Die Beichte feiert ein Comeback

Von Pater John Flynn LC

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ROM, 31. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Lange missachtet, scheint die Beichte gegenwärtig ein regelrechtes Comeback zu feiern.

Zahlreiche Presseartikeln der jüngeren Vergangenheit widmeten sich diesem Sakrament, das auch oft „Sakrament der Versöhnung“ genannt wird. Handelt es sich hierbei tatsächlich um einen „positiven Umschwung“, wie das „Wall Street Journal“ am 21. September berichtete – nach dem Niedergang, der in den 80er-Jahren einsetzte, als noch 74 Prozent aller Katholiken in den USA mindestens einmal pro Jahr zur Beichte gingen, bis zum Jahr 2005, wo es nach entsprechenden Erhebungen nur noch 26 Prozent waren? Oder wird das „Time Magazin“ mit seinen Unkenrufen, die am 27. September im Internet veröffentlicht wurden, Recht behalten; jenes Blatt, das am 3. September in seiner Titelstory versuchte, den Glauben Mutter Teresas in Zweifel zu ziehen und damit traurige Berühmtheit erlangte? Und was ist von den Bemühungen seitens protestantischer Konfessionen zu halten, den Ritus der Beichte wiederzubeleben? Oder wie steht es mit der „Beichte im Internet“?



Das „Wall Street Journal“ berichtete am 21. September, dass sich bei einem so genannten Versöhnungswochenende im März dieses Jahres in der Diözese Orlando, US-Bundesstaat Florida, mehr als 5.000 Menschen eingefunden haben. Die Vorgeschichte: Ortsbischof Thomas Wenski hatte auf der Internetseite seiner Diözese die dringliche Notwendigkeit der Beichte hervorgehoben. Der Verlust des Sündenbewusstseins sei „die Ursache der spirituellen Krise unseres Zeitalters“, bekräftigte er.

Er hatte im vergangenen Jahr einen Brief an die Diözesanpriester geschrieben, um sie zu bitten, sich mehr Zeit für das Beichtehören zu nehmen. Diesbezüglich erklärte er, dass in diesem Jahr nun mehrere Pfarreien daran gegangen seien, ein spezielles Versöhnungswochenende direkt vor der Karwoche zu organisieren.

Der Artikel im „Wall Street Journal“ spricht auch von einem wachsenden Interesse an der Beichte unter einigen protestantischen Denominationen. In diesem Sommer hätten Delegierte eines nordamerikanischen Zweigs der Lutheraner auf einer ihrer Versammlungen einen Beschluss gefasst, in dem sie ausdrücklich befürworteten, den Ritus der Beichte nach mehr als einem Jahrhundert der Vernachlässigung wiederzubeleben.

„Beichte“ per Internet?
Einige protestantische Formen von Beichte, die zur Zeit populär sein sollen, haben wenig mit dem katholischen Sakrament zu tun. Das „Wall Street Journal“ berichtete diesbezüglich, dass zum Beispiel einige ihre Sünden in persönlich gedrehten Videos offenbaren, die sie sogar ins Internet stellen, etwa bei „YouTube“, für alle zugänglich.

Andere Initiativen sind unter anderem eine Internetseite über die Beichte, die von einer evangelischen Gemeinde in Cooper City, Florida, eingerichtet wurde. Nach Angaben des „Wall Street Journals“ haben rund 7.700 Personen auf dieser Website ihre Sünden aufgezählt.

Auch „Reuters“ berichtete über eine neue Webseite. Sie stammt vom Roman-Verlag „Harlequin Enterprises“ und biete die Möglichkeit, die Sünden anonym zu beichten, so dass andere die Beiträge im Internet lesen können.

Die „Los Angeles Times“ berichtete ihrerseits am 31. August ausführlich über mehrere Internetseiten, auf denen man „beichten“ könne. Auf einer dieser Seiten soll man Kommentare zu den Bekenntnissen anderer abgeben und ihnen so Ratschläge erteilen können.

„Das Licht ist für dich an“
Zurück zur katholischen Kirche: Außer der Diözese Orlando haben auch andere Diözesen in diesem Jahr Aktionen gestartet, um in der Zeit vor Ostern zur Teilnahme am Sakrament der Versöhnung zu ermutigen. In Washington, D.C., öffneten beispielsweise alle 140 Kirchen der Erzdiözese an jedem Mittwochabend ihre Türen für die Beichte.

Die Initiative war Teil der Aktion „Das Licht ist für dich an“ („The Light Is On for You.“), die von Radio- und Plakatwerbungen begleitet wurde. Zudem machte eine Webseite voller hilfreicher Informationen Mut, über den eigenen Schatten zu springen. 100.000 Informationsbroschüren auf Spanisch und Englisch wurden im Rahmen der Aktion verteilt.

