Die Botschaft der Bischofssynode über das Wort Gottes, eine mehrstimmige Symphonie

Gottes Wort soll immer besser kennen gelernt und immer mehr geliebt werden

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ROM, 24. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Während der 21. Generalkongregation, die heute, Freitag, im Vatikan stattfand, haben die Synodenväter zum Abschluss der 12. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche die Botschaft der Bischofssynode an das Volk Gottes gebilligt.



Das Dokument wurde gleichsam als mehrstimmige Symphonie in der Synodenaula präsentiert: Erzbischof Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, verlas die Schlussbotschaft abwechselnd mit vier weiteren Synodenvätern. Der Text der Botschaft wurde auf Italienisch, Englisch, Spanisch und Deutsch vorgestellt.

Das Schreiben, das an alle Gläubigen gerichtet ist, bringt des Kernanliegen der Synode zum Ausdruck und lädt zu einer immer besseren Kenntnis des Wortes Gottes und zu einer größeren Liebe zu ihm ein. Gleichzeitig bringt die Synode ihren Dank gegenüber den Exegeten, den Katecheten und den Märtyrern zum Ausdruck.

Vier Kardinalpunkte wurden besonders hervorgehoben, die die Synodenväter mit vier Bildern zum Ausdruck brachten: der göttlichen Stimme, die sich offenbart; des Antlitzes des Wortes, das Jesus ist; des Hauses des Wortes, das die Kirche ist, und schließlichdes Weges des Wortes, das heißt die Mission.

Die göttliche Stimme ist die Stimme, die zu Beginn der Schöpfung in Erscheinung getreten sei, als sie das Schweigen des Nichts zerrissen habe. Gleichzeitig stehe sieh auch am Ursprung der menschlichen Geschichte, die von der Sünde des Menschen verletzt wurde. Die Stimme Gottes trete in die Heilige Schrift ein, die wir jetzt in der Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes lesen.

Das Antlitz des Wortes ist Jesus Christus, Sohn des ewigen und unendlichen Gottes, der aber auch ein sterblicher Mensch gewesen und mit einer historische Epoche verbunden sei. „Die Bibel ist in der Tat auch ‚Fleisch’, ‚Buchstabe’, sie drückt sich aus in einzelnen Sprachen, in literarischen und historischen Formen, in Begriffen, die gebunden sind an eine antike Kultur, sie bewahrt Erinnerungen an oft tragische Ereignisse, ihre Seiten sind nicht selten mit Blut und Gewalt befleckt, in ihrem Innern hallt das Lachen des Menschen wider und fließen die Tränen, so wie sich das Gebet der Unglücklichen und der Jubel der Verliebten erhebt.” Christus offenbare den vollen und einheitlichen Sinn der Schrift. Das Christentum sei somit eine Religion, in dessen Mittelpunkt eine Person steht, „die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“.

Als dritter Kardinalpunkt wird die Kirche hervorgehoben, die das Haus des göttlichen Wortes ist und in ihrer Architektur auf vier ideellen Säulen ruht: zunächst auf der apostolischen Lehre und auf dem „Brechen des Brotes“, das heißt der Eucharistie. Die dritte Säule des geistlichen Gebäudes der Kirche, dem Haus des Wortes, bestehe aus den Gebeten, die – wie der heilige Paulus erinnerte – durchflochten seien von Psalmen, Hymnen und Liedern. Daneben und neben den gemeinschaftlichen Wort-Gottes-Feiern habe die Tradition die Praxis der „Lectio divina“ eingeführt, die betende Lesung im Heiligen Geist, die fähig ist, dem Gläubigen den Schatz des Wortes Gottes zu eröffnen, aber auch die Begegnung mit Christus, dem lebendigen göttlichen Wort, zu bewirken. Die vierte Säule bestehe in der „communio“, der brüderlichen Gemeinschaft, einem anderen Wort für agápe, das heißt für die christliche Liebe. Wahre Christen würden das Wort Gottes nicht nur hören, sondern müssten es in die Praxis umsetzen.

Das letzte und vierte Bild des geistlichen Wegplanes der Synode ist das der Straße, auf der das Wort Gottes einherschreitet. Die Bibel sei überall durchsetzt mit Aufrufen, „nicht zu schweigen”, „kraftvoll zu rufen” und „das Wort gelegen oder ungelegen zu verkünden”, Wächter zu sein, die das Schweigen der Gleichgültigkeit zerreißen.

Das Wort Gottes solle ebenso auf den Straßen der Welt von heute voranschreiten, die auch jene der elektronischen Kommunikation, des Fernsehens und der der virtuellen Welt seien. Die Bibel müsse in die Familien, in die Schulen sowie in alle kulturellen Bereiche eintreten. Der symbolische poetische und narrative Reichtum der Schrift mache sie zu einem Banner der Schönheit sowohl für den Glauben als auch für die Kultur, dies in einer Welt, die oft von Hässlichkeit entstellt sei. Die Bibel lehre die „via pulchritudinis“ , das heißt den Weg der Schönheit, um Gott zu erkennen und zu ihm zu gehen.

Die Bibel sei der „große Kodex“ der universalen Kultur. Die Künstler hätten in geistiger Weise ihren Pinsel in jenes farbenfrohe Alphabet von Geschichten, Zeichen undPersonen eingetaucht, die sich auf den Seiten der Bibel finden; die Musiker hätten auf der Grundlage der Heiligen Schriften, vor allem der Psalmen, ihre Harmonien geschaffen; die Schriftsteller hätten über die Jahrhunderte hinweg jene alten Erzählungen wieder aufgenommen, die zu existentiellen Gleichnissen geworden seien; die Dichter hätten sich über das Geheimnis des Geistes, über das Unendliche, über das Böse, über die Liebe, über den Tod und über das Leben Fragen gestellt, wobei sie die poetische Begeisterung eingefangen hätten, von der die Seiten der Bibel beseelt sind.

Die Denker, die Wissenschaftler und die Gesellschaft selbst hätten oft die geistlichen und ethischen Auffassungen der Bibel als Bezugspunkt oder auch als gegensätzliche Position gewählt. Auch wenn die in der Heiligen Schrift vorkommende Person oder Idee verzerrt dargestellt wurde, sei doch erkannt worden, dass sie für unsere Zivilisation unersetzlich und von maßgebender Bedeutung war.

Das Wort Gottes sei jedoch nicht an eine Kultur gefesselt; es strebe vielmehr danach, die Grenzen zu überschreiten. Die Kirche sei dazu gerufen, in einem delikaten, aber notwendigen Prozess auch heute genau dies zu tun. Das Lehramt Papst Benedikts XVI. habe dazu einen kräftigen Impuls gegeben. Die Kirche müsse dafür sorgen, dass das Wort Gottes die Vielfalt der Kulturen durchdringen und es durch ihre Sprachen, ihre Auffassungen, Zeichen und religiösen Traditionen zum Ausdruck bringen kann. Sie müsse jedoch stets fähig sein, die wahre Substanz seiner Inhalte zu bewahren, indem sie über die Gefahr von Verzerrungen wacht.

Abschließend richteten die Synodenväter ihren Blick voll Zuneigung und Dankbarkeit auf die Wissenschaftler, die Katecheten und alle weiteren Diener des Wortes Gottes. Sie gedachten auch den Brüdern und Schwestern, die Verfolgungen erleiden oder die aufgrund des Wortes Gottes und aufgrund des für Jesus, den Herrn, abgelegten Zeugnisses zum Tod verurteilt wurden.

[Die Botschaft ist als Dokument der heutigen ZENIT-Ausgabe beigefügt]