Die Antwort Gottes auf Not und Vertreibung

100 Jahre Speckpater: Jubiläumsveranstaltung in Köln

Köln, (ZENIT.orgKIN) | 895 klicks

Zum 100. Geburtstag von Pater Werenfried van Straaten standen am Samstag das Leben und Vermächtnis des „Speckpaters“ im Mittelpunkt einer Jubiläumsveranstaltung des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Köln. Der Gedenktag begann mit einem von Joachim Kardinal Meisner geleiteten Gottesdienst im Kölner Dom, zu dem sich etwa 700 Gläubige versammelt hatten. In seiner Predigt würdigte der Kölner Erzbischof die Verdienste Pater Werenfried van Straatens. Der Gründer von „Kirche in Not“ sei der Kirche als „Antwort Gottes“ auf die Herausforderungen des 20. Jahrhunderts geschenkt worden. Aus geistlicher Sicht habe das Hilfswerk heutzutage vor allem drei Aufgaben: Zum einen müsse es über Christen in der Diaspora berichten und damit das Interesse am Schicksal der bedrängten Kirche weltweit wachhalten. Außerdem müsse „Kirche in Not“ weiterhin eine „Nährmutter“ für die Kirche sein und geistliche Not jeder Art lindern. Und nicht zuletzt solle das Werk Stätten der „Sammlung und Begegnung“ für die Gläubigen schaffen. Abschließend würdigte der Kardinal die Arbeit des Hilfswerks: „Ich möchte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausdrücklich sagen: Ihre alltägliche Arbeit ist letztlich Dienst am verlassenen Herrn selbst.“

Nach dem Gottesdienst wurde das Jubiläum mit zwei Podiumsgesprächen im Maternushaus der Erzdiözese Köln fortgesetzt. Auf dem ersten Podium erinnerten sich die Vorstandsvorsitzende von „Kirche in Not“ Deutschland, Antonia Willemsen, und der Gründer des Drogenentzugsprojekts „Fazenda da Esperanca“, Frei Hans Stapel, an ihre persönlichen Erlebnisse mit Pater Werenfried. Außerdem erklärte die Generalsekretärin des benediktinischen Hilfswerks „Alliance Inter Monastères“, Sr. Gisela Happ, wieso gerade kontemplative Klöster weltweit auf die Hilfe Pater Werenfrieds angewiesen waren und sind. „Ich sammle Spenden für 400 Benediktinerklöster weltweit – die meisten davon mit Sitz in der Dritten Welt“, sagte sie. Während viele Organisationen Geld für humanitäre Projekte zur Verfügung stellten, sei „Kirche in Not“ eines der wenigen Hilfswerke, die Orte des Gebets vorrangig unterstützen. „Pater Werenfried und sein Werk schenken so vielen Menschen Hoffnung“, betonte Happ.

Frei Hans Stapel ergänzte, diese Hoffnung sei aus dem unerschütterlichen Gottvertrauen Pater Werenfrieds gewachsen. „Wenn er eine Not sah, hat er auch dann Hilfsgelder versprochen, wenn er sie noch gar nicht gesammelt hatte. Er vertraute ganz einfach darauf, dass das Geld schon irgendwie zu ihm kommen würde. In einer Zeit, in der noch die Verkündigung des strengen Gottes im Vordergrund stand, predigte der 'Speckpater' einen barmherzigen Vatergott. Er hat es geschafft, den Menschen etwas zu zeigen, das mehr wert ist als Geld.“

Darüber, wie kreativ Pater Werenfried bei seinen Sammelaktionen war, konnte Antonia Willemsen eine Anekdote erzählen: „Nach dem Krieg war es für die Flüchtlingshilfe enorm schwierig, Männerschuhe in den Größen 46 und 47 zu bekommen. Darum zog sich Pater Werenfried zur heiligen Messe immer völlig verschlissene Schuhe an und achtete darauf, bei der Wandlung mit dem Rücken zum Volk zu knien. Das Ergebnis war, dass viele Leute bei ihm anriefen und ihn nach seiner Schuhgröße fragten; denn sie wollten ihm neue Schuhe schenken. Und so hatte der Speckpater wöchentlich eine andere Schuhgröße – ganz abhängig davon, welche gerade von den Flüchtlingen gebraucht wurde.“

