Die drei Hinweise, an denen wir erkennen, ob wir die Eucharistie richtig erleben

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 763 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.15 Uhr auf dem Petersplatz, wo Papst Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache setzte der Papst den Zyklus seiner Katechesen über die Sakramente fort, indem er wieder über die Eucharistie sprach.

Nach einer Zusammenfassung der Katechese in verschiedenen Sprachen richtete der Heilige Vater einige Grußworte an die verschiedenen anwesenden Gruppen von Pilgern und Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunsers und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In meiner letzten Katechese habe ich darauf hingewiesen, dass die Eucharistie uns in die reale Gemeinschaft mit Jesus und seinem Mysterium einführt. Jetzt können wir uns einige Fragen stellen zum Verhältnis zwischen der Eucharistie, die wir feiern, und unserem Leben als Einzelmenschen und als Kirche. Wir wollen uns fragen: Wie erleben wir die Eucharistie? Wenn wir am Sonntag die heilige Messe besuchen, wie erleben wir sie da? Ist sie für uns nur ein feierlicher Augenblick, eine gefestigte Tradition, eine Gelegenheit, um uns wiederzufinden und mit unserem Gewissen ins Reine zu kommen, oder ist sie etwas mehr?

Es gibt einige sehr konkrete Anzeichen, an denen wir erkennen können, wie wir die Eucharistie erleben; Hinweise, die uns zeigen, ob wir die Eucharistie richtig leben oder nicht. Ein erster Hinweis ist die Art, wie wir unsere Mitmenschen betrachten. In der Eucharistie erneuert Christus immer wieder die Opfergabe seiner selbst am Kreuz. Sein ganzes Leben ist ein Akt bedingungsloser Selbstschenkung aus Liebe; deshalb liebte er es auch, mit den Jüngern und mit allen Menschen zu sein, die er Gelegenheit hatte kennenzulernen. Für ihn bedeutete das auch, an ihren Wünschen und Sorgen Anteil zu nehmen. Wenn wir heute zur Messe gehen, finden wir uns mit Menschen aller Art zusammen: Männer und Frauen, Alte und Junge, Kinder, Arme und Reiche, Ortsansässige und Fremde, Menschen, die alleine und solche, die mit ihren Familien gekommen sind… Bewirkt die Eucharistiefeier, an der ich teilnehme, dass ich sie alle, ohne Ausnahme, als meine Brüder und Schwestern empfinde? Lässt die Eucharistie in mir die Fähigkeit wachsen, mich mit denen zu freuen, die froh sind, und mit denen zu trauern, die Kummer haben? Erweckt sie in mir den Drang, auf die Armen, Kranken und Ausgegrenzten zuzugehen? Hilft sie mir, in ihnen das Antlitz Jesu zu erkennen? Wir alle gehen in die Messe, weil wir Jesus lieben und durch die Eucharistie an seiner Passion und seiner Auferstehung teilnehmen wollen. Doch lieben wir auch, wie Jesus es will, unsere bedürftigen Brüder und Schwestern? Ein Beispiel: In Rom haben wir in diesen Tagen einige soziale Spannungen erlebt, deren Ursache zum Teil in den Unwetterschäden liegt, die ganze Viertel getroffen haben, und zum Teil in der gestiegenen Arbeitslosigkeit, die eine Folge der weltweiten Wirtschaftskrise ist. Ich frage mich, und jeder von uns sollte sich diese Frage stellen: Wie erlebe ich, der ich an der Messe teilnehme, diese Dinge? Bemühe ich mich zu helfen; gehe ich auf die Menschen zu, die mit diesen Problemen zu kämpfen haben, und bete ich für sie? Oder lässt mich das alles etwas kalt? Ist meine einzige Sorge nach der Messe, am Klatsch teilzunehmen: Hast du gesehen, wie die oder der sich kleidet? Manchmal ist es das, was wir nach der Messe tun, und das sollte man nicht! Unsere Gedanken müssen unseren Brüdern und Schwestern gelten, die aufgrund einer Krankheit oder eines Problems in Not sind. Es wird uns heute gut tun, an diese Brüder und Schwestern zu denken, die hier in Rom Probleme haben: Probleme wegen der Unwetterschäden oder weil sie ihre Arbeit verloren haben. Lasst uns Jesus, den wir in der Eucharistie empfangen, bitten, dass er uns helfe, ihnen zu helfen.

Ein zweiter sehr wichtiger Hinweis ist die Gnade zu spüren, dass uns vergeben worden ist und dass wir selber bereit sind zu vergeben. Manchmal hört man die Frage: „Wozu soll ich zur Messe gehen, wenn die, die regelmäßig an der Messe teilnehmen, genauso Sünder sind wie alle anderen auch?“ Wie oft haben wir das gehört! In Wirklichkeit ist es so, dass die, die an der Eucharistiefeier teilnehmen, es nicht etwa deshalb tun, weil sie sich für besser halten oder besser erscheinen möchten als andere, sondern gerade weil sie erkennen, dass sie der Barmherzigkeit Gottes bedürfen, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. Wer von uns nicht meint, diese Barmherzigkeit dringend zu brauchen, wer sich nicht für einen Sünder hält, der täte gut daran, nicht zur Messe zu gehen! Wir gehen zur Messe, weil wir Sünder sind und uns nach der Vergebung Gottes sehnen und an der Erlösung Jesu, an seiner Vergebung teilhaben wollen. Wenn wir zu Beginn der Messe unser Schuldbekenntnis sprechen, dann ist das keine Formsache, sondern ein echter Akt der Buße! Ich bin ein Sünder und bekenne es: So beginnt die Messe! Wir dürfen nie vergessen, dass das letzte Abendmahl Jesu „in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde“ (1 Kor 11,23), stattfand. In jenem Brot und jenem Wein, die wir darbringen und um die herum wir uns versammeln, erneuert sich jedes Mal das Opfer des Leibes und Bluts Christi zur Vergebung unserer Sünden. Wir müssen demütig zur Messe gehen, als Sünder, und der Herr wird uns vergeben.

Ein letzter kostbarer Hinweis kommt uns vom Vergleich zwischen der Eucharistiefeier und dem Leben unserer christlichen Gemeinden. Wir dürfen nie vergessen, dass nicht wir es sind, die die Eucharistie schaffen; sie ist nicht eine Gedächtnisfeier dessen, was Jesus gesagt und getan hat. Nein. Sie ist wirklich ein gegenwärtiges Wirken Christi! Christus wirkt und ist am Altar anwesend. Die Eucharistie ist eine Gabe Christi, der sich gegenwärtig macht und uns um sich herum versammelt, um uns mit seinem Wort und seinem Leben zu nähren. Das bedeutet, dass die Mission und selbst die Identität der Kirche dort entspringen, in der Eucharistie, und immer von dort aus ihre Gestalt annehmen. Eine Messfeier kann rein äußerlich tadellos, vollkommen und sehr schön sein, doch wenn sie uns nicht zur Begegnung mit Jesus Christus führt, bringt sie unserem Herzen und unserem Leben nicht die geringste Nahrung.

Das Herz füllt sich mit Vertrauen und Hoffnung, wenn wir an die Worte Jesu denken, die wir im Evangelium lesen: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,54). Lasst uns die Eucharistie im Geist des Glaubens, des Gebets, der Vergebung, der Buße, der gemeinschaftlichen Freude, der Sorge um die Notleidenden und der Hilfsbereitschaft gegenüber unseren Brüdern und Schwestern erleben, in der Gewissheit, dass der Herr uns schenken wird, was er versprochen hat: das ewige Leben. Amen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]