Die Bedeutung von Frater Eustachius Kugler für den Orden der Barmherzigen Brüder

Ein Mensch wie du und ich – und doch ein bisschen anders

| 1903 klicks

Frater Emerich Steigerwald, Provinzial der Barmherzigen Brüder in Bayern

REGENSBURG, 5. Oktober 2009 (ZENIT.org).-Vermutlich wird Frater Eustachius Kugler den Kopf darüber schütteln, wenn er erlebt, mit welchem Aufwand sich seine Mitbrüder und die circa 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Barmherzigen Brüder in Bayern auf seine Seligsprechung am 4. Oktober vorbereitet haben. Als der damalige Bischof von Regensburg, Michael Buchberger, vor genau 80 Jahren - am 19. Juni 1929 - das Männerkrankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg segnete, wurde der Name des Provinzials Eustachius Kugler in den Festreden gar nicht erwähnt, obwohl er es doch gewesen war, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hatte! - Die Mitbrüder erzählten, dem Provinzial habe die Nicht-Würdigung seiner Leistung absolut nichts ausgemacht. Das zeichnet Eustachius Kugler aus: seine Bescheidenheit und seine Dienstbereitschaft. Noch als hochbetagter Provinzial verrichtete er auch einfachste Dienste in den Krankenzimmern.

<>Wenn wir als Barmherzige Brüder versuchen, ihm in diesen Tugenden nachzufolgen und mit Bescheidenheit und Pflichtbewusstsein unseren Dienst an kranken, behinderten und hilfsbedürftigen Menschen zu tun, heißt das aber nicht, dass wir einfach immer im gleichen Stil weitermachen. Nein, das lehrt uns Eustachius Kugler ebenso wie unser Ordensgründer Johannes von Gott: Um den Dienst an den Menschen gut zu tun, braucht es immer wieder neue, kreative Ideen und den Mut zur Veränderung, damit wir den ständig neuen Herausforderungen und Ansprüchen unserer Zeit gerecht werden. Diese Eigenschaften stellte Frater Eustachius Kugler unter Beweis, als er gegen viele Widerstände außerhalb und innerhalb des Ordens den Bau der Regensburger Krankenhäuser durchsetzte. Er holte mit Albert Boßlet einen „Stararchitekten“, wie man heute sagen würde, und stellte die Krankenversorgung auf ganz neue Füße. Dabei hatte er auch die zeitgemäße Ausbildung der jungen Mitbrüder im Auge.

Wie Sie sehen können, hat sich das Regensburger Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, genauso wie die anderen Einrichtungen der bayerischen Ordensprovinz, den neuen Erkenntnissen und Anforderungen entsprechend immer weiter entwickelt. Seit einigen Jahren arbeiten wir zum Beispiel intensiv daran, einen Krankenhausverbund mit Standorten in München, Regensburg, Straubing und Schwandorf aufzubauen und zum Wohle der Patienten mit hoher medizinischer Kompetenz und wirtschaftlicher Effizienz auszustatten. Das Wohl und die Würde der dem Orden anvertrauten – oder sich ihm anvertrauenden - Menschen hatten für Frater Eustachius Kugler immer erste Priorität, und das müssen sie auch für uns haben.

Dabei war für Frater Eustachius Kugler der ganzheitliche, Leib und Seele beachtende Einsatz für benachteiligte und kranke Menschen zugleich Ausdruck seiner Beziehung zu Gott: „Ich muss Christus in jedem Menschen und in jedem Kranken sehen“, heißt es einmal in seinen Aufzeichnungen. Vielleicht ist das eine der zentralen Botschaften, die der bald Selige nicht nur uns Ordensmännern, sondern darüber hinaus allen Christen mitgibt: Wir dürfen unsere Welt nicht in zwei Teile dividieren - hier das Alltagsgeschäft, dort das Glaubensleben. Eustachius Kugler kannte keinen Unterschied zwischen Alltag und Frömmigkeit, zwischen Management und Glaubensleben. Sein Vorbild zeigt uns, dass man sich auf Gott verlassen kann und dass es im Leben auf die Liebe, auf das einander Dienen ankommt.

Dass man sich auf Gott verlassen kann, diese Erfahrung ist heute nicht mehr selbstverständlich: Wir verlassen uns auf Geld, Macht, Konsum – aber auf Gott? Da tut es gut, sich einen Menschen wie Eustachius Kugler näher anzusehen, der immer eine klare Orientierung hatte: Als Adolf Hitler eines Tages am Krankenhaus vorbeifuhr und auch einige Mitbrüder neugierig an die Fenster drängten, zeigte Kugler auf die Krankenhauskapelle und sagte: „Dort drinnen ist unser Führer“. Seine Kraft und seinen Mut bezog Eustachius Kugler offensichtlich aus dem Gebet, das für ihn ein „Atemholen der Seele“ war. Er war der „Vorbeter“ seiner Provinz. Am 17. August 1943 etwa betete er während eines Luftangriffs auf die benachbarten Messerschmitt-Werke in der St. Pius-Kirche und so mancher schreibt dem intensiven Gebet des Provinzials die Tatsache zu, dass das Krankenhaus dabei weitgehend unversehrt blieb.

Wir Barmherzigen Brüder in Bayern gehen mit Blick auf unseren langjährigen Provinzial Frater Eustachius Kugler zuversichtlich in die Zukunft. Wir freuen uns darüber, gemeinsam mit seiner Heimatdiözese Regensburg eine würdige Feier der Seligsprechung zu gestalten. Die Bevölkerung in der Stadt Regensburg, in der Diözese Regensburg und darüber hinaus in ganz Bayern laden wir ganz herzlich ein, sich mit der schlichten, geradlinigen und doch faszinierenden Gestalt des Frater Eustachius Kugler zu beschäftigen und unserem Orden in seinen Diensten mit Wohlwollen zu begegnen. Wir freuen uns auch über die Mitbrüder und Gäste, die aus den Ordensprovinzen der Barmherzigen Brüder in aller Welt zur Seligsprechung nach Regensburg gekommen sind.