Die Aufhebung der Exkommunikation: „Quelle der Freude für die ganze Kirche“

Scharfe Verurteilung der Holocaust-Leugnung

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ROM, 26. Januar 2009 (ZENIT.org).- Der Direktor des vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi SJ, hat die Aussagen des Bischofs der Priesterbruderschaft St. Pius X., Richard Williamson, zum Holocaust als „in keiner Weise akzeptabel“ bezeichnet. Die mit dem Dekret vom 21. Januar erfolgte Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft habe nichts mit den Vorwürfen gegenüber Williamson zu tun, insofern es sich „um eine andere Sache“ handle. Die Geste des Papstes sei eine Quelle großer Freude.



Das Dekret des Heiligen Stuhls, das der Präfekt der zuständigen Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Giovanni Battista Re, unterzeichnet hat, ist nach Worten Lombardis „ein fundamentaler Schritt, um eine definitive Versöhnung“ mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu erreichen

Mit einem Dekret Papst Johannes Pauls II. war im Jahr 1988 nach den vier unerlaubten Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre die Kirchenstrafe der Exkommunikation „latae sententiae“ für diese sowie den weihenden Erzbischof festgestellt worden. Das Wesen einer Exkommunikation „latae sententiae“ besteht darin, dass die automatisch mit der Begehung der unrechtmäßigen Tat eintritt, ohne dass diese untersucht und der Schuldige verurteilt wird.

Johannes Paul II. hatte festgestellt: „Die Tat als solche war Ungehorsam gegenüber dem Römischen Papst in einer sehr ernsten und für die Einheit der Kirche höchst bedeutsamen Sache, wie es die Weihe von Bischöfen ist, mit der die apostolische Sukzession sakramental weitergegeben wird. Darum stellt dieser Ungehorsam, der eine wirkliche Ablehnung des Römischen Primats in sich schließt, einen schismatischen Akt dar. Da sie diesen Akt trotz des offiziellen Monitums vollzogen, das ihnen durch den Kardinalpräfekten der Kongregation für die Bischöfe am vergangenen 17. Juni übermittelt wurde, sind Msgr. Lefebvre und die Priester Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta der schweren Strafe der Exkommunikation verfallen, wie die kirchliche Disziplin vorsieht.“

Für P. Lombardi zeigt der Blick zurück auf die Kirchenspaltungen im Lauf der Jahrhunderte, „dass es oft Unterlassungen der Kirche waren, die zu einer Konsolidierung dieser Spaltungen führten“. Darauf habe der Papst einmal hingewiesen. Er sei überzeugt, dass man alles tun müsse, „um denen, die eine Einheit wirklich wollen, eine solche auch möglich zu machen“.

P. Lombardi erinnerte daran, dass Kardinal Ratzinger in seiner damaligen Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation 1988 selbst viel mit Erzbischof Lefebvre verhandelt hatte. Bereits damals habe er versucht, alles für die Einheit der Kirche zu tun. Die unerlaubten Bischofsweihen jedoch hätten einen schwerwiegenden Bruch herbeigeführt. Allerdings seien im Lauf der letzten Jahre mehrere Gemeinschaften, die mit der Lefebvre-Bewegung verbunden waren, doch wieder in die volle Kirchengemeinschaft zurückgekehrt.

Die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ habe die ganze Zeit über geduldig gearbeitet, um die Wege des Dialogs offen zu halten. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. sei mit ihren vier Bischöfen die wichtigste Gemeinschaft gewesen, mit der es galt, die Gemeinschaft wiederherzustellen.

Der Direktor des Presseamtes ist froh darüber, dass die Rücknahme der Exkommunizierung mit dem 50. Jahrestag der Ankündigung des Konzils zusammenfällt. So könne dieses „grundlegende Ereignis“ jetzt nicht mehr als Anlass zu Spannungen, sondern als Grund der Einheit angesehen werden. Der Text des Dekrets mache deutlich, dass der Weg zur vollen Einheit noch nicht abgeschlossen sei. Der juridische Status der Bruderschaft sowie der zu ihr gehörigen Priesterschaft sei durch das Dekret nicht geklärt.

Im Vorfeld der Aufhebung der Kirchenstrafe durch Benedikt XVI., die am vergangenen Samstag offiziell bekannt gegeben wurde, war es zu Auseinandersetzungen um einen der bisher exkommunizierten Bischöfe gekommen. Der Engländer und Konvertit Richard Williamson hatte in einem im letzten Jahr vom schwedischen Fernsehen in Regensburg aufgezeichneten Interview erklärt, dass historische Fakten gegen die Existenz von Gaskammern sprächen. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern höchstens 200.000 bis 300.000. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat mittlerweile ein Verfahren gegen Williamson wegen Volkesverhetzung eingeleitet, da er das Interview, in dem er die Existenz der Gaskammern leugnet, bei einem Besuch im Priesterseminar der Bruderschaft St. Pius X. in Zaitzkofen bei Regensburg gegeben hatte. Das Leugnen des Holocaust steht in Deutschland unter Strafe.

Zur Problematik der Leugnung des Holocaust durch Bischof Williamson erklärte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, heute im ZDF, dass diese inakzeptabel sei und nicht zur Lehre der katholischen Kirche gehöre. Williamson werde früher oder später seine Äußerungen zurückziehen müssen, so Kopp. Die Kirche habe Mechanismen, auf ihn einzuwirken.

Williamson habe sich verpflichtet, die Lehre der katholischen Kirche anzuerkennen, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz weiter. Dazu gehöre auch das Versprechen, den Dialog mit dem Judentum voranzutreiben und jede Form von Antisemitismus zu bekämpfen.

Für Kardinal Walter Kasper sind derartige „dummen“ Äußerungen unannehmbar. „Die Leugnung des Holocaust ist absolut nicht die Position der katholischen Kirche“, erklärte Kasper gegenüber der römischen Zeitung „La Repubblica“. Die Kirche distanziere sich völlig von jeder Leugnung des Holocaust. Auch Kardinal Kasper hob hervor, dass die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe und die Äußerungen des einen von ihnen zwei Fragen darstellten, die nicht miteinander vermischt werden dürften. Ziel der Entscheidung des Papstes sei es, die Einheit der Kirche zu fördern.

Auch der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius, Bischof Bernard Fellay, setzte sich eindeutig von Williamson ab. Dieser sei allein für seine Worte verantwortlich. Die Bruderschaft habe nichts mit der Leugnung des Holocausts zu tun. Ebenso erklärte der deutsche Distrikstobere P. Franz Schmidberger, „dass für Äußerungen, wie sie Bischof Williamson angeblich gemacht hat, nur der Urheber selber verantwortlich ist und diese nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln.“