Die Benediktregel: nicht nur für Mönche

Kirche feiert den Begründer des abendländischen Mönchstums

| 934 klicks

ROM, 11. Juli 2011 (ZENIT.org). - Die Kirche feiert heute das Fest des heiligen Benedikt von Nursia. Für Papst Benedikt hat er noch eine besondere Bedeutung: Er ist der Patron seines Pontifikats.

In einer Katechese im April 2008 hatte der Papst die Bedeutung des Heiligen für Europa hervorgehoben und betont, Europa könne nur von seinen christlichen Wurzeln aus neu aufgebaut werden.

Auch bei seiner ersten Generalaudienz als Nachfolger Petri am 27. April  2005 hatte der Papst an die Aufforderung des heiligen Benedikt erinnert, „nichts vor Christus zu setzen“.

„Zu Beginn meines Dienstes als Nachfolger Petri bitte ich den heiligen Benedikt, uns zu helfen, die Zentralität Christi in unserer Existenz festzuhalten. Er sei immer an erster Stelle in unseren Gedanken und in jeder unserer Tätigkeiten!“

Dem Heiligen von Nursia widmete er auch in besonderer Weise die Generalaudienz des 9. April 2008, indem er den besonderen Wert seines Werkes unterstrich, das dieser im 4. Jahrhundert vollbracht habe, in einem Zeitalter, das von „einer schrecklichen Krise der Werte und der Institutionen gezeichnet war, deren Grund im Zusammenbruch des Römischen Reiches lag, in der Invasion der neuen Völker und in der Dekadenz der Sitten“:

„In der Tat erwiesen sich das Werk des Heiligen und auf besondere Weise seine Regel als Überbringer eines echten geistlichen Sauerteigs, der den Lauf der Jahrhunderte weit jenseits der Grenzen seines Vaterlandes und seiner Zeit und das Antlitz Europas veränderte, indem er nach dem Fall der politischen Einheit, die durch das Römische Reich geschaffen worden war, eine neue geistliche und kulturelle Einheit hervorbrachte, jene des christlichen Glaubens, den die Völker des Kontinents teilten. Gerade so entstand die Wirklichkeit, die wir ‚Europa‘ nennen.“

Es sei ein großes Werk gewesen, das im Stillen geboren wurde. Kaum zwanzigjährig habe Benedikt seine Studien, die er in Rom begonnen hatte, aufgegeben, „angestoßenvon vom Lebensstil vieler seiner Gefährten ... die auf verwahrloste Weise lebten und in deren Fehler er nicht ebenfalls  verfallen wollte. Er wollte nur Gott gefallen“. Er habe sich auf die Berge in der Gegend von Subiaco zurückgezogen und drei Jahre lang vollständig allein in einer Höhle gelebt. Es sei eine Zeit der Einsamkeit mit Gott gewesen, eine Zeit der Reifung, um die drei größten Versuchungen jeden menschlichen Wesens zu überwinden:

„Die Versuchung des Stolzes und des Wunsches, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, die Versuchung des Fleisches und schließlich die Versuchung des Zornes und der Rache. Es war nämlich Benedikts Überzeugung, dass er nur nach dem Sieg über diese Versuchungen den anderen ein für ihre Nöte nützliches Wort sagen könnte“.

Erst danach habe er begonnen, die ersten Klöster zu gründen. Sein Werk gründe sich auf den Leitspruch „Ora et labora“ - „Bete und arbeite“.

„Ohne Gebet gibt es keine Erfahrung Gottes. Aber die Spiritualität des heiligen Benedikt ist nicht eine Innerlichkeit abseits der Realität. In der Unruhe und dem Chaos seiner Zeit lebte er unter dem Blick Gottes, und eben dadurch verlor er nie die Pflichten des täglichen Lebens und den Menschen mit seinen konkreten Bedürfnissen aus den Augen. Durch die Betrachtung Gottes verstand er die Realität des Menschen und seine Mission“.

Das Leben jedes Mönchs werde so „eine fruchtbare Symbiose zwischen Handlung und Betrachtung“, auf dass „alles in Gott verherrlicht werde“:

„Im Gegensatz zur einfachen und egozentrischen Selbstverherrlichung, die heute oftmals gerühmt wird, ist es die erste und unverzichtbare Aufgabe eines jeden Schülers des heiligen Benedikt, die aufrichtige Suche Gottes auf dem Weg, der von Christus demütig und gehorsam  vorgezeichnet wurde, der Liebe, der er nichts Eigenes vorziehen darf; und genau so, im Dienste am Nächsten, wird er ein Mensch des Dienstes und des Friedens“.

Das Werk des heiligen Benedikt habe die Zivilisation und die Kultur Europas geprägt, die, so der Papst, nach den „tragischen Utopien“ des 20. Jahrhunderts immer noch auf der Suche nach der eigenen Identität sei:

„Um eine neue und dauerhafte Einheit zu schaffen, sind die politischen, wirtschaftlichen und juristischen Instrumente gewiss wichtig; es ist jedoch notwendig, eine ethische und geistliche Erneuerung zu erwecken, die aus den christlichen Wurzeln des Kontinents schöpft, andernfalls kann Europa nicht wiedererrichtet werden. Ohne diesen Lebenssaft bleibt der Mensch der Gefahr ausgesetzt, der alten Versuchung zu erliegen, sich selbst erlösen zu wollen – eine Utopie, die auf verschiedene Weisen im Europa des 20. Jahrhunderts, wie Papst Johannes Paul II. festgestellt hat, ‚einen Rückschritt ohnegleichen in der qualvollen Geschichte der Menschheit‘ verursacht hat.“

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]