Die Engel, Botschafter und Zeichen der Gegenwart Gottes

Papst Benedikt XVI.: „Bitten wir sie oft um Hilfe!"

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ROM, 2. März 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, am ersten Fastensonntag, beim Angelus-Gebet gehalten hat. Der Heilige Vater betrachtete das Sonntagsevangelium und machte die Gläubigen darauf aufmerksam, dass die Engel große Helfer sind. Gerade in Zeiten der Versuchungen unterstützten sie die Gläubigen in ihrem Bemühen, Jesus Christus entschlossen nachzufolgen.

Zur Fastenzeit erklärte Papst Benedikt XVI.: „Die Entbehrungen der Wüste öffnen den Blick für das Wesentliche. Was zählt und unser Leben trägt, ist die Bindung an Gott. Die Umkehr, die Hinwendung zu Gott und der Glaube sind Geschenk seiner Gnade und zugleich Aufgabe. Gerade in dieser heiligen Zeit wollen wir unser Leben neu im Herrn festmachen."

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Liebe Brüder und Schwestern!

Heute ist der erste Fastensonntag, und mit dem nüchternen und prägnanten Stil des heiligen Markus führt uns das Evangelium in die Atmosphäre dieser liturgischen Zeit ein: „Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt" (Mk 1,12-13). Im Heiligen Land befindet sich westlich des Flusses Jordan und der Oase von Jericho die Wüste von Juda, die über steinige Täler und einen Höhenunterschied von ungefähr 1.000 Metern hinweg bis nach Jerusalem hinaufreicht. Nachdem Jesus von Johannes getauft worden war, ging er in jene Einsamkeit, in die ihn der Heilige Geist führte, der auf ihn herabgekommen war, der ihn geweiht und als Sohn Gottes offenbart hatte. In der Wüste, dem Ort der Prüfung, wie die Erfahrung des Volkes Israel zeigt, tritt in ihrer lebendigen Dramatik die Wirklichkeit der „kenosis" hervor, der Entäußerung Christi, der sich der Gestalt Gottes entkleidet hat (vgl. Phil 2,6-7). Er, der nicht gesündigt hat und nicht sündigen kann, unterzieht sich der Prüfung und kann daher mit unserer Schwäche mitfühlen (vgl. Heb 4,15). Er lässt sich vom Satan in Versuchung führen, dem Gegenspieler, der sich von Anfang an dem Heilsplan widersetzt, den Gott für den Menschen entworfen hat.

Neben dieser dunklen und finsteren Gestalt, die es wagt, den Herrn in Versuchung zu führen, erscheinen - in der kurzen Erzählung praktisch nur andeutungsweise - die Engel, leuchtende und geheimnisvolle Gestalten. Die Engel, so heißt es im Evangelium, „dienten" Jesus (Mk 1,13). Sie bilden den Kontrapunkt zu Satan. „Engel" heißt „Gesandter". Im gesamten Alten Testament können wir diese Gestalten finden, die den Menschen im Namen Gottes helfen und sie führen. Man braucht sich nur an das Buch Tobias erinnern, in dem die Gestalt des Engels Rafael auftaucht, der der Hauptperson in vielem beisteht. Die Sicherheit vermittelnde Gegenwart des Engels des Herrn begleitet das Volk Israel in all den guten wie auch den schlechten Angelegenheiten. An der Schwelle zum Neuen Testament ist Gabriel gesandt, um Zacharias und Maria die freudigen Ereignisse zu verkündigen, die am Anfang unseres Heils stehen; und ein Engel, dessen Name nicht genannt wird, warnt Josef und schenkt ihm in jenem Augenblick der Unsicherheit Orientierung. Ein Chor von Engeln überbringt den Hirten die frohe Botschaft der Geburt des Heilands - so wie es auch die Engel sein werden, die den Frauen die freudige Nachricht seiner Auferstehung verkünden. Am Ende der Zeiten werden die Engel Jesus begleiten, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt (vgl. Mt 25,31). Die Engel dienen Jesus, der gewiss über sie erhoben ist, und diese seine Würde wird hier, im Evangelium, eindeutig erklärt, wenn auch auf diskrete Weise. Auch in der Situation äußerster Armut und Niedrigkeit nämlich, als Satan ihn in Versuchung führt, bleibt er der Sohn Gottes, der Messias, der Herr.

Liebe Brüder und Schwestern, wir würden einen beachtlichen Teil des Evangeliums wegnehmen, würden wir diese Gesandten Gottes beiseite lassen, die seine Gegenwart unter uns verkünden und eines ihrer Zeichen sind. Bitten wir sie oft um Hilfe, damit sie uns in unserem Bemühen beistehen, Jesus nachzufolgen, bis wir eins sind mit ihm. Bitten wir sie ganz besonders heute darum, dass sie über mich und die Mitarbeiter der Römischen Kurie wachen mögen, die wir am heutigen Nachmittag wie jedes Jahr die Woche der Exerzitien beginnen werden. Maria, Königin der Engel, bitte für uns!

[Nach dem Angelus grüßte der Heilige Vater die deutschsprachigen Pilger mit den folgenden Worten:]

An diesem ersten Fastensonntag grüße ich gerne alle Brüder und Schwestern aus den Ländern deutscher Sprache. Die vierzig Tage der Fastenzeit erinnern an die vierzig Tage Jesu in der Wüste wie auch an die vierzig Jahre der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste in das verheißene Land. Die Entbehrungen der Wüste öffnen den Blick für das Wesentliche. Was zählt und unser Leben trägt, ist die Bindung an Gott. Die Umkehr, die Hinwendung zu Gott und der Glaube sind Geschenk seiner Gnade und zugleich Aufgabe. Gerade in dieser heiligen Zeit wollen wir unser Leben neu im Herrn festmachen. Dabei stärke und helfe euch der Heilige Geist.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana]