Die Bischöfe aus Myanmar im Vatikan

Beginn des „Ad-limina“-Besuchs

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ROM, 26. Mai 2008 (ZENIT.org). – Im Vatikan hat der „Ad-limina“-Besuch der Bischöfe aus Myanmar begonnen, der am kommenden Samstag mit der abschließenden Ansprache Papst Benedikts XVI. sein Ende finden wird. Die ersten fünf Bischöfe wurden heute vom Heiligen Vater empfangen.



Die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft richtet sich seit nunmehr einigen Wochen auf das von einer Militärdiktatur beherrschte Myanmar, das infolge der Zerstörungen durch den Zyklon „Nargis“ in eine schwere und fast aussichtslose humanitäre Situation geraten ist. Der Wirbelsturm und seine Folgen haben nach jüngsten Schätzungen rund 80.000 Menschen in den Tod gerissen und 2,5 Millionen Menschen obdachlos gemacht. Die Militärjunta behinderte die Hilfeleistungen der internationalen Gemeinschaft. Hilfsorganisationen war der Eintritt ins Land verweigert worden, Hilfsgüter von der Junta beschlagnahmt und teilweise unter ihrem eigenen Namen an das Volk verteilt worden.

In Yangon kümmert sich seit Sonntag die Konferenz der Geberländer darum, einen organisierten Modus zur Bewältigung der Tragödie zu finden. Die katholische Kirche ist in diesen Prozess eingebunden. Die Gefahr, dass die Militärjunta Hilfslieferungen für sich selbst oder ihre eigenen Zwecke in Anspruch nimmt, ist groß.

Der Salesianer und katholische Erzbischof der Stadt Yangon in Myanmar, Charles Bo, meldete sich in einem Statement an die Welt zu Wort und bat darum, die Hilfsmaßnahmen für die Opfer des Zyklons aufrechtzuerhalten. „Die katholische Kirche ist an vorderster Front bei der Lieferung von Hilfsgütern. Unser Netzwerk hat die abgelegensten Dörfer schon mit ersten Hilfsgütern erreicht. Viele Tausende wenden sich Hilfe suchend an die Kirche. Doch wir sind eine arme Kirche, und unserer Ressourcen nähern sich rasch dem Ende. Und der Zyklon hat auch den Großteil unserer Einrichtungen zerstört, darunter Kirchen, Klöster, Waisenhäuser.“

Der Erzbischof bittet um Hilfe für die Bevölkerung: „Myanmar darf nicht erneut von der Welt vergessen werden. Sie kennen die Leiden der Menschen, Sie haben Mitgefühl mit ihrem Verlust, und ich bin davon überzeugt, dass Sie in dieser dunklen Stunde Myanmar beistehen werden. Wir brauchen jetzt Ihre Hilfe, um Leben zu retten!“

Wiederholt hatte die internationale Gemeinschaft das zynische Verhalten der Militärjunta gegenüber dem Elend von Millionen von Menschen verurteilt. Auch der Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte der Regierung „Arroganz und Ignoranz“ vorgeworfen.

Beim traditionellen Pfingstgottesdienst der Sprachen und Nationen im überfüllten Frankfurter Bartholomäusdom hatte der Bischof am 10. Mai die Hindernisse beklagt, die die Junta den internationalen Hilfskräften in den Weg gelegt hatte, die den Menschen in Birma nach der schweren Flutkatastrophe helfen wollten: „Wir sehen gegenwärtig auf erschreckende Weise, wie viel Leid Menschen zugefügt wird, wenn es die Verweigerung gibt, über Grenzen hinauszugehen“, so Tebartz-van Elst.

Die katholischen Christen bilden in Myanmar eine kleine Minderheit unter der buddhistischen Bevölkerung. 630.000 Christen leben im Land unter rund 40 bis 45 Millionen Buddhisten. Sie befinden sich in einem Zustand der von der Militärjunta streng „überwachten Freiheit“.

Die Kirche in Myanmar hat ihren missionarischen Geist bewahrt, der ihr von ihren portugiesischen Gründern im 16. Jahrhundert überliefert wurde. Die katholische Hierarchie wurde erst im Jahr 1955 eingerichtet. Die Vitalität des kirchlichen Lebens in Myanmar verdankt viel dem Wirken der Ordensleute und Katecheten.

