Die Debatte über homosexuelle Partnerschaften

Das Gesetz darf eine naturgegebene Institution nicht abändern

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Von P. John Flynn LC

ROM, 13. September 2012 (ZENIT.org). - Die Debatte über Ehen zwischen Partnern gleichen Geschlechts ist in vielen Ländern noch immer ein heißes Thema. Ende August stimmte das neuseeländische Parlament in der ersten Wahlrunde für einen Gesetzentwurf, der, falls er in Kraft träte, homosexuelle „Ehen“ ermöglichen würde.

Auch das Parlament des australischen Staates Tasmanien erwägt zur Zeit die Möglichkeit, gleichgeschlechtliche „Ehen“ zu legalisieren. Die schottische Regierung plant die Einführung eines ähnlichen Gesetzes, was die Bischöfe in Schottland dazu veranlasste, in allen Pfarreien des Landes einen Hirtenbrief verlesen zu lassen, in dem sie die Menschen dazu auffordern, die Ehe als Band zwischen Mann und Frau zu verteidigen. Unterdessen verursachte in den USA der Eigentümer der Fastfood-Kette „Chick-fil-A“ erhebliches Aufsehen mit seinen Äußerungen zur Unterstützung der traditionellen Ehe.

Die verschiedenen Ansichten über dieses Thema erläutert in vorbildlicher Weise ein Buch, das den Stoff aus zwei gegensätzlichen Blickwinkeln behandelt: „Debating Same-Sex Marriage“ von John Corvino und Maggie Gallagher (Oxford University Press)

Corvino ist Dozent für Philosophie an der Wayne State University in Detroit und Gallagher ist Mitgründerin der „National Organization for Marriage“ und Autorin zahlreicher Bücher über die Ehe.

Beide Autoren vermeiden moralische Betrachtungen und religiöse Argumente zum Thema Homosexualität.

Corvino argumentiert folgendermaßen: Wenn man homosexuellen Paaren die Möglichkeit gäbe zu heiraten, müsse sich dies nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Gesellschaft positiv auswirken, weil es nur gut sein könne, wenn Paare stabile, verantwortungsbewusste Beziehungen eingehen. Homosexuelle „Ehen“ würden niemandem schaden und seien ein Reingewinn für die Gesellschaft. Dass die Ehe bisher immer ein Band zwischen verschiedengeschlechtlichen Partner gewesen sei, bedeute nicht, dass man diese Regelung nicht ändern und der heutigen Zeit anpassen könne.

Corvino bestreitet auch, dass homosexuelle „Ehen“ schlecht für Kinder seien, und behauptet, es gebe zur Zeit keinen Hinweis dafür, dass Kinder, die mit zwei Vätern oder zwei Müttern aufwachsen, in irgendeiner Weise benachteiligt seien.

Auch die Vorstellung, dass der Gesetzgeber mit der Anerkennung homosexueller „Ehen“ einen Präzedenzfall für andere Abänderungen des traditionellen Ehebildes, wie zum Beispiel Polygamie und Inzest, schaffen würde, lehnt Corvino ab.

Gallagher hingegen beginnt ihren Beitrag mit der Feststellung, dass die Verfechter der homosexuellen „Ehe“ in der Regel davon ausgehen, dass es keine rationalen Argumente gegen ihre Einstellung gebe und dass daher jede Ablehnung ihrer Ideen auf Bigotterie und irrationalen Hass gründen müsse.

Viele Generationen hindurch und in vielen Kulturen, argumentiert die Autorin weiter, hätten die Menschen immer geglaubt, dass der Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau ein besonderer Status zukäme. Gallagher fragt sich, ob es denn sein könne, dass dieser Glaube völlig unbegründet sei. Die Verfechter der „Homo-Ehen“ gäben vor, es ginge ihnen um Gleichberechtigung. Ihre Gegner jedoch seien der Ansicht, dass die Verhinderung der gesetzlichen Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit dem Ehestand ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Kräftigung einer Kultur sei, die Sex, Liebe, Kinder, Mütter und Väter als voneinander untrennbar betrachte.

