Die Diözese im Nahen Osten und in der Welt

Msgr. Shomali, Weihbischof in Jerusalem und Palästina, erinnert an den WJT in Rio

Jerusalem, (Lateinisches Patriarchat) | 401 klicks

„Die Copacabana hat noch nie eine so große, friedliche, fröhliche, zusammengeschweißte Menge gesehen, um eine bessere Welt zu schaffen“, sagte am 30. Juli S.E. Joao Orani Tempesta, Erzbischof von Rio de Janeiro, während einer Pressekonferenz zur Bestandsaufnahme des Welt-Jugend-Tages, der am 28. Juli geendet hatte. 3,7 Millionen begeisterte Menschen besuchten die Abschluss-Messe des WJT in Rio. Unter ihnen waren 120 junge Menschen aus dem Heiligen Land, begleitet – zusammen mit anderen Priestern – von William Shomali, Weihbischof in Jerusalem und Palästina. „Es war eine wundervolle Erfahrung, die echte und authentische Katholizität der Kirche“, sagte der Bischof, mit dem wir folgendes Interview führten:

Was ist der Unterschied zwischen dem WJT und dem alltäglichen Leben?

Ich kann ihnen ein Beispiel geben: die Erfahrung in Rio ist vergleichbar mit der Zeit von Peter, Jakobus und Johannes am Berg Tabor, an einem Ort also, an dem wir dazu aufgerufen sind, ein glorreiches Geheimnis, das wir stets benötigen, zu erleben. Vom Berg Tabor müssen die Jugendlichen nun ins Tal hinabsteigen, in ihre Familien, in ihre Schulen, zu ihren Treffpunkten. Es besteht die Gefahr, dass nach der Rückkehr in den Alltag, das Erlebnis in Rio nur eine schöne Erinnerung bleibt. Ihre Aufgabe aber ist, das, was sie zusammen mit Millionen von anderen jungen Menschen erlebt haben, mit Freude zu verkünden und weiterzugeben.

Was werden sie vor allem in den Pfarreien tun können?

Zunächst einmal die Predigten, die der Papst bei den verschiedenen Momenten des WJT gehalten hat, mit Ruhe und Aufmerksamkeit lesen. Vor allem die Meditationen des Papstes dürfen nicht nur von den Jugendlichen aufgenommen werden. Alle müssen diese vertiefen, denn sie sind ein Schatz für die ganze Kirche. Dabei darf man auch die Katechesen der verschiedenen anwesenden Bischöfe in ihrer Muttersprache nicht vernachlässigen. Es waren drei Tage, die drei Katechesen gewidmet waren: der erste Tag über den Durst und das Bedürfnis des Menschen nach Gott, die nur Er erfüllen kann. Der zweite Tag war der Forderung, Jünger Christi zu sein, gewidmet. Der dritte der missionarischen Berufung. Wir sind dazu aufgerufen, das, was wir vom Herrn empfangen haben, weiter zu geben.

Wie soll man bei der Arbeit, in der Schule evangelisieren...

Dazu gibt es keine Formeln. Wesentlich ist das Zeugnisablegen. Zeugnisablegen vom eigenen Glauben, mit Nächstenliebe, mit einfachen Gesten, für seinen eigenen Bruder, seine eigene Schwester, ob sie nun Christen, Muslime oder Juden sind. Jesus heilte die Kranken, vermehrte das Brot, trieb die Dämonen aus. Die Menschen hörten ihm zu. Sie folgten ihm. Sie vertrauten ihm. Wenn das Handeln eines Menschen, mit dem übereinstimmt, was er sagt und tut, dann sind die anderen bereit, ihm zuzuhören. Wie Papst Franziskus es tut. Noch bevor er spricht, handelt er. Wenn er zur Armut aufruft, dann tut er dies, da er selbst in Armut gelebt hat.

Welcher Teil der Predigt des Papstes am Strand der Copacabana hat sie am meisten beeindruckt?

Papst Franziskus hat spontan, ohne seinem Text zu folgen, folgendes gesagt: „Um das Böse und die Gewalt zu beseitigen und zu zerstören; um die Barrieren des Egoismus nieder zu reißen, Intoleranz und Hass zu brechen; um eine neue Welt zu schaffen; Jesus Christus zählt auf euch, die Kirche zählt auf euch, der Papst zählt auf euch. Geht hinaus und macht zu Jüngern alle Völker.“ Papst Franziskus fordert dazu auf, aus sich heraus zu gehen, in die Peripherien, die Peripherien der ganzen Welt zu gehen, auch in die äußersten. Habt keine Angst. Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen, wir müssen ihnen entgegengehen.

Wird es nach dem WJT auch zu Veränderungen bzgl. der Berufungen kommen?

Viele Leute kommen von diesem großen Ereignis wirklich verändert zurück. In unserer Gruppe entdeckte ich zwei junge Männer, die bereits an ein priesterliches Leben gedacht hatten. Natürlich liegt es in unserer Verantwortung, sie nicht zu vernachlässigen. Der Same braucht Zeit, um aufzugehen. Es sollte auch gesagt werden, dass viele Berufungen vor allem in den Familien, den Gemeinde entstehen. Der Selige Johannes XXIII pflegte zu sagen, dass die Kirchengemeinde der Brunnen zum Wasserschöpfen sei.

Interview mit Nicola Scopelliti

(Das Interview wurde dem Newsletter des Lateinischen Patriarchates von Jerusalem, „Jerusalem - Das Heilige Land lieben und diese Liebe weitergeben“, Nr. 25, September 2013, S. 5, entnommen)