Die Beichte: eine zur Umkehr ausgestreckte Hand

Prälat des Opus Dei spricht über die Eucharistie

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Von Antonio Gaspari

ROM, 16. September 2011 (ZENIT.org). – Die Beichte sei eine zur Umkehr „ausgestreckte Hand”, und die Eucharistie sei das Siegel der unvergleichlichen Freundschaft mit Jesus. Dies betonte Msgr. Javier Echevarría, der Prälat des Opus Dei, in einem Interview mit Zenit.

Msgr. Echevarría ist Autor des im Verlag Ares veröffentlichten Buches „Vivere la Santa Messa“ (Die heilige Messe leben) über das Geheimnis der Eucharistie (und anderes mehr).

ZENIT: Warum ist die Eucharistie „der Mittelpunkt und die Quelle“ des Lebens jedes Christen?

Msgr. Echevarría: Die Eucharistie in den Mittelpunkt des christlichen Lebens zu stellen, bedeutet, Jesus in das Herz von allem zu stellen. Durch die Eucharistie sind wir berufen, in die trinitarische Liebe einzutreten. Indem wir die heilige Messe zur Mittelpunkt unseres inneren Lebens machen, vereinigen wir uns mit Jesus und in ihm mit der ganzen Kirche und mit allen Menschen.

Der heilige Josemaría Escrivá, der Gründer des Opus Dei, lehrte dies beständig. Er sagte: „Wenn der Mittelpunkt deiner Gedanken und deiner Hoffnungen der Tabernakel ist, wie reichlich werden dann, mein Sohn, die Früchte der Heiligkeit und des Apostolats sein!“. Der eucharistische Jesus ist der Höhepunkt seiner Selbsthingabe an die Menschheit. Wenn wir uns daher mit ihm identifizieren, wird er denselben Willen, unsere Selbsthingabe und unseren Dienst an den anderen zu steigern, auf uns übertragen.

ZENIT: Wie wichtig ist im Charisma des Opus Dei die Praxis der Beichte und der Eucharistie?

Msgr. Echevarría: Im Geist des Opus Dei sind die Sakramente der Beichte und der Eucharistie genauso wichtig wie in der Kirche: Wie alle Christen bemühen wir uns, umkehrwillige und eucharistische Menschen zu sein, mit einer häufigen Beichtpraxis und der täglichen Teilnahme an der Eucharistiefeier.

Das Sakrament der Versöhnung ist tief mit der Eucharistie verbunden. Die Beichte setzt das Bewusstsein voraus, Sünder zu sein, im Glauben an die göttliche Barmherzigkeit. Jesus reinigt uns in seinem Blut, das am Kreuz für uns vergossen wurde, damit der Christ mit größerer Treue am Kreuzesopfer teilhaben kann, das jeden Tag in der heiligen Messe gegenwärtig gesetzt wird. Beide Sakramente erfüllen die Seele mit Freude und Frieden. Denken wir nur an den guten Schächer, der, als er mit seinen eigenen Augen Jesus auf Kalvaria sah, sich gedrängt fühlte, die eigenen Sünden reumütig zu erkennen, und das ewige Heil fand. Ich betone: Die Beichte ist im Leben des Christen sehr wichtig, weil es ein Sakrament der Freude ist und Zugang zum Frieden und zum Glück verschafft, die der Eucharistie innewohnen.

ZENIT: Vor kurzem fand der Nationale Eucharistische Kongress statt. Welche Empfehlungen können Sie geben, damit die Praxis der Beichte und der Kommunion intensiver und häufiger werden?

Msgr. Echevarría: Die Kirche hat immer gelehrt, dass sich im Tabernakel die Kraft und der sichere Schutz gegen Ängste und Beunruhigungen verbergen. Es reicht nicht, dass jeder von uns als einzelner den Herrn in der Eucharistie sucht und findet. Es muss uns gelingen, durch unser Zeugnis so viele Personen wie möglich „anzustecken“, damit auch sie diese unvergleichliche Freundschaft betrachten und entdecken. Die geistliche Kommunion ist eine große Hilfe, um sich auf die eucharistische Kommunion vorzubereiten. Um Männer und Frauen zu sein, die sich ihrer Gotteskindschaft bewusst sind, müssen wir Christus immer häufiger besuchen und ihn, soweit wir es können, täglich empfangen.

In Bezug auf die Beichte halte ich die großzügige Bereitschaft der Priester zum Beichte-Hören für besonders wichtig: Ein bereitstehender Beichtvater, ein Beichtstuhl mit „grünem Licht“, ist eine zur Umkehr ausgestreckte Hand.  Hinsichtlich dieses Aspektes hat Benedikt XVI. uns kürzlich dazu angeregt, „dem Beispiel der großen Heiligen der Kirche zu folgen, vom heiligen Johannes Maria Vianney bis zum heiligen Johannes Bosco, vom heiligen Josemaría Escrivá bis zum heiligen Pio von Pietrelcina, vom heiligen Josef Cafasso bis zum heiligen Leopold Mandić“ (Ansprache an die Teilnehmer des von der Apostolischen Pönitentiarie geförderten Kurses, 2011).

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]