Die Begegnung mit Gott geschieht im Stillen

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 442 klicks

Allein die Stille schütze den Weg, den der Mensch mit Gott gehe. So die Worte von Papst Franziskus in der Predigt während der heutigen Messe in Santa Marta. In der Geschichte habe Gott immer Orte der Stille und des Schattens gewählt, um sich dem Menschen zu offenbaren. In seinen Überlegungen bezog sich der Pontifex auf das heutige Evangelium (Lk 1,26-38). Er machte auf den Schatten aufmerksam, der Maria bei der Verkündigung bedeckt habe, so wie der Schatten der Wolke, mit der Gott die Hebräer in der Wüste beschützt habe.

„Der Herr hat sich immer um das Mysterium gekümmert und hat es bedeckt. Er hat keine Werbung für das Mysterium gemacht. Ein Mysterium, dass Werbung mit sich macht, ist nicht christlich, es ist kein Mysterium Gottes: Es ist ein scheinheiliges Mysterium! Und das ist es, was der Madonna hier geschieht, als sie ihren Sohn empfängt: Das Mysterium ihrer jungfräulichen Empfängnis ist bedeckt. Es ist während des ganzen Lebens bedeckt! Und sie wusste es. Dieser Schatten Gottes hilft uns, in unserem Leben unser Mysterium zu entdecken: Unser Mysterium der Begegnung mit Gott, unser Mysterium des Lebensweges mit Gott.“

Papst Franziskus sagte, jeder wisse, wie Gott in seinem Herzen, in unserer Seele sein Werk vollbringe.

„Diese Wolke in uns, in unserem Leben, nennt sich Stille: Die Stille ist die Wolke, die das Mysterium unserer Beziehung zum Herrn, unserer Heiligkeit und unserer Sünden bedeckt. Dieses Mysterium, das wir nicht erklären können. Aber wenn es keine Stille in unserem Leben gibt, verliert sich das Mysterium, verschwindet es. Das Mysterium der Stille schützen! Das ist die Wolke, das ist die Kraft Gottes für uns, das ist die Kraft des Heiligen Geistes.“

Die Mutter Jesu sei die Ikone der Stille, auch am Kreuz.

„Das Evangelium sagt uns nichts darüber: Ob sie ein Wort gesagt hat oder nicht… Sie war still, aber in ihrem Herzen, wie viele Dinge hat sie da dem Herrn gesagt! ‚Du an dem Tag – das ist das, was wir gelesen haben – hast mir gesagt, er wird groß sein; du hast mir gesagt, du wirst ihm den Thron Davids gegeben, seines Vater, der für immer regieren soll, und jetzt sehe ich ihn hier!‘ Die Madonna war menschlich! Und vielleicht hatte sie Lust zu sagen: ‚Lügen! Ich bin betrogen worden!‘: Johannes Paul II. hat das gesagt, als er von der Madonna in diesem Moment sprach. Aber sie, mit der Stille, hat das Mysterium bedeckt, das sie nicht verstand, und mit dieser Stille hat sie zugelassen, dass das Mysterium wachsen konnte und in der Hoffnung aufblühen konnte.“

Abschließend bat Papst Franziskus um die Gnade, die Stille zu lieben, sie zu suchen und ein Herz zu haben, das von der Wolke der Stille bedeckt werde.