Die Christen überwinden die Versuchung "zurückzugehen"

Papst Franziskus in seiner heutigen Predigt: Keine Angst vor der Freiheit haben, die der Heilige Geist gibt

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 414 klicks

Der Papst unterstrich, dass die Kirche von heute sich vor zwei großen Versuchungen hüten müsse, des „Rückschritts“ und des „jugendlichen Progressivismus“. An der Messe nahmen neben dem konzelebrierenden Kardinal João Braz de Avis eine Gruppe von Priestern, Religiösen und dem Laientum Angehörigen der Kongregation für Institute des geweihten Lebens sowie Kardinal Bernard Agré teil.

„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben“ (Matt 5,17-19). Mit diesen Worten begann der Papst die heutige Predigt und wies anschließend darauf hin, dass dieser Text auf denjenigen der Seligsprechungen folge und „Ausdruck des neuen Gesetzes“ sei. Dieses Gesetz sei „Frucht des Bundes“, und ohne diesen könne man den Sachverhalt nicht verstehen. „Dieser Bund“, so der Papst, „ist unantastbar, weil er das Volk zu Gott brachte.“ Er verglich „die Reife dieses Gesetzes“ mit „dem Samen, der aufbricht und zu einer Blume wird“. Jesus sei „der Ausdruck der Reife dieses Gesetzes“ und weiter „Paulus spricht von zwei Zeiten, ohne die Kontinuität zu beeinträchtigen, die zwischen dem Gesetz der Geschichte und dem Gesetz des Heiligen Geistes besteht“.

„Der Moment der Erfüllung des Gesetzes, der Moment in dem das Gesetz zu seiner Reife gelangt: das ist das Gesetz des Heiligen Geistes. Das Weitergehen auf dieser Straße ist nicht ungefährlich, aber es ist der einzige Weg zur Reife, um der Zeit der Unreife zu entwachsen. Auf dem Weg zur Reife des Gesetzes, die mit der Predigt Jesu einhergeht, gibt es immer eine Furcht, die Furcht vor der Freiheit, die uns der Heilige Geist gibt. Das Gesetz des Heiligen Geistes macht uns frei! Diese Freiheit macht uns ein wenig Angst, da wir Angst davor haben, die Freiheit des Heiligen Geistes mit einer menschlichen Freiheit zu verwechseln.“

Der Pontifex führte weiter aus: Fas Gesetz des Heiligen Geistes “führt uns auf den Weg der Urteilskraft, Gottes Willen zu tun“ und das mache uns Angst. Eine Angst, die „zwei Versuchungen“ in sich habe, so der Papst. Erstere sei diejenige, „einen Schritt zurück zu tun“, zu sagen „man kann nur bis hierhin, aber nicht dorthin“, und so „bleiben wir, wo wir sind“. Das sei „die Versuchung, der Angst vor der Freiheit, der Angst vor dem Heiligen Geist.“ Eine Angst, bei der „besser ist, sicher zu gehen.“ In diesem Zusammenhang erzählte der Papst von einem Vorgesetzten, der in den dreißiger Jahren alle “Verordnungen gegen das Carisma (im Sinne von Gottesgeschenk)“ für die Gläubigen zusammengetragen hatte. Als mit seinen gesammelten Werken zu einem Benediktinerabt in Rom ging, sagte ihm dieser er habe „das Carisma seiner Bruderschaft umgebracht“, „habe die Freiheit getötet“, da „das Carisma die Früchte der Freiheit bringe, das er aufgehalten habe.“

„Die Versuchung einen Schritt zurück zu tun , weil wir dort ‚sicher‘ sind: aber die absolute Sicherheit ist im Heiligen Geist, der dich weiterbringt, der dir dieses Vertrauen gibt. … Der Heilige Geist ist anspruchsvoll, wenn Jesu uns sagt: ‚Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.‘ Der Heilige Geist gibt uns keine menschliche Sicherheit. Wir können ihn nicht kontrollieren: Das ist das Problem! Das ist eine Versuchung“.

Er fügte hinzu, es gebe eine weitere Versuchung, die des „jugendlichen Progressivismus“, die uns vom Weg abbringe. Eine Gesellschaft zu sehen, und „nicht wirklich von ihr losgelöst zu sein“:

„Nehmen wir hier etwas, nehmen wir dort etwas… Wollen wir so ein Gesetz? Vorwärts mit diesem Gesetz. Wollen wir damit weitergehen? Erweitern wir den Weg ein bisschen. Am Ende, sage ich, ist dies kein wirklicher Progressivismus. Es ist ein jugendlicher Progressivismus: wie die Jugendlichen, die immer alles mit Enthusiasmus haben wollen und am Ende? Gleitet man aus… Es ist so, als wenn die Straße glatt ist und das Auto darauf vom Weg abkommt… Das ist die andere Versuchung! Wir dürfen in diesem Moment der Kirchengeschichte weder zurückweichen, noch vom Weg abkommen!“

Der Weg, so der Papst, „ist der in der Freiheit des Heiligen Geistes, der uns frei macht, in der kontinuierlichen Urteilskraft im Willen Gottes, um auf diesem Weg weiterzugehen, ohne zurückzugehen und ohne vom Weg abzukommen. Bitten wir den Herrn um die Gnade, die uns der Heilige Geist gibt, voranzuschreiten.“