Die Bewegung für das Leben feiert für neue Hoffnung in Europa

Der Papst lobte die Bewegung für das Leben, die Italien und der Welt neues Leben einhaucht

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Von Antonio Gaspari

ROM, 21. Mai 2012 (ZENIT.org). - Vor einem zur Feier des Lebens versammelten Volk richtete Papst Benedikt XVI. am Sonntag, dem 20. Mai 2012, nach dem Angelus-Gebet einen herzlichen Gruß „an die Tausenden Anhänger der italienischen Bewegung für das Leben, die sich in der Aula Pauls VI. eingefunden haben“.

Der Papst fuhr folgendermaßen fort: „Liebe Freunde, eure Bewegung hat sich immer für die Verteidigung des menschlichen Lebens  gemäß der Lehre der Kirche eingesetzt. In diesem Bemühen habt ihr eine neue Initiative angekündigt, die den Namen ‚Uno di noi‘ (Einer von uns) trägt und deren Ziel es ist, die Würde und die Rechte eines jeden Menschen ab dem Zeitpunkt seiner Empfängnis zu schützen“.

„Ich ermutige euch und ermahne euch, stets Zeugen und Erbauer der Kultur des Lebens zu sein“, so Benedikt XVI. am Ende seiner Ansprache.

Die Klänge des Jugendchors „Le Verdi Note dell’Antoniano“ aus Bologna und die Tänze der Jugendlichen aus der Gemeinde von Nomadelfia [1] bildeten den feierlichen Rahmen für ein fröhliches Fest von ca. 18.000 Menschen in der Aula Pauls VI. im Vatikan. Die Anwesenden waren zu 80 Prozent  Menschen unter 20. Unter den Teilnehmern befanden sich außerdem der Bürgermeister von Rom, Vertreter des Forums der Katholischen Familienverbände, der Acli (Christlichen Vereinigung der italienischen Arbeitnehmer), des Mcl (italienische christliche Arbeiterbewegung), der Azione Cattolica (Katholische Aktion), der Fokolar-Bewegung, des RnS (Bewegung der Erneuerung im Heiligen Geist), des Internationalen Zentrums für Gemeinschaft und Befreiung, der Gemeinschaft Papst Johannes XXIII., des Neokatechumenalen Weges und der Franziskaner der Immaculata, sowie die Präsidentin des Fiuggy Family Festivals, die Schriftstellerin Costanza Miriano und Kardinal Ennio Antonelli, Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie. Vertreter aus der Politik waren Paola Binetti, Eugenia Roccella, Stefano de Lillo, Maurizio Gasparri, Pierferdinando Casini, Luisa Santolini, Rocco Buttiglione und Olimpia Tarzia.

Carlo Casini, der Präsident der Bewegung für das Leben, bezeichnete den freiwilligen Schwangerschaftsabbruch als „immense Tragödie“, der mit einer ganzen Fülle von Gutem zu begegnen sei.

In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass allein im Jahr 2011 60 Prozent der „centri di aiuto alla vita“ (CAV) (Lebenshilfezentren) insgesamt 10.078 Kinder vor dem Abtreibungstod retten konnten. Diese Kinder haben ihre Stimme erhoben, einen Namen erhalten und ihren Eltern und Verwandten Freude bereitet.

Casini führte aus, dass dank der Hilfe der Lebenshilfezentren 140.000 Mädchen und Jungen zur Welt gekommen seien, die sonst der Abtreibung zum Opfer gefallen wären.

Der Präsident der Bewegung für das Leben erinnerte an den 17. Mai 1986, als Mutter Teresa von Kalkutta und Chiara Lubich gemeinsam einen „Appell für Europa“ unterzeichneten, damit das Kind im Namen eines erneuerten Humanismus von der Empfängnis an anerkannt werde.

Seit diesem Jahr veranstalte die Bewegung für das Leben alljährlich einen Schulwettwettbewerb, an dem in den letzten Jahren über eine Million Schüler der oberen Mittelschule teilgenommen haben. 7000 Sieger seien gekürt worden.

In diesem Zusammenhang kündigte Casini die Initiative „Uno di noi“ (Einer von uns) an, deren Ziel die Anerkennung des Menschen ab dem Zeitpunkt der Empfängnis sei. Dazu sei die Sammlung von mindestens einer Million Unterschriften in sieben Mitgliedsländern der Europäischen Union notwendig.

Die Vertreter von 20 Bewegungen für das Leben aus den EU-Mitgliedsstaaten haben am 1. April des vergangenen Jahres den entsprechenden Antrag gestellt. Am 10. Mai habe die Europäische Kommission die Zulässigkeit der Initiative bestätigt. Die Einsendefrist für die gesammelten Unterschriften sei der 13. Mai 2013.

An dieser Stelle richtete Casini einen Mobilisierungsaufruf für das Leben an das gesamte Volk; in der Gewissheit, dass die Stimme sich in allen 27 EU-Mitgliedsländern erheben werde.

Den empfangenen Menschen charakterisierte Casini folgendermaßen:  „das größte aller Wunder, der wahre Urknall der Schöpfung, die Vollendung der Evolution des Universums, die Hoffnung auf die Zukunft, das Wort der Liebe der Unendlichkeit!“. Die Initiative trage den Namen „uno di noi“ (einer von uns), weil jeder nach seinem Ebenbild geschaffen worden sei.

Angefangen beim Bürgermeister von Rom bekundeten alle anwesenden Exponenten der Bewegungen ihre Unterstützung des Tages des Lebens und der europäischen Initiative „uno di noi“. Einige dieser Redebeiträge wurden von der italienischen Tagesausgabe von ZENIT im Wortlaut dokumentiert.

Die Veranstaltung endete mit einer Rede des Kardinals Ennio Antonelli, der die Bewegung für das Leben mit folgenden Worten beschrieb: „Der Einsatz der Bewegung für das Leben ist wichtiger und dringlicher als je zuvor. Sie wird unter anderem aufgrund einiger positiver Signale aus der Politik in ihrem Mut bestärkt. Diese sind beispielsweise auf eine Prävention der Abtreibung ausgerichtete Initiativen, die von den Institutionen nun allmählich ergriffen werden und das Verbot auf Patente von embryonalen Stammzellen und Derivaten des Europäischen Gerichtshofes“.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie fügte folgendes hinzu: „Die unerschöpfliche Quelle des Mutes ist für uns Christen der Herr Jesus Christus, der uns am heutigen Fest der Himmelfahrt auf ganz besondere Weise das endgültige Ziel und den absoluten Wert des menschlichen Lebens offenbart“.

Kardinal Antonelli schloss mit folgenden Worten: „Er ist es, der uns ruft und uns den Auftrag erteilt, das menschliche Leben zu verteidigen, wenn es des größten Schutzes bedarf: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).

[1] Nomadelfia ist eine katholische Gemeinschaftssiedlung, die nach dem 2. Weltkrieg vom Priester Don Zeno Saltini in Italien gegründet wurde, mit dem Ziel Waisenkindern Unterkunft zu geben. Sie befindet sich heute in der Nähe von Grosseto in der Toskana und besteht aus Familien und unverheiratete Laien, die in Gemeinschaft leben und elternlose Kinder bei sich aufnehmen. Das Gemeindemodell orientiert sich an jenem, das in der Apostelgeschichte beschrieben wird.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]