„Die digitale Generation“: Papst Benedikt XVI. wendet sich an Internet-Nutzer

Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel

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ROM, 23. Januar 2009 (ZENIT.org).- Die neuen digitalen Technologien sind nach Worten Benedikts XVI. ein Geschenk für die Menschheit. Daher müsse sichergestellt werden, dass die Vorteile, die sie bieten, allen Menschen und Gruppen zugute kämen, vor allem den Bedürftigen und Schwachen. Mit diesen Worten umschreibt Papst Benedikt XVI. sein Hauptanliegen zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Seine Botschaft, die heute veröffentlicht und im Vatikan vorgestellt  wurde, widmet sich dem Thema: „Neue Technologien, neue Verbindungen. Für eine Kultur des Respekts, des Dialogs, der Freundschaft".



Der Heilige Vater wendet sich in dem Schreiben besonders an die junge Generation, für die der Gebrauch des Internets mit seinen vielseitigen passiven und interaktiven Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten mittlerweile zum Alltag gehört. „Neue Technologien" heißt für den Papst „neue Beziehungen". Diese Zusammengehörigkeit ist es, die der Papst in seiner Botschaft entfaltet und dabei über Licht- und Schattenseiten des weltumspannenden Kommunikationsnetzes sowie über das außerordentliche Potential spricht, das den neuen Technologien innewohnt, wenn sie dazu benutzt werden, Verständnis und Solidarität unter den Menschen zu fördern. Gleichzeitig warnt Benedikt XVI. vor der Gefahr, Worte und Bilder austauschen, die für den Menschen entwürdigend sind. Es müsse all das ausgeschlossen werden, „was Hass und Intoleranz nährt, die Schönheit und Intimität der menschlichen Sexualität herabsetzt oder die Schwachen und Schutzlosen ausbeutet".

Die Analyse des Bischof von Rom geht von den positiven Aspekten der digitalen Welt und der Verantwortung aus, die dessen Nutzung mit sich bringt. Der Papst ermutigt alle Menschen guten Willens, die in der aufstrebenden Welt der digitalen Kommunikation aktiv tätig sind, sich für eine Kultur des Respekts, des Dialogs und der Freundschaft einzusetzen.

Positiv wertet der Papst in diesem Zusammenhang gerade die Tatsache, „dass neue digitale Netze entstehen, die die zwischenmenschliche Solidarität, den Frieden und die Gerechtigkeit, die Menschenrechte sowie die Achtung vor dem Leben und dem Gut der Schöpfung zu fördern suchen". Diese neuen Netze könnten Formen der Zusammenarbeit unter Völkern verschiedener geographischer und kultureller Gegebenheiten erleichtern und es ihnen ermöglichen, das gemeinsame Menschsein und das Bewusstsein für die Mitverantwortung am Wohl aller Menschen zu vertiefen.

Schwerer Schaden für die Zukunft jedoch entstehe dann, wenn die neuen Instrumente der Kommunikation, die es möglich machen, Wissen und Informationen schneller und wirksamer zu teilen, nicht für jene zugänglich gemacht würden, die schon ökonomisch und sozial am Rande stehen, oder nur dazu beitrügen, die Kluft zu vergrößern, die die Armen von den neuen Netzen trennt, die sich im Dienst der Information und der menschlichen Sozialisierung gerade entwickeln.

Ein weiteres Kapitel widmet der Heilige Vater den jungen Generationen, denen es heute möglich ist, über den Zugang zu Mobiltelefonen und Computern in Verbindung mit der globalen Reichweite und engmaschigen Verbreitung des Internets eine Vielzahl von Wegen zu nutzen, durch die es möglich ist, Worte und Bilder sofort in die abgeschiedensten Winkel der Welt zu schicken: „Diese Möglichkeit war für die früheren Generationen undenkbar." Gleichzeitig führe das Internet so zu einer „neuen Kommunikationskultur". Papst Benedikt fügte hinzu: „Dieses Verlangen nach Kommunikation und Freundschaft hat seine Wurzel in unserem menschlichen Wesen und darf nicht nur als Antwort auf technologische Innovationen verstanden werden. Im Licht der biblischen Botschaft muss dieser Wunsch vielmehr als Ausdruck unserer Teilhabe an der Liebe Gottes verstanden werden, die sich mitteilt und zur Einheit führt und aus der ganzen Menschheit eine einzige Familie machen will."

Benedikt XVI. verweist auch auf einige Gefahren: „Man darf sich nicht täuschen lassen von denen, die einfach Konsumenten auf einem Markt undifferenzierter Möglichkeiten suchen, wo die Entscheidung selbst das Gute ist, die Neuigkeit als Schönheit ausgegeben wird und die subjektive Erfahrung die Wahrheit ersetzt." Ebenso eindeutig warnt der Papst vor allem die jungen Menschen, „den Begriff und die Erfahrung der Freundschaft nicht zu banalisieren." Der Begriff der Freundschaft habe im Vokabular der digitalen sozialen Netze, die in den letzten Jahren entstanden sind, eine neue Blüte erlebt.

Es wäre aber traurig, so der Heilige Vater, wenn der Wunsch, Freundschaften „online" zu fördern und zu unterhalten, sich auf Kosten der Verfügbarkeit für die Familie, für die Nachbarn und für diejenigen, denen wir im Alltag am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Freizeit begegnen, verwirklichte. Wenn der Wunsch nach virtuellem Anschluss obsessiv wird, dann wirkt sich dies tatsächlich dahingehend aus, dass sich der Mensch isoliert, indem er die wirkliche soziale Interaktion abbricht. Das führt schließlich auch zu Störungen im Hinblick auf die Art und Weise der Erholung, der Stille und des Nachdenkens, die für eine gesunde menschliche Entwicklung nötig sind.

Einen letzten Appell richtet Benedikt XVI. in seiner Botschaft an die jungen Katholiken. Das Netz sei ein weiter „digitaler Kontinent". Auf diesem Kontinent komme besonders den jungen Katholiken die Aufgabe dessen Evangelisierung zu. Damit dies geschehen kann, bietet der Papst ein eindrucksvolles Bild zur Betrachtung: „Wie damals die Evangelisierung, um fruchtbringend zu sein, das aufmerksame Verständnis für die Kultur und die Sitten jener heidnischen Völker verlangte mit dem Ziel, Herz und Sinn dieser Völker zu erreichen, so setzt heute die Verkündigung Christi in der Welt der neuen Technologien deren vertiefte Kenntnis für einen entsprechenden angemessenen Gebrauch voraus."