenfassung des spanischen Originals von Angela Reddemann]