Die Christen, „Apostel des Heils in der Welt“

Papst Benedikt XVI. ruft Christen zur Umkehr auf

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ROM, 26. Januar 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, am Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, zum Angelus-Gebet gehalten hat.

Der Heilige Vater bekräftigte am Ende der Gebetswoche für die Einheit der Christen, wie wichtig die persönliche Umkehr gerade auch im Hinblick auf den Fortschritt der Ökumene sei. Bekehrung bedeutet nach seinen Worten vor allem, „daran zu glauben, dass sich Jesus im Tod am Kreuz für mich hingegeben hat (vgl. Gal 2,20) und als Auferstandener mit und in mir lebt“. Und er fuhr fort: „Wenn ich mich der Macht seiner Vergebung anvertraue und mich von ihm an der Hand nehmen lasse, kann ich dem Treibsand des Stolzes und der Sünde, der Lüge und des Kummers, des Egoismus und jeder falschen Sicherheit entkommen, um den Reichtum seiner Liebe kennen zu lernen und zu leben.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Im Evangelium des heutigen Sonntags erklingen die Worte der ersten Predigt Jesu in Galiläa: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Und gerade am heutigen Tag, dem 25. Januar, begehen wir das Fest der Bekehrung des heiligen Paulus. Ein glückliches Zusammentreffen – besonders in diesem Paulusjahr –, dank dessen wir im Blick auf die Erfahrung des Apostels die wahre Bedeutung der Umkehr, wie sie dem Evangelium entspricht – metánoia –, begreifen können. Um die Wahrheit zu sagen, ziehen es einige vor, bei Paulus nicht den Begriff „Bekehrung“ zu benutzen, weil er – so sagen sie – bereits gläubig, ja sogar ein leidenschaftlicher Jude war, weil er nicht vom Unglauben zum Glauben, von den Götzen zu Gott übergehen und ebenso wenig den jüdischen Glauben aufgeben musste, um Christus zu folgen. In Wirklichkeit kann die Erfahrung des Apostels ein Vorbild für jede wahre christliche Bekehrung sein.

Die Bekehrung des Paulus reifte in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus heran; es war diese Begegnung, die seine Leben radikal veränderte. Auf dem Weg nach Damaskus geschah ihm das, was Jesus im heutigen Evangelium fordert: Saulus hat sich bekehrt, da er dank des göttlichen Lichts „an das Evangelium“ geglaubt hat. Darin besteht seine und unsere Bekehrung: im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Jesus und in der Öffnung für die Erleuchtung durch seine göttliche Gnade. In jenem Augenblick begriff Saulus, dass sein Heil nicht von den guten Werken abhing, die auf die Erfüllung des Gesetzes abzielten, sondern von der Tatsache, dass Jesus auch für ihn – den Verfolger – gestorben und auferstanden war und auferstanden ist. Diese Wahrheit, die dank der Taufe das Dasein eines jeden Christen erleuchtet, stößt unsere Art zu leben vollständig um. Sich bekehren bedeutet auch für einen jeden von uns, daran zu glauben, dass sich Jesus im Tod am Kreuz „für mich hingegeben hat“ (vgl. Gal 2,20) und als Auferstandener mit und in mir lebt. Wenn ich mich der Macht seiner Vergebung anvertraue und mich von ihm an der Hand nehmen lasse, kann ich dem Treibsand des Stolzes und der Sünde, der Lüge und des Kummers, des Egoismus und jeder falschen Sicherheit entkommen, um den Reichtum seiner Liebe kennen zu lernen und zu leben.

Liebe Freunde, die Einladung zur Umkehr, die durch das Zeugnis des heiligen Paulus bekräftigt worden ist, erklingt heute, zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, auch auf der Ebene der Ökumene mit besonderer Vordringlichkeit. Der Apostel zeigt uns die angemessene geistliche Haltung, um auf dem Weg der Gemeinschaft fortschreiten zu können. „Nicht dass ich es schon erreicht hätte, oder dass ich schon vollendet wäre“, schreibt er an die Philipper. „Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin“ (Phil 3,12).

Gewiss, wir Christen haben das Ziel der vollen Einheit noch nicht erreicht. Wenn wir uns aber ständig von Jesus, dem Herrn, bekehren lassen, werden wir es sicher erreichen. Die selige Jungfrau Maria, Mutter der einen und heiligen Kirche, erlange für uns das Geschenk der wahren Umkehr, damit sich so bald wie möglich der Wunsch Christi verwirkliche: „Ut unum sint“! Ihr empfehlen wir die Gebetsbegegnung, der ich heute Nachmittag in der Basilika St. Paul vor den Mauern vorstehen werde und an der – wie jedes Jahr – die in Rom anwesenden Vertreter der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften teilnehmen werden.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:]

Mit Freude grüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die Kirche feiert am 25. Januar das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus. Im Paulusjahr wollen wir dieses Gedenken auch am heutigen Sonntag begehen. Die Begegnung des glaubenseifrigen Juden Saulus mit dem auferstandenen Christus wird ihm zur Lebenswende. Paulus läßt die Erkenntnis des lebendigen Herrn nicht kalt, sondern macht ihn zum feurigen Boten des Evangeliums. Auch in uns will Christus durch sein Wort das Feuer seiner Liebe entfachen. Er will uns zu Aposteln des Heils in der Welt machen. Der Heilige Geist leite euch dabei und schenke euch wirkliche, bleibende Freude.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2009 – Libreria Editrice Vaticana]