"Die beste Werbung ist das Leben selbst"

Interview zur Initiative "Tag der offenen Klöster" am 10. Mai

Rom, (ZENIT.org) Tanja Schultz | 935 klicks

Dass das Ordensleben keineswegs nur hohe Mauern und weltliche Entbehrung bedeutet, vermuten nur Wenige. Ein Einblick hinter die Klostermauern soll den Laien Gelegenheit geben, das vielseitige Leben der Gemeinschaften, ihren Alltag und ihre Spiritualität kennen zu lernen. Am 10. Mai öffnen erstmals Klöster in ganz Deutschland ihre Pforten und laden zum Tag der offenen Klöster ein. Was sich genau hinter der Initiative verbirgt, erzählt uns Schwester Kerstin-Marie Berretz OP, Arenberger Dominikanerin.

Schwester Kerstin-Marie, viele Menschen verbinden mit dem Klosterleben Abgeschiedenheit, Weltabgewandtheit und Entsagung. Falsche Vorstellungen?

Natürlich gibt es viele Vorurteile, wenn es ums Ordensleben geht. So gehen wir zum Lachen beispielsweise nicht in den Keller und genießen durchaus das Leben. Gleichzeitig leben wir in manchen Dingen schon anders, als Menschen, die nicht im Kloster sind. Und noch dazu gibt es Gemeinschaften, die sehr zurückgezogen leben. Andere wiederum leben in einer Wohnung mitten in Berlin-Marzahn, da kann von Weltabgewandtheit oder Abgeschiedenheit wirklich keine Rede sein. Das Schöne ist: All diese Facetten können beim Tag der offenen Klöster erlebt werden, weil ganz verschiedene Gemeinschaften ihre Türen öffnen.

Wie ist die Initiative „Tag der offenen Klöster“ entstanden?

Die Initiative zum Tag der offenen Klöster entstand im Jahr 2012 auf der Jahreskonferenz der AG Berufungspastoral der Orden. Einige Brüder und Schwestern hatten bereits Erfahrungen mit ähnlichen Veranstaltungen in verschiedenen Bistümern.

Wie viele Klöster nehmen an der Aktion teil?

Derzeit – am 28. Februar – haben sich schon mehr als 240 Gemeinschaften in ganz Deutschland angemeldet. Und es kommen quasi täglich neue dazu.

Wie hat man sich diesen Tag vorzustellen? 

Wenn man sich auf der Homepage zum Tag der offenen Klöster die Angebote anschaut, wird man schnell feststellen, dass es eigentlich überall darum geht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Fast alle Gemeinschaften bieten Gesprächsmöglichkeiten an und laden zum gemeinsamen Gebet ein. Wir Ordensleute freuen uns darauf, mit denen, die zu uns kommen, etwas von unserem Leben zu teilen.

Die Augustiner Chorfrauen in Essen bieten z.B. ein gemeinsames Kaffeetrinken an, dann ein Kennenlernen des Klosters, um 17.00 Uhr sind alle zur Vesper, dem Abendgebet, eingeladen und anschließend zum Grillen im Klostergarten.

Die Zahl der Ordenseintritte ist in Europa in den letzten Jahrzehnten rapide gesunken. Was versprechen Sie sich von der Aktion? 

In erster Linie geht es darum, miteinander in Kontakt zu kommen. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die „eine Tante im Kloster“ haben oder auf anderem Weg mit Ordensleuten in Berührung kommen. Das möchten wir an diesem Tag ermöglichen. Gleichzeitig ist es auch für uns eine gute Gelegenheit, mit den Menschen, denen auch wir nicht immer begegnen, ins Gespräch zu kommen und etwas von ihnen zu erfahren. Wenn dabei auf beiden Seiten Vorurteile abgebaut werden können, ist das wunderbar. Wir möchten einfach zeigen, wie schön unser Leben ist.

Einige Orden bieten schon seit Jahren Meditations- und Besinnungstage für Laien an, die gerne von „gestressten“ Managern und Menschen, die in einer Lebenskrise stecken, genutzt werden. Das Kloster als Refugium und Selbstfindung. Dennoch ist es bis zum lebenslangem Gelübde bei einem Ordenseintritt ein großer Schritt. Welche Möglichkeiten haben heute die Gemeinschaften, um um Nachwuchs zu werben?

Die beste Werbung ist das Leben selber. Natürlich kennen auch wir in den Ordensgemeinschaften Leid, Trauer und Scheitern. Aber wenn jemand erlebt, dass wir trotzdem glückliche und frohe Menschen sind, kommt er vielleicht auf die Idee, zu fragen, was dahinter steckt. Wenn dann eine junge Frau oder ein junger Mann diesen Weg mit uns gehen möchte, weil es seine ganz eigene Berufung ist, die auch ihn glücklich macht, freuen wir uns sehr. Aber zuerst muss es immer darum gehen, dass die Menschen entdecken, wozu Gott sie ruft, was für sie Leben in Fülle bedeutet.

Informationen zu den vielfältigen Veranstaltungen kann man hier abrufen. Diese können durch verschiedene Suchfunktionen, wie eine Landkarte, über Postleitzahlen oder per Direktsuche gefunden werden.