Ein zweites Podiumsgespräch widmete sich anschließend der Frage, welche Spuren Pater Werenfried auf der ganzen Welt hinterlassen habe. Aus der Ukraine war dazu der ehemalige Sekretär des berühmten Kardinals Josyf Slipyi, Ivan Dacko, angereist. Er berichtete, wie Pater Werenfried die verfolgte griechisch-katholische Kirche in der Ukraine während der Zeit der kommunistischen Besatzung unterstützt hatte: „Wir waren eine liquidierte Kirche. Keiner hat uns so sehr geholfen wie Pater Werenfried. Als es nicht möglich war, mit Geld zu helfen, schickte er Pakete voller Gebetsbücher und rettete damit den Glauben in der Ukraine.“ Heute sei Versöhnung die wichtigste Aufgabe der Kirche in dem osteuropäischen Land. „Die Ukraine ist ein Kernland der Ökumene“, betonte Dacko. „Hier treffen Ost und West, Riten und Konfessionen aufeinander.“ Daher sehe er es als seine Aufgabe, ganz im Sinne Pater Werenfrieds die Zusammenarbeit mit der orthodoxen Schwesterkirche voranzutreiben.

Ein weiteres Schlaglicht auf die weltweite Arbeit des Hilfswerks Pater Werenfrieds warf der Bischof der Diözese Soddo in Äthiopien, Rodrigo Mejía Saldarriaga. Er berichtete, dass in seiner Diözese im Süden des Landes christliche Missionsarbeit immer noch vorrangig sei. „Die Einwohner in meiner Region gehören 60 Nomadenstämmen an, die größtenteils noch nie etwas von Christus gehört haben.“ Mit Unterstützung von „Kirche in Not“ predige er Feindesliebe und Versöhnung unter diesen kriegerischen Stämmen. Durch diese Arbeit sei seine Kirche hoch angesehen, obwohl sie weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung der Region ausmache.

Ganz persönlich von Pater Werenfried inspiriert war die philippinische Ordensfrau Eppie Brasil. Sie berichtete auf dem Podium, wie ihre Berufung und ihr pastorales Wirken durch die Großzügigkeit des „Speckpaters“ erst richtig zum Leben erweckt wurden. „Als ich ihn zum ersten Mal sah, kam er auf mich zu und umarmte mich. Seine herzliche Art ließ mich hoffen, dass alles gut werden würde – und so war es auch.“ Pater Werenfried half ihr, eine große Kapelle zu Ehren der Gottesmutter zu errichten und begleitete sie auf ihrem geistlichen Weg, der sie durch viele Schwierigkeiten führte. „Mit Gottes Hilfe konnte ich eine unheilbare Krankheit besiegen, und meine Mutter wie auch meine Schwester traten in den Dominikanerorden ein. Ich bin Pater Werenfried ewig dankbar für seine Hilfe.“

Am 17. Januar  hätte Pater Werenfried van Straaten seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der niederländische Prämonstratensermönch hatte nach dem Zweiten Weltkrieg von Belgien aus Hilfslieferungen für die deutschen Heimatvertriebenen organisiert. Da diese Hilfe zunächst vor allem aus Naturalien bestand, bekam er den Spitznamen „Speckpater“. Aus der von ihm gegründeten „Ostpriesterhilfe“ ging später das Hilfswerk „Kirche in Not“ hervor, das heute weltweit in über 140 Ländern pastorale Hilfsprojekte umsetzt. Pater Werenfried starb im Jahr 2003.

„Kirche in Not“ lädt zum Gedenken an den „Speckpater“ in diesem Jahr zu einer „Glaubenstournee“ in neun deutsche Glaubensstätten ein. Der nächste Gedenktag wird am 13. April in der Gebetsstätte Marienfried (Pfaffenhofen a. d. Roth) sein. Weitere Stationen der Glaubenstournee sind Eichstätt, Königstein im Taunus, Limburg, das Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben, das Kloster Marienrode in Hildesheim sowie die Wallfahrtsorte Vierzehnheiligen und Kevelaer.