Die Aufnahme des hl. Josefs in die Hochgebete

Der himmlische Patron der ganzen Kirche

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 595 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Hinzufügung des Namens des hl. Josephs in die am meisten verwendeten Hochgebete.

Frage: Sollte man nun, da der Name des hl. Josef auch in den eucharistischen Gebeten II, III und IV erwähnt wird, dies nicht auf die anderen eucharistischen Gebete, wie z.B. jene zum Thema „Versöhnung“ und „für Messen für besondere Anliegen“ ausweiten? -- R.H., Mararba, Nigeria

P. Edward McNamara: Die Weihnachtszeit war besonders geeignet, an das Dekret vom 1. Mai 2013 zu erinnern, durch das der Name des hl. Josef den wichtigsten eucharistischen Gebeten hinzugefügt worden ist.

Der Grund für diese Änderung ist nämlich, wie es im Dekret heißt, die besondere Rolle, die der hl. Josef in der Heilsgeschichte sowie in Bezug zur Kirche besaß. Der Text lautet:

„Indem den Heiligen Joseph von Nazareth die Funktion übertragen wurde, Ziehvater Jesu zu sein, wurde er zum Haupt der Familie des Herrn eingesetzt und erfüllte großzügig die ihm aus der Gnade der Heilsökonomie zugewiesene Mission. Da er vollkommen den Anfängen der menschlichen Heilsgeheimnisse zustimmte, ist er zu einem Musterbeispiel für jene wohlgefällige Demut geworden, die das Christentum für große Ziele bestimmt und zum Zeugen für jene allgemeinen, menschlichen und notwendigen Tugenden, um aufrichtige und authentische Nachfolger Christi zu sein. Durch diese Tugenden hat sich der Gerechte liebevoll um die Mutter Gottes gekümmert und widmete sich mit freudigem Engagement der Erziehung Jesu Christi. So ist er zum Hüter der wertvollsten Schätze von Gott Vater geworden und wurde so immerwährend durch die Jahrhunderte vom Volk Gottes als Hilfe des mystischen Leibes Christi, der die Kirche ist, verehrt.

In der katholischen Kirche haben die Gläubigen schon immer eine ununterbrochene Verehrung des Heiligen Joseph gezeigt und ständig und feierlich das Gedächtnis des keuschen Ehemanns der Mutter Gottes und des himmlischen Patrons der ganzen Kirche begangen…“

Aus diesem Grund hatte Papst Johannes XXIII. seinen Namen im römischen Kanon aufnehmen lassen, womit nach über 1000 Jahren praktisch die erste Änderung überhaupt an diesem Kanon vorgenommen wurde. Papst Benedikt XVI. gab dann die Erlaubnis, bei besonderen Anlässen den anderen meistverwendeten eucharistischen Gebeten seinen Namen hinzuzufügen. Nun hat Papst Franziskus diese Entwicklung zu Ende geführt, indem er die Praxis für die eucharistischen Gebete II, III, und IV allgemein gültig gemacht hat.

Damit bleibt jedoch die Frage unseres Lesers in Bezug auf die anderen eucharistischen Gebete noch offen.

Zuerst müssen wir in Betracht ziehen, dass das Dekret sich vom Titel und Inhalt her sehr präzise ausdrückt: „Dekret über die Hinzufügung des Namens des hl. Josef in den eucharistischen Gebeten II, III, IV.”

Zweitens heißt es im Nachsatz der weiter oben zitierten Abschnitte des Dekrets: „Unter Berücksichtigung dieses Sachverhaltes“ (lateinischer Text im Plural: „attentis expositis“), was darauf hinweist, dass vor der Entscheidung alle verschiedenen Gesichtspunkte in Erwägung gezogen worden sind. Und im nachfolgenden Satz werden nur die eucharistischen Gebete II bis IV erwähnt.

Wenn also die Gebete zum Thema Versöhnung und jene für Messen für besondere Anliegen nicht genannt worden sind, muss man notwendigerweise zu dem Schluss kommen, dass das Dekret auf sie keine Auswirkung hat. Man kann wohl kaum davon ausgehen, dass diese Frage bei der Vorbereitung des Dekrets nicht aufkam, und so muss es sich um eine reiflich durchdachte Wahl handeln.

Die Gründe, die die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung dazu veranlasst haben, die anderen eucharistischen Gebete auszulassen, kenne ich nicht. Es scheint nicht aufgrund von stilistischen Fragen geschehen zu sein, da einer Hinzufügung des Namens des hl. Josef mit ähnlichen Worten wie bei den meistverwendeten Hochgebeten nichts entgegenstehen würde.

Ich könnte mir vorstellen – aber hier handelt es sich eben nur um eine Vermutung –, dass die Kongregation die anderen eucharistischen Gebete nicht einschließen wollte, um nicht den Eindruck hervorzurufen, dass sie auf ein und derselben Ebene mit den vier Haupttexten liegen bzw. gleichwertigen Status genießen.

Der Gebrauch der Hochgebete zum Thema Versöhnung und für Messen für besondere Anliegen ist weitgehend begrenzt auf konkrete Situationen und die Verwendung von bestimmten Messformularen. Wenn man sie im gleichen allgemeinen Dekret neben den anderen Hochgebeten aufgezählt hätte, hätten sich möglicherweise einige Priester veranlasst sehen können, zu glauben, dass diese unbesehen bei jeder Gelegenheit benutzt werden könnten.

Deswegen wird – jedenfalls zurzeit – der Name des hl. Josef Joseph in diesen Hochgebeten nicht erwähnt.

Da es aber keinen besonderen theologischen oder stilistischen Grund zu geben scheint, um die Hinzufügung des Namens des hl. Josef in diesen Hochgebeten auszuschließen, könnte es sein, dass die Kongregation für den Gottesdienst dies bald erlauben wird und zu diesem Zweck ein Dokument geringeren Ranges als das eines allgemeinen Dekrets verwenden oder einfach ein anderes Dekret erlassen wird, das an den eingeschränkten Gebrauch dieser Hochgebete erinnert.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/including-st-joseph-in-eucharistic-prayers