Die Bedeutung der Weltweihe an Maria

Interview mit dem Rektor des Heiligtums Unserer Lieben Frau von Fatima, Pater Carlos Cabecinhas

Rom, (ZENIT.org) H. Sergio Mora | 1618 klicks

Am Sonntag, dem 13. Oktober, wird Papst Franziskus vor der zu diesem Anlass aus Portugal nach Rom gebrachten Statue der Gottesmutter von Fatima die Welt dem unbefleckten Herz Mariens weihen. ZENIT führte dazu ein Gespräch mit Pater Carlos Cabecinhas, dem Rektor des Heiligtums Unserer Lieben Frau von Fatima.

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Wie entstand diese Idee des Papstes?

Pater Cabecinhas: Mit seiner Einladung erweist der Papst dem Heiligtum eine große Ehre, und wir hoffen, dass die zahlreichen Verehrer Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Fatima das ebenso sehen. Die Romreise der Statue war zunächst ein Wunsch des Heiligen Vaters Benedikt XVI., der von Papst Franziskus später bekräftigt wurde. Bei der Statue handelt es sich um die offizielle Statue Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Fatima, die in der Erscheinungskapelle verehrt wird. Sie wird sich somit an einem bedeutenden Jahrestag und während einer Pilgerreise erstmals nicht in Fatima befinden, denn von Mai bis Oktober am 12. und 13. ist sie stets Gegenstand der Verehrung. Die Pilger haben die Bedeutung der Einladung des Papstes erkannt, zumal damit ein Beitrag zur Verbreitung der Botschaft von Fatima geleistet wird. Die Gläubigen haben die Nachricht von der Überführung daher mit großer Freude aufgenommen. Während des zweitätigen Aufenthaltes der Statue der Jungfrau Maria in Rom wird die erste Wanderstatue von Fatima, die in den frühen 40er Jahre durch die Welt getragen wurde, in der Erscheinungskapelle aufgestellt sein.

Aus welchem Grund will Papst Franziskus die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen? In welcher Form hat er Ihnen diesen Entschluss mitgeteilt?

Pater Cabecinhas: Die Anfrage entspringt dem Wunsch des Papstes, die Statue der Gottesmutter von Fatima am Weltmarientag im Jahr des Glaubens in Rom zu haben. Diese Statue ist Ausdruck der Marienverehrung der katholischen Welt. Dem Bischof der Diözese Leiria-Fatima, António Marto, wurde mitgeteilt, dass die Weltweihe durch Papst Franziskus am Ende der Eucharistiefeier am 13. Oktober 2013 vorgenommen werden wird.

Der Heilige Vater wollte bereits am vergangenen 13. Mai sein Pontifikat Maria weihen.

Pater Cabecinhas: Ja, das ist richtig. Nach seiner Wahl hatte Papst Franziskus dem Kardinal-Patriarch von Lissabon José Policarpo gegenüber den Wunsch geäußert, sein neues Amt der Gottesmutter von Fatima zu weihen. Kardinal Policarpo hat darüber folgendermaßen berichtet: „Papst Franziskus bat mich zwei Mal, seinen neuen Dienst Unserer Lieben Frau von Fatima zu weihen. Dieser Auftrag kann nur in der Stille des Gebetes erfüllt werden. Es wäre jedoch schön, wenn die gesamte Bischofskonferenz sich mit seiner Verwirklichung verbände. Maria gibt uns in all unseren Aufgaben ihre Führung. Dies gilt auch für die Vollendung dieses vom Heiligen Vater bekundeten Wunsches.“ Die Weihe, zu der das „gesamte Volk Gottes“ eingeladen war, wurde am Ende der internationalen hl. Messe zur 96. Pilgerfahrt anlässlich des Jahrestages der ersten Marienerscheinung am vergangenen 13. Mai am Heiligtum vollzogen.

Welche Bedeutung hat die Weihe an Maria?