„Radio Vatikan“ ist besonders dafür verantwortlich, dass die Katholiken Myanmars mit der Weltkirche in Verbindung bleiben. Das Radio des Papstes gelangt über die Frequenzen von „Radio Veritas“ ins Land, des katholischen Senders der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen mit Sitz in Manila (Philippinen), der auch Sendungen in birmanischer Sprache bietet.

Durch den Zyklon Nargis, der Myanmar am 2. und 3. Mai erreicht hat, brach nach den 2007 von buddhistischen Mönchen unterstützten und mit Gewalt niedergeschlagenen Demonstrationen die über 40 Jahre andauernde Isolierung des Landes schlagartig auf.

Die Gewaltherrschaft der Junta hat schwerwiegende Folgen für das soziale und politische Leben des Landes, und sie machen auch vor den Katholiken nicht halt. Die Übernahme der Regierungsgewalt durch das Militär in den 60er Jahren hatte die Nationalisierung der katholischen Kirchen, der Häuser für Leprakranke und der Krankenhäuser zur Folge. 239 Missionare wurden des Landes verwiesen. Die verbliebenen heutigen 188 Diözesanpriester und rund 60 ausländischen Missionare hatten noch nie die Gelegenheit, einen Papst zu sehen. 1984 befand sich Johannes Paul II. während seines Thailand-Besuchs „in der Nähe“ von Myanmar. Verschiedene birmanische Bischöfe hatten die Möglichkeit, dem Papst zu begegnen. Gleiches geschah 1986 während der 32. Apostolischen Reise von Johannes Paul II. nach Südostasien, Neuseeland und Australien.

Benedikt XVI. hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder für eine innere Entspannung in Myanmar ausgesprochen. So zum Beispiel in seiner Neujahrsansprache vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps am 7. Januar.

Am 7. Mai 2008 rief der Papst während der Generalaudienz dazu aufgerufen, „das Herz für Mitgefühl und Großzügigkeit zu öffnen, damit durch die Zusammenarbeit aller, denen dies möglich ist und die Hilfe leisten wollen, die Leiden gelindert werden können, die von einer derart ungeheuren Tragödie verursacht worden sind“.

Erst seit wenigen Stunden, das heißt seit dem Beginn der Konferenz der Gebernationen in Yangon von gestern, scheint es, dass die Junta bereit ist, die Hilfeleistungen der internationalen Gemeinschaft zuzulassen. Die Konferenz hat bisher 100 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt (11 Milliarden Dollar fordern die Militärs).

Wie das Hilfswerk Misereor bereits am 8. Mai berichtete, ist das Ausmaß der Verwüstungen in den betroffenen Regionen in Myanmar erschreckend. „Es ist dringend notwendig, dass die Menschen das Lebenswichtigste so schnell wie möglich erhalten. Der Zyklon hat viele Menschen getroffen, die bereits vor der Katastrophe unter einer schlechten Ernährungssituation gelitten haben. Zudem gab es von Seiten der Militärregierung keinerlei Vorwarnung. Das Krisenmanagement seitens der Regierung weist erhebliche Mängel auf“, erklörte Corinna Broeckmann von Misereor.

Ein langjähriger Mitarbeiter der Hilfsorganisation aus Yangon schreibt in einem Brief: „Unser Land befindet sich in einer Art Schockzustand. Die Zahl der Toten steigt täglich an. Tausende von Menschen sind verschwunden und über eine Millionen haben kein Dach mehr über dem Kopf. Mit dem Ausmaß der Zerstörung kann ein armes Land wie unseres nur schwer umgehen.“

Die Hilfeleistungen müssen somit an einer zweifachen Front kämpfen: der Front der unmittelbaren, durch den Zyklon verursachten Tragödie, und der Front der langfristigen Arbeit des Wiederaufbaus, der vor allem die Nahrungsmittelversorgung betrifft.

Die ersten Maßnahmen des katholischen Hilfswerks für die Opfer des Zyklons „Nargis“ sind angelaufen, gibt Misereor bekannt. Dabei werden die lokalen Organisationen in Birma genutzt, um die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln, Medikamenten, Decken und Baumaterial zu gewährleisten.

Spenden für Myanmar können auf folgendes Konto überwiesen werden:
MISEREOR, Kontonummer. 10 10 10 , Pax Bank eG, BLZ 370 601 93; Stichwort: „Hilfe Birma“.

Es ist auch möglich, online durch Lastschrift zu spenden.