Die drei Weihnachtsmessen

Vigil in Betlehem, Prozession nach Jerusalem und die hl. Anastasia

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 381 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Wie, wann und wo entstand die Tradition der Christmette (Mitternachtsmesse zu Weihnachten)? -- F.S., Columbus, Ohio (USA)

P. Edward McNamara: Wie bei vielen liturgischen Bräuchen ist der Ursprung der drei Weihnachtsmessen (um Mitternacht, am frühen Morgen, am Tag) nicht ganz klar.

Als liturgisches Fest fällt Weihnachten jedes Jahr auf den 25. Dezember. Das Fest entstand in Rom, etwa um das Jahr 330 – möglicherweise genau in diesem Jahr. Sehr wahrscheinlich wurde das Fest zum ersten Mal in der konstantinischen Petersbasilika gefeiert, als diese gerade fertiggestellt war.

Von Rom aus hat sich die Weihnachtsfeier dann langsam in den östlichen Provinzen des Römischen Reiches verbreitet und wurde so Schritt für Schritt in den liturgischen Kalender der wichtigsten Teilkirchen aufgenommen. Einige Ostkirchen feierten die Geburt Christi am 6. Januar – dem Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) – und haben diesem Datum, auch nachdem sie den 25. Dezember akzeptiert hatten, weiterhin größere Bedeutung beigemessen.

Im Laufe der Jahre hatte nun die Kirche in Jerusalem einige besondere Gewohnheiten entwickelt.

Egeria, eine Frau, die über einen langen Zeitraum als Pilgerin das Heilige Land bereiste (381 – 384), hat in ihrem Itinerarium beschrieben, wie die Christen Jerusalems das Weihnachtsgeheimnis am 6. Januar in Betlehem mit einer Mitternachtsvigil begannen und von dort mit Fackeln in einer Prozession nach Jerusalem zogen, wo sie am frühen Morgen in der Auferstehungskirche (auf Griechisch „anastasis“) endete.

50 Jahre später beschloss Papst Sixtus III. in Rom (432-440), zu Ehren der Gottesmutterschaft Mariens, die vom Konzil von Ephesus (431) verkündet worden war, auf dem Esquilin die große Basilika Santa Maria Maggiore zu erbauen.

Außerdem ließ Sixtus III. eine Kapelle konstruieren, die eine Nachempfindung der Grotte von Betlehem ist (im VII. Jahrhundert wurden die Krippen-Reliquien, die bis dahin in der Basilika Santa Maria Maggiore aufbewahrt worden waren, dorthin überführt). Wahrscheinlich in Anlehnung an den Brauch der Vigil, die man in Betlehem um Mitternacht feierte, schuf Papst Sixtus III. selbst die Tradition, in der Kapelle der „Geburtsgrotte“ eine Mitternachtsmesse zu feiern.

In Rom bestand schon der Brauch, das Gedächtnis wichtiger Feste mit zwei verschiedenen liturgischen Feiern zu begehen – mit einer ersten, die in der Nacht stattfand sowie einer zweiten, die beim Morgengrauen gefeiert wurde. Man kann sich leicht vorstellen, wie das einfache Fest, das von Papst Sixtus III. in der Basilika Santa Maria Maggiore initiiert worden war, an Bedeutung gewann und sich entwickelt haben muss. Der erste Schritt in diese Richtung bestand darin, dass die älteste Weihnachtsliturgie – jene, die in der Petersbasilika gefeiert wurde, – auch in Santa Maria Maggiore begangen wurde.

Ein weiterer Schritt folgte um das Jahr 550. Etwas vor Morgengrauen feierten der Papst und einige Kurienmitglieder eine zweite Messe in der am Fuß des Palatinhügels gelegenen Kirche von Sant’ Anastasia.

Anfangs wurde diese Feier aufgrund der Tatsache begangen, dass auch das Gedächtnis der hl. Anastasia auf den 25 Dezember fiel, was also nichts mit Weihnachten zu tun hatte. Später wurde sie jedoch in eine zweite Weihnachtsmesse verwandelt – wahrscheinlich aufgrund des Brauchs der Frühmorgenmesse in der Auferstehungskirche in Jerusalem und wegen der Ähnlichkeit des Namens Anastasia mit „anastasis“ (Auferstehung).

Nach dieser Messe, die einen fast privaten Charakter besaß, begab sich der Papst direkt in die Petersbasilika, wo eine große Schar von Gläubigen auf die Feier der Liturgie am Morgengrauen des Weihnachtstages wartete. Dieser Brauch wurde zumindest bis in die Zeiten Papst Gregor VII. beibehalten (gestorben 1085).

Anfangs war das Privileg, an Weihnachten drei hl. Messen zu feiern den Päpsten vorbehalten. Das erste Zeugnis, dass ein einzelner Priester die drei Messen gefeiert hat, ist uns von der berühmten Abtei in Cluny, Frankreich, überliefert – ein Zeugnis, das von vor 1156 stammt.

Alle Priester dürfen sich aber bis heute noch dieses Privileg zunutze machen und an Weihnachten drei Messen feiern, wobei sie die genauen Zeiten einhalten müssen. Die erste Messe wird zu Mitternacht oder nahe um Mitternacht gefeiert (die Messfeier am Heiligabend, dem 24. Dezember, zählt nicht als erste dieser drei Messen), die zweite beim Morgengrauen des 25. Dezembers und die dritte im Laufe des Tages.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem italienischen Artikel http://www.zenit.org/it/articles/le-tre-messe-del-natale