Corvino, bemerkt Gallagher, wende den größten Teil seines Essays darauf an, die Argumente seiner Gegner zu entkräften, schreibe aber kaum ein Wort darüber, warum „Ehen“ zwischen Partnern gleichen Geschlechts nun eigentlich gut sein sollten. Im Gegensatz dazu, erklärt die Autorin, gehe es ihr hauptsächlich darum, zu zeigen, dass das traditionelle Eheverständnis rational und gerecht sei und wie homosexuelle „Ehen“ die Ehe als solche verändern würden.

Es gebe zahlreiche tiefe und wertvolle Beziehungen und Freundschaften, die weder als Ehe bezeichnet noch vom Gesetz geregelt seien, argumentiert Gallagher weiter. Aber es gebe gesellschaftliche Regeln und Gesetze, die die Ehe betreffen, weil die Ehe eben eine öffentliche Institution sei; fähig, Dinge zusammenzuhalten, die ohne sie auseinanderfallen würden.

Weder Sex noch Liebe noch Kinder; keines dieser Elemente definiere für sich allein genommen die Ehe; auf der anderen Seite gebe es viele Ehen, die nicht alle diese Elemente zusammen verwirklichen. Trotzdem beruhe die Union eines Mannes und einer Frau „auf einem tiefen menschlichen Bedürfnis, das von keiner Regierung geschaffen wurde und das keine Regierung abschaffen kann“, so Gallagher.

Wenn das Wort „Ehe“ jede Bedeutung annehmen könne, die irgendeine Personengruppe ihm geben will, dann könne es nicht mehr länger Gegenstand gemeinsamer gesellschaftlicher Definitionen sein, argumentiert Gallagher weiter. Außerdem sei es keine Diskriminierung, wenn man unterschiedliche Dinge unterschiedlich behandle.

„Ehen“ zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern würden die Ehe von der menschlichen Tatsache entfernen, dass geschlechtliche Mann-Frau-Beziehungen nun einmal anders seien als andere Arten von Beziehungen. Das Wort „Ehe“ beziehe sich nicht so sehr auf eine vom Gesetz geschaffene Realität, als vielmehr auf ein Phänomen, das unabhängig von allen Gesetzen existiere und dessen Existenz das Gesetz entweder zur Kenntnis nehmen könne oder auch nicht, mit den jeweiligen Folgen für die reale Welt.

Wenn man homosexuelle Paare von der Institution der Ehe ausschließe, dann sei das keine Diskriminierung und keine Grausamkeit, sondern lediglich die Anerkennung einer Verschiedenheit in der Art dieser Beziehungen.

Es gebe nicht viele Universalwerte, die von allen Kulturen der Erde akzeptiert seien, erklärt die Autorin; die Ehe jedoch sei einer dieser Werte und wenn es sie in so vielen unterschiedlichen Gesellschaften gebe, dann deshalb, weil sie einem Universalbedürfnis der menschlichen Natur entspreche.

Die Ehe zwischen Mann und Frau sei ein wichtiger gesellschaftlicher Wert mit einer ganzen Reihe positiver Begleiterscheinungen sowohl für die Ehepartner als auch für die Kinder, schlussfolgert Gallagher und zitiert zahlreiche Studien, die diese Behauptung untermauern.

„Unsere traditionelle Ehe ist gerecht und rational, weil sie auf tiefen und unabänderlichen Wahrheiten über die Natur der Menschen beruht“, beendet Gallagher ihre Argumentation. Im Gegensatz dazu sei die homosexuelle „Ehe“ nichts als eine Einmischung des Gesetzgebers in eine Institution, die nicht vom Gesetz geschaffen wurde; eine politische Manipulation, die nichts mit dem Wesen der Ehe zu tun habe.

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]