Die Einheit der Christen als Antwort auf die spirituelle Armut unserer Zeit

Möge das Jahr des Glaubens ein Beitrag zum Fortschritt des Ökumenismus werden

| 1289 klicks

Von Salvatore Cernuzio

VATIKANSTADT, 16. November 2012 (ZENIT.org).- „Ein authentischer Weg der Ökumene kann nicht gegangen werden, wenn die in weiten Teilen der Erde herrschende Glaubenskrise ignoriert wird, von der auch jene Regionen betroffen sind, die die Verkündigung des Evangeliums zuerst aufnahmen und in denen das christliche Leben jahrhundertelang blühte”.

Diese Botschaft richtete Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer an der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, die er am Vormittag des 15. November 2012 in Audienz empfangen hatte.

Der Papst betonte, dass zugleich viele Zeichen auf ein Fortbestehen des Bedürfnisses nach Spiritualität hindeuten. Laut Benedikt XVI.  seien diese Zeichen vielgestaltig und können daher nicht außer Acht gelassen werden.

Den Anlass für seinen Appell lieferte dem Papst das Thema der Vollversammlung des Dikasteriums: „L’importanza dell’ecumenismo per la nuova evangelizzazione” (Die Bedeutung der Ökumene für die Neuevangelisierung). Dem Papst zufolge stehe diese Wahl im Einklang mit den Ergebnissen der jüngsten Bischofssynode und füge sich sehr gut in den Kontext des Jahres des Glaubens ein.

Die vom Heiligen Vater angesprochene spirituelle Armut, die darin bestehe, dass „das Fehlen von Gott im eigenen Leben nicht mehr als Mangel wahrgenommen wird” stellt alle Christen daher vor folgende Aufgabe: „Zeugnis für den lebendigen Gott abzulegen”

Der Heilige Vater betonte, dass vor diesem Hintergrund folgende Forderung für an Christus Glaubende entstehe: „Die Rückkehr  zum Wesentlichen, zum Herzen unseres Glaubens, um gemeinsam das Zeugnis jenes lebendigen Gottes in der Welt abzulegen, der uns kennt und der uns liebt, in dessen Blick wir leben und der Tag für Tag auf die Antwort unserer Liebe im Alltag wartet”.

Aus diesem Grund werde der Einsatz der Kirchen und der kirchlichen Gemeinden für eine erneuerte Verkündigung des Evangeliums für den Menschen der Gegenwart zu einem Grund der Hoffnung. Diesen Einsatz bezeichnete der Heilige Vater als „Notwendigkeit, die uns trotz der nach wie vor unvollkommenen Einheit der Kirche vereint”,  und die sogar die „dringlichste Notwendigkeit” für das christliche Volk darstelle.  

Eine sichtbare Einheit zwischen gespaltenen Christen sei nicht nur die wichtigste Grundlage für die Evangelisierung, sondern das Ziel der Ökumene. Auf das Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio” bezugnehmend, rief der Papst folgendes in Erinnerung: „die Spaltung zwischen den Christen steht im offenen Widerspruch zum Willen Christi. Sie ist ein Stein des Anstoßes in der Welt und fügt der heiligen Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums für alle Geschöpfe Schaden zu”.  

Laut dem Papst sei die Einheit jedoch kein Werk, das von uns Menschen leicht verrichtet werden kann, sondern ein Geschenk Gottes. Dieses könne allein vom Vater stammen und durch den Sohn zu uns gelangen.

In diesem Lichte fügte der Papst folgenden Hinweis hinzu: „Der gemeinsame Weg zu diesem Ziel ist unter der Voraussetzung zu begrüßen, dass die Kirchen und kirchlichen Gemeinden auf dem Weg nicht innehalten und die im Widerspruch stehenden Unterschiede als Normalität oder das bestmögliche Ergebnis akzeptieren”.   

Allein durch jene menschlich unerklärliche Einheit der Jünger Jesu, die sich in der vollen Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und der Sendung vewirklicht, offenbare sich das Wirken Gottes, das stärker sei als die der Welt immanenten Zerfallskräfte.

Abschließend formulierte der Heilige Vater folgenden Wunsch: „Möge das Jahr des Glaubens auch ein Beitrag zum Fortschritt auf dem ökumenischen Weg sein”. Als Voraussetzungen dafür nannte er „Geduld, Demut und Hingabe an den Willen des Herrn”. Laut dem Papst sei für diese drei Eigenschaften wie auch für die Neuevangelisierung die Bewegung der Umkehr als “aufrichtiger Willen zur Nachfolge Christi und vollkommene Zustimmung zum Willen des Vaters” erforderlich. 

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]