Die Aufgabe der Erziehung, höchste Berufung des Christen

Papst Benedikt XVI. empfängt die italienischen Bischöfe

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ROM, 28. Mai 2009 (ZENIT.org).- Die Erziehung gehört nach Worten Benedikts XVI. zu den grundlegenden Aufgaben der Kirche und der Gesellschaft in Italien.

Beim Empfang der Mitglieder der italienischen Bischofskonferenz betonte der Papst heute im Vatikan, dass gute Erzieher Autorität und persönliche Vorbildwirkung zu verbinden wüssten. Außerdem benützte der Heilige Vater die Zusammenkunft, um neuerlich seine Solidarität mit den Erdbebenopfern der mittelitalienischen Abruzzen zu bekunden.

Der Papst beklagte die Folgen der Weltwirtschaftskrise für die Armen und rief zu Solidaritätsaktionen auf, die den von der Krise Betroffenen Hilfe bringen. „Wir erleben schon seit Monaten die Folgen einer Finanz- und Wirtschaftskrise, die in unterschiedlicher Härte alle Länder erreicht hat", so der Heilige Vater. „Trotz der verschiedenen Maßnahmen gegen die Krise sind ihre sozialen Folgen doch noch sehr spürbar, vor allem für die Schwächsten der Gesellschaft und für die Familien."

Hilfsinitiativen, die sich an der Spendensammlung des Apostels Paulus für die Kirche in Jerusalem orientieren sollten, seien ein deutliches Zeugnis, dass die Lasten miteinander geteilt würden. In schwierigen Zeiten vor allem für jene, die ihre Arbeit verloren hätten, werde diese Geste zu einem wahren „Akt des Kultes". Er erwachse aus der Nächstenliebe, die der Geist des Auferstandenen in den Herzen der Gläubigen wecke.

Die neuen Generationen benötigten „angesehene Erzieher" zu ihrer Leitung, betonte Benedikt XVI. nachdrücklich. Die italienischen Bischöfe, die in den vergangenen Tagen zu ihrer Vollversammlung zusammengekommen waren, hatten sich vor allem des Themas der Erziehung angenommen.

Die Erziehung ist für den Papst eine „konstitutive und andauernde Erfordernis des Lebens der Kirche" und nehme heute Züge der „Dringlichkeit" und des „Notstands" an. Deshalb es notwendig, über das Erziehungsprojekt nachzudenken, „das sich aus einer konsistenten und vollständigen Sicht des Menschen ergeben muss". Das könne aus Jesus Christus gelingen, denn er sei der Meister, „in dessen Schule die Aufgabe der Erziehung als höchste Berufung" neu zu entdecken sei.

In einer Zeit, in der die Faszination relativistischer und nihilistischer Lebenskonzepte besonders stark sei und die Legitimität der Erziehung in Frage gestellt werde, bestehe der erste Beitrag der Christen darin, das Vertrauen in den Menschen, in seine Vernunft und in seine Liebesfähigkeit zu bezeugen.

Papst Benedikt äußerte in dieser Hinsicht seine Hoffnung , dass eine „Erziehungsallianz" gebildet werden könne, die alle verbinden sollte, die in diesem Bereich Verantwortung tragen. Und die Erziehung dürfe sich nicht nur auf die neuen Generationen erstrecken, sondern sie müsse vielmehr auf das Erwachsenenalter ausgedehnt werden. „Niemand ist von der Aufgabe befreit, sich um sein eigenes Wachstum und das Wachstum der anderen zum Maß der Fülle in Christus hin zu kümmern."

Schließlich erinnerte der Papst die Bischöfe an seinen Besuch in der Diözese L'Aquila am 28. April und erneuerte gegenüber den dort lebenden Menschen, die an den Folgen des Erdbebens vom 4. April leiden, die Zusicherung seines Gebetes und seiner Freundschaft.

Benedikt XVI. verabsäumte es nicht, den Priestern, Ordenleuten und gläubigen Laien, die sich in den italienischen Pfarrgemeinden einsetzen, Worte der Ermutigung zuzusprechen. Der Papst erkannte an, dass die Probleme nicht verdeckt werden dürften, die mit der Bemühung, die Gläubigen zur vollen Verbundenheit mit Christus zu führen, einher gehen könnten. Es sei kein Zufall, dass eine Erneuerung „im Zeichen einer wachsenden Zusammenarbeit der Laien" gewünscht werde.

Abschließend betonte Papst Benedikt die „einzigartige Einheit, die die Kirche in Italien mit dem Apostolischen Stuhl verbindet". Benedikt XVI. lobte den Einsatz der italienischen Bischöfe zur „Förderung einer Mentalität zugunsten des Lebens in all seinen Aspekten und Phasen", insbesondere wenn es gebrechlich sei. Einen besonderen Akzent legte der Heilige Vater in diesem Zusammenhang auf das Manifest der Bischöfe unter dem Titel „Frei sein zum Leben. Das Leben bis zum Schluss lieben". Dieses Dokument zeige das Engagement der katholischen Laien, die sich dafür einsetzten, dass in Italien „das Bewusstsein der vollen Wahrheit über den Menschen" nicht schwinde.