Pater Cabecinhas: Die Weihe des Papstamtes an die Gottesmutter kennzeichnet eine vertrauensvolle Hinwendung zu ihr, auf dass sie Hilfe, Schutz und Führung verleihe und ihm als Beispiel diene für die Hingabe an Gott, das aufmerksame Vernehmen seines Wortes, die Bereitschaft seinem Willen gegenüber, die Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist und das Gebet. Im Bewusstsein der Schwierigkeiten und Erfordernisse der ihm anvertrauten Sendung spürt Papst Franziskus das Bedürfnis nach der mütterlichen Hilfe Unserer Lieben Frau. Als Papst setzt er das Amt Petri in der Kirche fort und steht der Gemeinschaft der Gemeinden in der Barmherzigkeit vor. Wenn Gott das wahre Prinzip und Fundament der Einheit der Kirche ist, so kommt dem Nachfolger Petri der Auftrag zu, Gott als Prinzip und Fundament der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft der Kirche durch seine Sendung aufleuchten zu lassen. Bei diesem Auftrag handelt es sich wahrlich um eine „Sendung“, d.h., um einen Dienst in der Nachfolge Christi, der nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Der Papst ist ein „Diener der Diener Gottes“, der zugunsten der Einheit, Wahrheit und Barmherzigkeit einen Dienst in der Kirche leistet. Diesen Auftrag kann er unmöglich allein aus eigener Kraft erfüllen. Aus diesem Grund hat Franziskus die Weihe seines Amtes an die Jungfrau erbeten.

Die Jungfrau von Fatima hat die drei kleinen Hirten um die Weihe Russlands und der Welt an ihr unbeflecktes Herz gebeten. Können Sie uns den historischen Kontext schildern?

Pater Cabecinhas: Unsere Liebe Frau erbat diese Weihe Russlands und der Welt an ihr unbeflecktes Herz als einen Weg des Friedens in einer von Kriegen entzweiten Welt, die einen militanten Atheismus bekennende Regime hervorgebracht hat und auf die Verbannung Gottes aus dem Horizont der Menschheit abzielte.

Wurde die Weihe bereits in der Vergangenheit vollzogen? Wie oft geschah dies, und wer führte sie aus?

Pater Cabecinhas: Papst Pius XII. hat die Welt mehrmals der hl. Maria geweiht, doch Johannes Paul II. hat 1984 in Rom vor der Statue Unserer Lieben Frau von Fatima sowohl die Welt als auch Russland vereint mit den Bischöfen in aller Welt ihrem Unbefleckten Herzen geweiht. Danach bestätigte die Seherin Lucia, dass der Weiheakt im Einklang mit dem Wunsch der Gottesmutter stand. Im Jahr 2000 hat Wojtyla anlässlich des Jubiläums der Bischöfe das neue Jahrtausend Maria geweiht. Dies erfolgte erneut vor dem Bildnis der Gottesmutter in Rom.

Wie veränderte sich die Welt nach der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens? Nach der jüngsten von Papst ausgerufenen Gebets- und Fastenvigil für den Frieden in Syrien ist klar erkennbar, dass sich das globale Panorama verändert hat …

Pater Cabecinhas: Der Bitte des Heiligen Vaters um diesen universalen Augenblick des Gebetes und des Fastens ging tatsächlich eine göttliche Eingebung voraus. Ausschlaggebend waren einerseits die Stärke des Gebetes an sich und andererseits die von dieser humanitären Tragödie erregte weltweite Aufmerksamkeit. An jenem Samstag wurde ich selbst Zeuge davon, mit welcher Festigkeit der Aufruf des Heiligen Vaters von den christlichen Pilgern an diesem Heiligtum aufgenommen wurde. Alle in dem offiziellen Programm angeführten hl. Messen und Rosenkranzgebete sind auf den Frieden in Syrien, im Nahen Osten und in der Welt ausgerichtet. Das „starke Stück“ hier in Fatima war jedoch die Gebetswache unter der Leitung des Bischofs von Leiria-Fátima in der Erscheinungskapelle im Beisein einer großen Pilgergruppe aus verschiedenen Ländern.

Diese Wache war ein sehr inniger Moment. Wir fühlten uns tief mit dem Heiligen Vater in Rom vereint, aber auch mit allen vom Krieg heimgesuchten Menschen und mit allen Christen der Welt, die die Einladung von Papst Franziskus angenommen hatten. Das Gebet ist eine leistungsfähige Waffe „einzigartiger Wirksamkeit“, da es von Gott gewährleistet wird. Ferner ist es die Waffe der Armen und Friedfertigen, die wissen, dass Gewalt niemals Frieden oder Harmonie hervorbringen kann. Das Gebet ist der einzige Weg zur Einheit und zum Frieden. Das ist eine der unverzichtbaren Dimensionen der Botschaft von Fatima: Der ständige Ruf zum Gebet, der in uns hilft, Bewusstsein um deren Kraft und Bedeutung zu erlangen.