Die drei Enzykliken: die meist gelesenen Schriften Benedikts XVI.

Der Soziologe Massimo Introvigne stellt in Turin eine Untersuchung des CESNUR über das Erbe des emeritierten Papstes vor

Rom, (ZENIT.org) | 550 klicks

Benedikt XVI. verfasste viele Schriften von großer theologischer Bedeutung: wurden sie gelesen? Die Frage beantwortet eine Untersuchung des CESNUR (Centro Studi sulle Nuove Religioni – Studienzentrum für neue Religionen), die der Direktor, der Soziologe Massimo Introvigne, heute auf der Terrazza Solferino (Via Bertolotti 7, 21.00 Uhr) in Turin zusammen mit seinem Buch „L'eredità di Benedetto XVI. Quello che Papa Ratzinger lascia al suo successore Francesco – Das Erbe Benedikts XVI. Das Vermächtnis Papst Ratzingers an seinen Nachfolger Franziskus“ (Sugarco, Mailand 2013) vorstellt; in dem Buch wird eine erste Bilanz des Vermächtnisses des deutschen Papstes gezogen.

„Die Untersuchung“, erklärt Introvigne, „wurde mit über 500 Befragten durchgeführt. Die „aktiven Katholiken“ wurden mit dem CAWI–System (Computer Assisted Web Interview) und mit Hilfe der sozialen Netzwerke interviewt. Unter „aktiven Katholiken“ verstehen wir Personen, die katholischen Gruppen oder Bewegungen angehören oder Online-Gemeinschaften angeschlossen sind, die sich vor allem für das Leben der Kirche interessieren. Die Untersuchung schließt folglich nur Katholiken ein, die über die Sonntagsmesse hinaus engagiert sind.“

Die Ergebnisse? „Das meist gelesene Dokument der „aktiven Katholiken“ ist die erste Enzyklika Benedikts XVI., „Deus Caritas est“, aus dem Jahr 2005. Förderlich war sicherlich, dass es sich um die erste Schrift des neuen Papstes im Jahr 2005 handelte: 71,4% der Befragten gaben an, die Enzyklika gelesen zu haben. An zweiter Stelle folgt die Sozialenzyklika „Caritas in veritate“(64,8%). Drittplaziert hat sich die Enzyklika über die Hoffnung und Geschichte aus dem Jahr 2007, „Spe salvi“(61,8%). Gut die Hälfte der Befragten (50,6%) hat wenigstens teilweise die Bände der Trilogie „Jesus von Nazareth“ gelesen. Negativ fallen die Ergebnisse – in einigen Fällen weit unter der Hälfte der Befragten – für die anderen maßgeblichen Dokumente aus: Dazu zählen das motu proprio„Summorum Pontificum“(44,6%) zur Liturgie, das die traditionelle Messe in lateinischer Sprache freigibt, der Brief zum „Jahr des Glaubens“, „Porta fidei“ (43,9%), die Weihnachtsansprachen vor der römischen Kurie (35,2%) – denen Benedikt XVI. große Bedeutung beimaß -, die Botschaften für die Welttage des Friedens (33,7%), die Ansprachen bei den Mittwochsaudienzen (30,4%) und anlässlich der Reisen (25,6%). Wenig gelesen ist das längste Dokument Papst Ratzingers„Verbum Domini“ (27,8%), eine Exhoration zum Wort Gottes.

Welche Schlüsse lassen sich aus dieser Untersuchung ziehen? „Ich unterstreiche“, erklärt Introvigne, „den Umstand, dass die Interviewten „aktive Katholiken“ sind, die die Kirchenangelegenheiten mit besonderem Interesse verfolgen. Die Enzykliken haben viele Leser gefunden, auch wenn ungefähr vier von zehn Katholiken keinen ausschlaggebenden Text, wie „Spe Salvi“, gelesen haben, um das Amtsverständnis Papst Ratzingers zu zu ergründen. Die Bücher über Jesus verzeichnen einen diskreten Erfolg. Es bleibt festzuhalten, dass auch aus der Elite der aktiven Katholiken weniger als die Hälfte das Amt Benedikts XVI. mit einer gewissen Regelmäßigkeit verfolgte. Einige Dokumente von großer Bedeutung wurden nur von einer Minderheit auch der aufmerksamsten Katholiken gelesen.“ „Eine interessante Information, die die Umfrage ergeben hat“, fährt Introvigne fort- „ist die Rolle dreier besonderer Medien: der Online-Tageszeitung „La Bussola Quotidiana“, nun „La Nuova Bussola Quotidiana“, der Monatszeitung „Il Timone“und „Radio Marias“. Die Kommentare und Zusammenfassungen der Medien zu den Ansprachen während der Reisen und den Mittwochsaudienzen verfolgte rund ein Drittel der Befragten, auch wenn sie sie nicht direkt gelesen haben. Die auf „das Papstamt spezialisierten“ Medien sind ein typisch italienisches Phänomen, im Wachstum begriffen und sehr wichtig, da sie teilweise das Fehlen des Direktkontakts kompensieren. Sicher zeigt die Umfrage, dass noch viel zu tun ist, um das Papstamt auch den treuesten und entschiedensten Katholiken nahezubringen.“