"Die Christen sollen ihren Glauben ernst nehmen"

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 364 klicks

Alle Getauften seien dazu aufgerufen, auf dem Weg der Heiligsprechung zu gehen. In seiner heutigen Predigt in Santa Marta sagte Papst Franziskus, im Leben eines jeden gebe es ein vor und ein nach Jesus. Er betonte dabei, Christus habe uns zum zweiten Mal erschaffen, und es sei unsere Aufgabe, dies mit unserer Art zu leben vorwärts zu bringen.

Papst Franziskus bezog sich in seinen Ausführungen auf den Brief des Apostels Paulus an die Römer (6,19-23), der die Erlösungsthematik beinhalte. Der Apostel versuche, die Erlösung mit der Logik des vor und nach zu erklären. Das vor Jesus sei Abfall, das nach Jesus eine Neuschöpfung. Überdies weise er uns den Weg, dies zu leben.

„Wir sind in Christus neu geschaffen! Das, was Christus in uns getan hat, ist eine Neuschöpfung: sein Blut hat uns neu ergeschaffen. Eine zweite Schöpfung! Waren vorher unser ganzes Leben, unser KörperLeib, unsere Seele, unsere Gewohnheiten auf dem Weg der Sünde, so müssen wir nach dieser Neuschöpfung die Kraft aufbringen, auf dem Weg des Rechts, der Heiligung zu gehen. Benutzt dieses Wort: Heiligkeit. Wir alle sind getauft worden: In jenem Moment haben unsere Eltern für uns, den Akt des Glaubens vollzogen: ‚Ich glaube in Jesus Christus‘, der uns die Sünden verziehen hat. Ich glaube in Jesus Christus!“

Diesen Glauben in Jesus Christus müssten wir durch unsere Lebensweise voranbringen und ausdrücken, so der Pontifex weiter. Überdies bedeute dies, die Werke, die aus diesem Glauben entstünden, voran zu bringen.

„Wir sind schwach, und oft, oft, sündigen wir, machen Fehler… Ist das der Weg zur Heiligsprechung? Ja und Nein! Wenn du dich daran gewöhnst: ‚Ich habe ein ganz gutes Leben, aber ich glaube in Jesus Christus, aber ich lebe wie ich will‘… Nein, das heiligt dich nicht, das geht nicht! Das ist widersprüchlich! Aber wenn du sagst: ‚Ja, ich bin ein Sünder; ich bin schwach‘, und du gehst immer zum Herrn und sagst ihm: ‚Herr, du hast die Kraft, gib mir den Glauben! Du kannst mich heilen!‘ Und im Sakrament der Versöhnung lässt du dich heilen, auch unsere Fehler dienen diesem Weg der Heiligung. Aber es geht immer darum: vor und nach.“

Um den Weg ernst zu nehmen, müsse man Werke der Gerechtigkeit verrichten, einfache Werke, etwa Gott anbeten. Überdies müsse man das tun, was Christus uns rate, nämlich den anderen helfen.

„Ohne das Bewusstsein des vor und nach, von dem Paulus spricht, nützt unser Christentum niemandem! Und noch mehr: Es geht den Weg der Scheinheiligkeit. Ich nenne mich Christ, aber ich lebe, wie es kommt. Manchmal sagen wir: Christen auf halber Strecke, die das nicht ernst nehmen. Wir sind heilig, gerechtfertigt durch das Blut Christi: Nimm diese Heiligung, und bring sie voran! Und das nimmt man nicht ernst! Laue Christen: Aber ja, ja; aber nein, nein. Ein bisschen, wie unsere Mütter sagten: ‚Rosenwasserchristen‘ nein! Ein bisschen so… Ein bisschen Farbe vom Christen, ein bisschen Farbe von der Katechese… Aber im Inneren gibt es keine echte Bekehrung, es gibt nicht die Überzeugung des Paulus.“

Abschließend sagte Papst Franziskus, man müsse alles von sich fern halten, was einen von Christus entferne. Es sei zu schaffen, alles neu in Christus anzugehen. Dies sei Paulus gelungen und auch anderen Christen. Der Papst schloss: „Bitten wir den hl. Paulus, dass er uns die Gnade erteile, wie wirkliche Christen zu leben, wirklich daran zu glauben, dass wir durch das Blut Jesu Christi heilig geworden sind.“