"Die Arbeit ist Teil des göttlichen Plans der Liebe"

Katechese von Papst Franziskus während der Generalaudienz am 1. Mai

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 574 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Rede sprach der Papst über den hl.Josef den Arbeiter und über den der Gottesmutter gewidmeten Monat Mai.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen richtete Papst Franziskus einen besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des „Vaterunser“ und dem apostolischen Segen.

Wir veröffentlichen die Worte von Papst Franziskus in einer eigenen Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Am heutigen ersten Mai, dem Fest des hl. Josef des Arbeiters, beginnt der traditionelle Marienmonat. Im Rahmen dieser Begegnung mit euch möchte ich diesen beiden für das Leben Jesu, das Leben der Kirche und unser Leben so wesentlichen Figuren zwei kurze Gedanken widmen: zur Arbeit und zur Betrachtung Jesu. .

Im Matthäusevangelium begegnen wir einem Moment der Rückkehr Jesu in seine Heimstadt Nazareth. Als er in der Synagoge lehrt, zeigen sich die Dorfbewohner wegen seiner Weisheit sehr erstaunt und stellen sich folgende Frage: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“ (Mt 13,55). Jesus tritt in die Geschichte ein und kommt in unsere Mitte. Er wird von Maria durch göttliches Wirken geboren, jedoch in Anwesenheit des hl. Josef, seines gesetzlichen Vaters, der ihn beschützt und ihn sein Handwerk lehrt. Jesus wird in eine Familie hineingeboren; er lebt in einer Familie, der hl. Familie, und erlernt von Josef den Beruf eines Zimmermannes in der Werkstatt von Nazareth. Er teilt mit ihm den Einsatz, die Mühe, die Zufriedenheit, aber auch die Schwierigkeiten jedes Tages. Dies ruft uns die Würde und die Bedeutung der Arbeit in Erinnerung. Dem Buch Genesis zufolge schuf Gott Mann und Frau und erteilte ihnen die Aufgabe, die Erde zu bevölkern und über sie zu herrschen. Dies bedeutet nicht, sie auszubeuten, sondern sie zu bebauen und zu behüten und sie durch die eigene Arbeit zu pflegen (vgl. Gen 1,28; 2,15). Die Arbeit ist Teil des göttlichen Plans der Liebe; wir sind dazu berufen, alle Güter der Schöpfung zu pflegen und zu hüten. Auf diese Weise nehmen wir Anteil an dem Werk der Schöpfung! Die Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Würde eines Menschen. Um ein Bild zu verwenden, „salbt“ uns die Arbeit mit Würde, sie erfüllt uns mit Würde; sie macht uns Gott ähnlich, der immer gearbeitet hat und arbeitet, der immer wirkt (vgl. Joh 5,17); sie verleiht uns die Fähigkeit, uns selbst und unsere Familie zu erhalten, einen Beitrag zum Wachstum unserer Nation zu leisten. In diesem Zusammenhang denke ich an die Schwierigkeiten, mit denen heute in vielen Ländern die Welt der Arbeit und des Unternehmens konfrontiert ist. Ich denke an alle, die arbeitslos sind, nicht nur an die jungen Menschen, oftmals aufgrund einer rein ökonomischen Konzeption der Gesellschaft, die den egoistischen Profit sucht, jenseits des großen Ideals der sozialen Gerechtigkeit.

Ich möchte alle zur Solidarität aufrufen und ermutige die Verantwortlichen für das Gemeinwesen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um der Beschäftigung neue Impulse zu verleihen. Das bedeutet, für die Würde der Person Sorge zu tragen. Vor allem aber möchte ich dazu aufrufen, die Hoffnung nicht zu verlieren. Auch der hl. Josef durchlebte schwierige Momente, die er jedoch in der Beständigkeit seine Vertrauens und der Gewissheit, dass Gott uns nicht verlässt, zu überwinden vermochte. In besonderer Weise möchte ich mich an die jungen Menschen wenden: Engagiert euch in euren alltäglichen Pflichten, eurer Ausbildung, eurer Arbeit, den Freundschaften, in der Hilfe gegenüber den anderen: Eure Zukunft hängt auch davon ab, wie ihr es versteht, diese kostbaren Jahre des Lebens zu verbringen. Habt keine Angst vor dem Einsatz, dem Opfer, schaut nicht angstvoll in die Zukunft; erhaltet die Hoffnung am Leben: Es strahlt immer ein Licht am Horizont.

Besondere Sorge bereitet mir eine besondere Form der Arbeit: jene, die man als „Sklavenarbeit“, versklavende Arbeit, bezeichnen kann. Wie viele Menschen auf der Welt sind Opfer dieser Form der Versklavung, bei der die Person der Arbeit dient, während es die Arbeit sein muss, die den Menschen einen Dienst erweist, damit sie Würde besitzen. Ich bitte alle Brüder und Schwestern im Glauben sowie alle Menschen guten Willens um ein entschiedenes Vorgehen gegen den Menschenhandel, im Rahmen dessen die „Sklavenarbeit“ vorkommt.

Nun möchte ich zum zweiten Gedanken übergehen: In der Stille des alltäglichen Wirkens haben der hl. Josef und Maria nur einen einzigen Mittelpunkt: Jesus. Mit Engagement und Sanftmut begleiten und beschützen sie das Heranwachsen des für uns menschgewordenen Sohnes Gottes und denken über alle Ereignisse nach. In den Evangelien betont der hl. Lukas zwei Mal die Haltung Mariens und des hl. Josef: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19.51). Um den Herrn zu hören, ist es notwendig, ihn zu betrachten, seine beständige Gegenwart in unserem Leben wahrzunehmen. Man muss innehalten und im Gebet in einen Dialog mit ihm treten. Jeder von uns, auch die Mädchen,Jungen und Jugendlichen, die heute so zahlreich erschienen sind, muss sich folgende Frage stellen: Welchen Raum gebe ich dem Herrn? Gehe ich ein Gespräch mit ihm ein? Seit unserer Kindheit haben unsere Eltern uns die Gewohnheit mitgegeben, den Tag mit einem Gebet zu beginnen und abzuschließen, um uns zu einem Spüren der uns begleitenden Freundschaft und Liebe Gottes zu erziehen. Lasst uns in unserem Tagesverlauf öfter an den Herrn denken!

Im gegenwärtigen Monat Mai möchte ich an die Bedeutung und an die Schönheit des Rosenkranzgebetes erinnern. Das Rezitieren des Ave Maria führt uns zur Betrachtung der Mysterien Jesu, zu einem Nachdenken über die zentralen Momente seines Lebens, auf dass er wie für Maria und für den hl. Josef der Mittelpunkt unserer Gedanken, unserer Aufmerksamkeit und unseres Handelns werde. Es wäre schön, wenn wir ganz besonders im Monat Mai gemeinsam mit der Familie, den Freunden oder der Pfarrgemeinde das hl. Rosenkranzgebet oder Gebete zu Jesus oder zur Jungfrau Maria sprechen würden! Das gemeinsame Gebet ist ein kostbarer Moment, um das Familienleben und die Freundschaften noch fester zu machen! Lernen wir, öfter in der Familie und als Familie zu beten!

Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir den hl. Josef und die Jungfrau Maria darum, uns zu lehren, unseren täglichen Aufgaben treu zu sein, unseren Glauben in den alltäglichen Handlungen zu leben, dem Herrn mehr Raum in unserem Leben zu geben und zur Betrachtung seines Antlitzes innezuhalten. Danke.