Die Bedeutung der Beichte wiederentdecken

Tagung der Apostolischen Pönitentiarie - Interview mit Bischof Girotto

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ROM, 15. Januar 2009 (ZENIT.org).- Wie oft und wie wird gebeichtet? Wie können die Gläubigen die Bedeutung der Beichte erkennen? Worin bestehen die Aufgaben der Apostolischen Pönitentiarie? Und warum  war die Pönitentiarie in der Vergangenheit so wichtig, während sie heute fast in Vergessenheit geraten ist?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich das älteste vatikanische Dikasterium im Rahmen einer Tagung, die vom 13. bis 14. Januar  unter dem Thema „Die Apostolische Pönitentiarie und das Bußsakrament. Historisch-juridisch-theologische Wege und pastorale Perspektiven" im Vatikan stattgefunden hat.

Die Apostolische Pönitentiarie gehört zu den drei obersten päpstlichen Gerichtshöfen der Kirche. Sie wird gemeinhin auch als der oberste Gnadenhof der katholischen Kirche bezeichnet. Die Zuständigkeit erstreckt sich auf das, was das „forum internum" - also Gewissensfragen - sowie die Ablässe anbetrifft. Für das „forum internum", sei es sakramental im Kontext des Bußsakraments oder nicht sakramental, gewährt sie Absolutionen, Dispensen und andere Gnadenerweise. Das Dikasterium ist für Fragen zuständig, die die Gewährung und den Gebrauch von Ablässen betreffen, vorbehaltlich der Kompetenzen der Kongregation für die Glaubenslehre. Die Apostolische Pönitentiarie sorgt dafür, dass in den Päpstlichen Basiliken in Rom genügend Beichtväter vorhanden sind, die mit den erforderlichen Befugnissen ausgestattet sind. Das Dikasterium wird vom Kardinal-Großpönitentiar, James Frances Kardinal Stafford, geleitet. Ihm stehen ein Regent und fünf andere Prälaten als Mitarbeiter zur Seite.

Um Gegenstand und Ziel der Tagung besser kennen zu lernen, sprach ZENIT mit dem Regenten des Gerichts der Apostolischen Pönitentiarie, Bischof Giovanni Francesco Girotti.

Das erste Ziel der Tagung bestand nach Worten von Bischof Girotti in einer angemessenen Informationstätigkeit über die Aufgaben der Apostolischen Pönitentiarie, die in diesem Jahr ihr 830. Gründungsjubiläum begeht.

Angesichts der Krise des Bußsakraments seit den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hob der Bischof hervor, dass die Beichtpastoral in den Jahren nach dem Konzil von Trient mit großem Feingefühl durchgeführt worden sei und dass Entscheidungen gefällt worden seien, die sich aus dem Raum dieses Konzils ergeben hätten. In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass das Konzil von Trient in eindeutiger und organischer Weise die Lehre der Kirche über das Bußsakrament dargestellt habe.

Zu einer Reform der „Mentalität" hinsichtlich des Bußsakraments sowie der Haltung der Buße im Allgemeinen sei es dank der vom Heiligen Stuhl in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils herausgegebenen Dokumente gekommen. Zu ihnen gehörten die apostolische Konstitution „Paenitemini" (17.2.1966) sowie  die apostolische Konstitution „Reconciliatio e poenitentia",  die von Johannes Paul II. 1984 veröffentlich worden war. Letztere sei eine Zusammenfassung „der Überlegungen der Bischofssynode über das Bußsakrament".

All diese Dokumente kennzeichneten, wie Bischof Girotti erläuterte, eine wichtige Zeit, in der es zu neuen Orientierungen gekommen sei. Gleichzeitig befänden sie sich an der Schwelle zu großen Veränderungen in Kirche und Mentalität im Allgemeinen. Diese Veränderungen hätten auf die Praxis des Bußsakraments großen Einfluss gehabt. Heute sei es um das Bußsakrament nicht gut bestellt, und das gelte sowohl für die Praxis als auch für das allgemeine Verständnis.

Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorhergesagte und in den letzten Jahren verwirklichte Reform beziehe sich vornehmlich auf den Ritus. Allerdings habe es den Anschein, so Girotti, dass es ihr nicht gelungen sei, dem theologischen Verständnis oder dem Glauben an dieses Sakrament neues Leben zu geben. Einige Diözesen hätten deshalb Kampagnen zur vermehrten Bußpraxis durchgeführt.

Bischof Girotti verwies in seiner Diagnose zur fehlenden Liebe zum Bußsakrament zunächst einmal darauf, dass generell eine Abnahme des sakramentalen Verständnisses festzustellen sei, wies aber zugleich darauf hin, dass sich auch das weit verbreitete fehlende Sündenbewusstsein entsprechend auswirke. Zum Verlust des Sündenbewusstseins komme es vor allem, weil der Sinn für die Verletzung Gottes abhanden gekommen sei: „In einer säkularisierten Welt wird seine Gegenwart als unwichtig erachtet."

Auf der Grundlage einiger psychologischer Lehren werde es häufig vermieden, den Menschen auf seine Schuldhaftigkeit hinzuweisen; man habe Angst, seiner Freiheit Grenzen zu setzen.

In der Vergangenheit sei die Rolle der Apostolischen Pönitentiarie sehr wichtig gewesen, so Bischof Girotti. Sie sei als Dikasterium entstanden, um dem Papst bei der Ausübung seiner Jurisdiktion im „forum internum" zu helfen. Im Lauf der Jahrhunderte habe die Pönitentiarie ihren Aufgabenbereich auf Gegenstände des „forum externum" ausgeweitet.

Ziel der jüngsten Tagung sei es gewesen, die Tätigkeit und den Aufgabenbereich dieses Dikasteriums näher bekannt zu machen und dessen Aufgaben herauszustellen, die ausschließlich auf das Seelenheil der Menschen ausgerichtet seien. Gleichzeitig solle es dadurch zu einem neuen Interesse für das Bußsakrament kommen.