„Die Christen im Irak müssen unterstützt werden“

Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz im Nordirak

| 937 klicks

ROM, Freitag, 24. Juni 2011 (ZENIT.org/dbk). - Am vergangenen Wochenende ist der sechstägige Besuch des Vorsitzenden der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), und seiner Delegation in den Nordirak zu Ende gegangen. Stationen der Reise waren mehrere Bistümer in der Region (Erbil, Mossul, Al-Qosh, Aqrah, Kirkuk). Die Bischöfe der katholischen Kirchen (Chaldäische Kirche, Syrisch-katholische Kirche) sowie Vertreter anderer orientalischer Kirchen brachten ihre Freude über den Besuch aus Deutschland zum Ausdruck, den sie als wichtiges Zeichen der Solidarität wertschätzten. Herzliche Aufnahme fand die Delegation im Bischofshaus des chaldäischen Erzbischofs von Erbil, Bashar Warda. Einen Höhepunkt der Reise bildete das Treffen mit dem Oberhaupt der chaldäischen Kirche, Patriarch Emanuel III. Kardinal Delly.

Im nördlichen Irak, insbesondere in der autonomen Region Kurdistan, leben heute viele Christen, die vor Bedrohungen, Anschlägen und Entführungen vor allem aus Mossul und Bagdad geflohen sind. In Gesprächen mit den Repräsentanten der Kirchen, mit dem Innenminister und dem Minister für religiöse Angelegenheiten der Region Kurdistan sowie mit dem deutschen Generalkonsul in Erbil wurde unterstrichen, dass die Christen in Kurdistan willkommen seien und in Sicherheit leben könnten. In vielen Fällen gestalte sich jedoch die wirtschaftliche Integration der Neuankömmlinge schwierig. Die Arbeitslosigkeit sei hoch und die Wohnverhältnisse seien ärmlich, wie sich die Delegation bei Besuchen in den Unterkünften von Flüchtlingsfamilien überzeugen konnte.

Die Flüchtlingsbewegungen haben auch erhebliche Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Während in Mossul und Bagdad viele Kirchen einen starken Aderlass erfahren haben, sind die Gemeinden in den Flüchtlingsgebieten angewachsen. Hier mangelt es an kirchlicher Infrastruktur und die Bistümer stehen vor der Herausforderung, pastorale Initiativen zur Eingliederung der neuen Gemeindemitglieder zu entwickeln. Die Bischöfe machten in den Gesprächen mit den deutschen Gästen immer wieder deutlich, dass eine vertiefte Einheit der Kirche im Irak unerlässlich sei, um den Problemen wirkungsvoll begegnen zu können. Pastorale, soziale und karitative Hilfe aus der Weltkirche sei erforderlich. Von der Wirksamkeit der kirchlichen Unterstützung aus Deutschland konnte sich die Delegation beim Besuch von Projekten überzeugen, die vom Deutschen Caritasverband und von Misereor mitfinanziert wurden. In den Beratungen mit den Bischöfen spielte die Frage, wie die Zusammenarbeit der Diözesen untereinander und mit den ausländischen Hilfswerken verbessert werden kann, eine wichtige Rolle.

Das Christentum ist sich seiner fast zweitausendjährigen geschichtlichen Verwurzelung im mesopotamisch-irakischen Raum bewusst. Für diese Tradition stehen die Klöster Mar Mattai und Mar Hormizd, denen die deutschen Gäste einen Besuch abstatteten, sowie die Präsenz von Kirchen aus der frühchristlichen Zeit (syrisch-orthodoxe Kirche, Apostolische Kirche des Ostens), die – wie die Gespräche zeigten – mit den Katholiken verbunden sind. Gerade in einer Zeit religiös motivierter Gewalt kommt dem Dialog der Religionen besondere Aufmerksamkeit zu. Ein Beispiel gelungenen Miteinanders ist die Stadt Kirkuk. Der dortige chaldäische Erzbischof, Louis Sarko, brachte die Delegation mit den Vertretern des sunnitischen und des schiitischen Islam zusammen. Dabei wurde von beiden Seiten die Notwendigkeit betont, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und für Frieden und Wohlfahrt zusammenzuarbeiten.

Vor seiner Abreise nach Deutschland fasste Erzbischof Schick die Situation vor Ort zusammen: „Der Irak zählt zu den Ursprungsorten der jüdisch-christlichen Geschichte. Deshalb ist die Präsenz der Kirche dort sehr wichtig. Zu den weltkirchlichen Aufgaben gehört es, die Christen im Irak zu unterstützen.“ Die Deutsche Bischofskonferenz werde die katholische Kirche im Irak auch weiterhin in Zusammenarbeit mit Caritas und Miseror vor allem durch die Einrichtung von Berufsschulen zur Ausbildung von Fachkräften für den Agrarsektor, das Bauwesen, den Fremdenverkehr und das Hotelfach unterstützen, so Schick. „Auf diese Weise können wir der Ortskirche dabei helfen, Zukunftsperspektiven für Christen und für das ganze Land zu schaffen.“

An der Reise nahmen neben dem Erzbischof der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, der Leiter des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio, Prof. Dr. Harald Suermann, sowie der Sekretär und der Geschäftsführer der Kommission Weltkirche, Ulrich Pöner und Hermann-Josef Großimlinghaus, teil.