Der Erzbischof von Washington, Donald Wuerl, hatte eigens einen Hirtenbrief mit dem Titel „Gottes Barmherzigkeit und das Bußsakrament“, verfasst. In der Einleitung heißt es: „Trotz besten Willens erlebt jeder von uns persönliches Versagen. Wir sind uns bewusst, dass ein Teil in uns dazu entschlossen ist, das Gute zu tun, während gleichzeitig etwas in uns sich ständig vom Guten abwenden will, von dem wir wissen, dass wir es tun könnten.“

Gott aber lasse uns in dieser Situation unserer menschlichen Schwachheit und der immer gegenwärtigen Wirklichkeit der Sünde nicht allein, bekräftigt Erzbischof Wuerl. „Jesus schenkt uns mit der Gnade, die unsere Beziehung zu Gott wiederherzustellen beginnt und uns zur vollen Gemeinschaft mit Gott in Herrlichkeit führen will, neues Leben.“

Die Vollmacht, Sünden zu vergeben, sei der Kirche durch Jesus verliehen worden und werde durch das Sakrament der Beichte gespendet.

Gottes Vergebung, ein Geschenk
„Es bleibt eines der ganz großen Wunder der Liebe Gottes, dass er die Vergebung jedem von uns so leicht zugänglich macht“, so Bischof Wuerl. „Das Sakrament der Versöhnung ist die Geschichte von Gottes Liebe, die sich nie von uns abkehrt. Wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn wartet Gott; er wartet und hofft auf unsere Rückkehr – jedes Mal, wenn wir von ihm weggehen.“

Eine weitere Initiative zur Wiederentdeckung der Beichte stellt das Buch mit dem Titel „The Gift of Confession“ („Die Beichte, ein Geschenk“) dar, das im Verlag „Connor Court Publishing“ erschien. Dem Autor, Pater Michael Stoop, einem Priester der Erzdiözese Sydney (Australien), geht es darum, die vielfältigen Formen der Hilfe und den Segen dazustellen, die das Sakrament den Gläubigen bietet.

In der Einleitung zu seinem Werk macht der Geistliche darauf aufmerksam, dass viele Menschen wenig Ahnung über den theologischen Hintergrund haben der dabei helfen kann, die Beichte zu verstehen und zu schätzen. Nicht nur befreie sie uns von der Sünde, sondern sie schenke uns immer wieder neu die Möglichkeit, am inneren Leben Gottes in einer immer stärkeren Weise teilzuhaben.

Das Bußsakrament gibt uns nach Worten von Pater Stoop zugleich die Freiheit zurück, tugendhaft zu leben, und zwar, indem sie uns die Gaben des Heiligen Geistes vermittelt. Die Gnade, die wir erhalten, stärke unseren Willen beim Unterfangen, der Sünde zu widerstehen, und befähige uns dadurch, auf dem Weg der Heiligkeit voranzukommen.

Der regelmäßige Empfang des Beichtsakraments trage auch zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bei, zu Charakterbildung und Annahme guter Gewohnheiten, denn er schärfe in uns das Bewusstsein für das Böse, das der Sünde innewohnt, und lasse uns die dringende Notwendigkeit erkennen, sie zu vermeiden. Indem wir durch das Sakrament der Versöhnung Gott näher kommen, gehe uns zudem das persönliche Gebet immer leichter von der Hand.

Wie schwer fällt es manchen, das alles zu glauben! Welch einen Kontrast dazu bildet der Online-Artikel „The Unrepentant“ („Die Unbußfertigen“) des „Time Magazins“ vom 27. September!

Ausgehend von der schwindenden Beichtpraxis bei Katholiken versucht der Autor geltend zu machen, dass die Reaktion gegen die Enzyklika „Humanae Vitae“ zu „einer weitherzigeren Neubewertung“ dessen geführt habe, „was Sünde ist“. Und er stellt die Frage, ob die Beichte überhaupt nötig sei. Er meldet Zweifel an, dass die jüngsten Bemühungen in den US-amerikanischen Diözesen, die Beichte zu fördern, zu irgendeinem wirklichen Erfolg geführt haben, und schließt mit der Prophezeiung, dass wohl auch zukünftigen Anstrengungen in dieser Richtung dasselbe Schicksal bestimmt sei.

Benedikt XVI. betonte die Bedeutung der Beichte, als er am 29. März im Petersdom mit den Jugendlichen der Diözese Rom zusammenkam, um die Feier des Weltjugendtages am 1. April vorzubereiten.

Gottes Liebe zu uns, die sich im Tod Christi am Kreuz in besonderer Weise offenbare, hat nach Worten des Heiligen Vaters für uns die Gabe des Heiligen Geistes erwirkt, durch den unsere Sünden vergeben werden und Friede geschenkt wird.

„Christus zieht uns an sich, um sich selbst mit einem jeden von uns zu vereinigen, so dass wir unsererseits lernen, unsere Brüder und Schwestern zu lieben, mit dieser selben Liebe, mit der er uns liebt.“

Wenn wir erst einmal mit dieser Liebe erfüllt sind, so Benedikt XVI. zu den zahlreichen jungen Menschen, sind wir dazu aufgerufen, die Welt durch unser authentisches christlichen Zeugnis zum Guten zu verändern.

Danke für diese wertvollen Worte der Ermutigung zur Teilnahme an einem Sakrament, das schon zu lange vernachlässigt worden ist.