Die Einheit mit den anglikanischen Christen

Wege der neuen Apostolischen Konstitution

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ROM, 20. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Bereits vor ungefähr eineinhalb Jahren war ein Schreiben des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal William J. Levada, an den Erzbischof der „Traditional Anglican Communion“ (TAC), John Hepworth, bekanntgeworden. Die TAC wird von der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft nicht anerkannt. Sie entstand 1991 in den USA und hat heute Mitgliedskirchen in zwölf Ländern. Die „Traditional Anglican Communion“ 400.000 Mitglieder.

In dem Schreiben an Hepworth hatte Levada erklärt, der Vatikan prüfe Einigungswege für traditionsorientierte Anglikaner. Die Kongregation für die Glaubenslehre lege ihr Augenmerk auf eine „corporate unity“ mit der „Traditional Anglican Communion“.

Anlass für die Abwendung vieler Anglikaner von ihren Kirchenleitungen war die Einführung weiblicher Bischöfe in mehreren Ländern sowie die Weihe des „bekennenden“ Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof der anglikanischen US-Diözese New Hampshire. Beides war bei traditionsorientierten Anglikanern auf heftigen Widerstand gestoßen. Seither wurden Wege für eine neue Eingliederung in die katholischen Kirche gesucht.

Hepworth hatte zusammen mit anderen Vertretern der TAC im Oktober 2007 die Kongregation für die Glaubenslehre aufgesucht. Kardinal Levada bestätigte in seinem Schreiben vom Vorjahr, dass seine Kongregation die damals vorgebrachten Vorschläge untersuche. Die Situation der anglikanischen Gemeinschaft sei in den vergangenen Monaten komplexer denn je geworden, so Levada damals in dem vom Empfänger veröffentlichten Brief.

Bisher waren Übertritte zur katholischen Kirche in der Regel nur einzeln, nicht aber für Gruppen oder Gemeinden möglich. Es wird interessant sein, zu welchen Neuerungen im konkreten Leben der Gemeinden die durch die Apostolische Konstitution ermöglichte Präsenz anglikanischer Elemente in katholischen Gottesdiensten führen wird.

Als weiteres muss auf die Dimension des ökumenischen Vorganges verwiesen werden. Die Apostolische Konstitution wendet sich nicht allein an die Gruppe, die zu den hauptsächlichen Triebfedern des Prozesses gehörte, sondern an alle anglikanischen Gläubigen und Kleriker, die als Gruppe Teil der katholischen Kirche in sichtbarer Einheit sein wollen.

Erste Reaktionen aus der anglikanischen Welt zeigen sich dankbar für die Initiative des Papstes zur Wiederherstellung der vollen Einheit der Kirche. „Forward in Faith“, die wichtigste anglo-katholische Vereinigung, schließt in der ganzen Welt die traditionellen Anglikaner zusammen, die den jüngsten Entwicklungen in der anglikanischen Kirche nicht zustimmen können. Allein in Grossbritanien gehören zu dieser Vereinigung über 1600 Pfarreien.

Bischof John Fulham erklärte in einem Kommuniqué, dass es der oftmals zum Ausdruck gebrachte und sehnsüchtige Wunsch der Anglo-Katholiken gewesen sei, in die volle Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri zu treten und dabei ihre eigene Identität in jedem Aspekt ihres anglikanischen Erbes bewahren zu können, der nicht in Widerspruch mit der Lehre der katholischen Kirche steht. Die neue Struktur innerhalb der Kirche, die der Papst einrichten wird, entspreche diesem Wunsch. Die Anglo-Katholiken begrüßten diese Initiative mit Begeisterung.