Die Befreiung zweier orthodoxer Bischöfe: Zwischen Wunsch und Realität

Eine positive Verhandlung, die nicht zu Ende geführt wird

Rom, (ZENIT.org) Robert Cheaib | 489 klicks

„Die Hoffnung kommt in Lumpen gehüllt zu uns, damit wir ihr ein Festkleid anfertigen” (Paul Ricoeur). Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Nachricht auf der Internetseite von „Oeuvre d’Orient“ fand ein Interview zwischen der arabischen Ausgabe von ZENIT und einem syrischen Priester von Aleppo statt (ZENIT berichtet (auf italienisch)). Innerhalb weniger Augenblicke erreichten uns mehrere Meldungen und Bestätigungen zur erfolgten Befreiung aus Syrien. Die Seite „Russia Alyawm“ hatte auch lokalen Quellen entnommene Einzelheiten verbreitet, denen zufolge die politischen und religiösen Autoritäten zu dem Thema Stellung genommen und zugunsten der Befreiung der beiden Bischöfe Druck ausgeübt hätten. Darüber hinaus sei nach anstrengenden Verhandlungen ein Übereinkommen zur Freilassung der beiden Bischöfe erzielt worden.

Am Dienstag, dem 23. April 2013, gegen 23.20 Uhr war es ZENIT endlich gelungen, sich mit einer eng mit dem orthodoxen Metropoliten von Aleppo, Msgr. Boulos el-Yazgi, zusammenarbeitenden Quelle in Verbindung zu setzen. Diese Quelle hatte die Nachricht von der Befreiung dementiert und erklärt: „Es bestand großes Chaos bei der Verbreitung gegensätzlicher Nachrichten … denn hier [in Aleppo] kommt es oft zur Unterbrechung der Verbindungen.“

„Es war uns wichtig, Sie über die nicht erfolgte Freilassung zu informieren, damit der Fall der beiden entführten Bischöfe nicht frühzeitig zu den Akten gelegt wird“, hieß es weiter. Auf die Frage nach dem status quo der Verhandlungen wurde folgendermaßen geantwortet: „Es gibt keinerlei Neuigkeiten. Die beiden Bischöfe wurden nicht freigelassen,und wir verfügen über keine Details zu deren Verbleib.“

Um jegliche Missverständnisse zu vermeiden, erließen der orthodoxe Patriarch von Antiochien und des gesamten Orients, S.B. Mar Ignatius Zakka I. Iwasund der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien und des gesamten Orients, Mar Yuhanna Yazgi X zudem gemeinsam eine offizielle Bekanntmachung mit einer Schilderung der Umstände der am Montag erfolgten Entführung.

Die beiden Bischöfe, Msgr. Gregorios Yuhanna Ibrahim und Msgr. Boulos el-Yazgi, befanden sich „nach der Erfüllung einer humanitären Mission auf dem Rückweg nach Aleppo“. Die beiden Geistlichen waren vermutlich in Verhandlungen über die Freilassung von dem jungen armenischen Priester P. Michel Kaya und dem orthodoxen Priester P. Maher Mahfuz, die am 9. Februar 2013 einer Entführung zum Opfer gefallen waren.

In ihrer Bekanntmachung betonten die beiden Patriarchen, dass Christen in Syrien einen wesentlichen Bestandteil des sozialen Gefüges bildeten und darin integriert seien. Sie litten mit allen Leidenden. Im Besonderen richtet das Dokument einen Appell zur Achtung des Lebens der beiden entführten Brüder und zur Abstandnahme von all jenen Akten, die die Saat der religiösen und konfessionellen Spaltung zwischen den Kindern einer einzigen Nation verbreiten. Die beiden Patriarchen brachten ferner ihr Verständnis dieser „die Seelen der Christen nach einem derartigen Ereignis beschwerenden Sorge“ zum Ausdruck und riefen zur Geduld und zum Vertrauen in den Herrn auf. In diesem Zusammenhang riefen sie Folgendes in Erinnerung: „Der Schutz unserer Erde wird vor allen Dingen durch die Beständigkeit unseres Daseins in ihr und durch die Arbeit verwirklicht. Auf diese Weise wird sie zu einer Erde der Liebe und des friedlichen Zusammenlebens.“

Aus dem Kommuniqué erging darüber hinaus ein gramerfüllter Aufruf zur Bemühung um eine „Beendigung des sich im geliebten Syrien vollziehenden Dramas“ an die gesamte Welt. Zakka und Yazgi appellierten auch an ihre muslimischen Landsleute zur Zusammenarbeit und zur Ablehnung der Verwendung von Menschen „sowohl als menschliche Schutzschilder in Kämpfen, als auch als Waren im wirtschaftlichen und politischen Tauschhandel.“

In einer direkt an die Entführer gerichteten Aufforderung wurden diese an das Wirken der beiden Bischöfe als „Apostel der Liebe in der Welt“ erinnert, deren Rang nicht nur an den Worten gemessen werde, sondern an ihrem „Einsatz für die Religion, für die Gesellschaft und für das Land. “Die Aufforderung besteht daher im „gemeinsamen Bemühen darum, dass dieser schmerzvolle Fall jenseits jeglicher Gewalt, derer sich nur die Feinde der Nation bedienen, geregelt werde.“

„…unsere Hoffnung ist noch in Lumpen gehüllt…“, doch wie der am 19. April 2013 von Msgr. Gregorios Yohanna Ibrahim auf dessen Facebook Seite veröffentlichte Aphorismus besagt, ist die Hoffnung „… ein kleines Fenster, das trotz seiner Winzigkeit eine Öffnung auf die Unendlichkeit der Horizonte des Lebens bewirkt.“