Die Enzyklika Benedikts XVI. vertiefen: Vorschau auf das elfte Internationale Forum Altötting (1.-6. August 2006)

Von Antonia von Alten

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ALTÖTTING, 27. Juni 2006 (ZENIT.org).- Markus Keller ist heute 26 Jahre alt und arbeitet in einer Bank in Frankfurt. Wie viele 16-Jährige hatte er vor zehn Jahren ein zwiespältiges Verhältnis zu Glauben und Kirche. Als ihn aber Freunde einluden, auf das "Europäische Jugendforum" der katholischen Gemeinschaft Emmanuel mitzufahren, ließ er sich überreden. So fand sich der Teenager im Sommer 1996 im Schlepptau der Kameraden plötzlich im Marienwallfahrtsort Altötting an der bayrisch-österreichischen Grenze wieder. "Ich passte vom Typ her gar nicht dahin. Plötzlich stand ich mit diesen coolen Hängehosen und meiner quer aufgesetzten Kappe in der Basilika."



Doch irgendetwas sprach ihn an: Er spürte die echte Freude, die die vielen hundert jugendlichen Teilnehmer aus ganz Europa ausstrahlten und er war angetan von der Art, wie sie miteinander umgingen. "Ich habe mit vielen Leuten diskutiert in diesen Tagen – über das Leben, die Liebe und auch über die Kirche und den Glauben." Eine junge geweihte Schwester der Gemeinschaft Emmanuel empfahl ihm, sich Zeit für die Eucharistische Anbetung zu nehmen. "Ich wusste gar nicht, was ich da tun soll. Also saß ich still da und habe abgewartet, dass Gott sich meldet." Je länger er vor dem Allerheiligsten saß, desto größer wurde seine Sehnsucht nach einer Begegnung mit dem liebenden Gott, von dem auf dem Forum so viel gesprochen wurde. Tage vergingen, aber es passierte nichts. Enttäuscht wollte der junge Mann heimfahren, blieb aber auf den Rat der Schwester doch bis zum Schluss. Der Abschlussgottesdienst wurde für ihn zu einem Wendepunkt in seinem Leben: "Plötzlich habe ich es gewusst: Ich bin ein Kind Gottes."

Diese Erfahrung veränderte seinen Alltag. "Irgendetwas brannte in mir. Ich konnte die Abschlussmesse nicht vergessen und suchte immer wieder die Nähe Gottes: im Gottesdienst, in der Anbetung, in der Beichte, im Gebet zwischendurch." Markus ist kein Einzelfall.

Die meisten Gäste des "Forum Altötting", zu dem die Gemeinschaft Emmanuel in diesem Sommer schon zum 11. Mal einlädt, sind durch die Erzählungen von Freunden neugierig geworden und kommen mit. In Altötting erwarten sie fünf Tage im Stil der Weltjugendtage, geprägt von internationaler Begegnung, Musik, Vorträgen und einem geistlichem Programm. Etwa 1.500 Jugendliche und junge Familien kommen alljährlich zu den Treffen. In diesem Sommer steht das Forum ganz unter dem Eindruck von Papst Benedikt XVI. und seiner ersten Enzyklika "Gott ist Liebe". Jeder Tag beginnt mit einem Morgenlob mit neuen geistlichen Liedern und Gebeten unter freiem Himmel auf dem Kapellplatz. Anschließend folgt ein Vortrag zum Thema des Treffens: "Gott ist Liebe – und macht alles neu!"

Nach dem Mittagessen ist Zeit für Sport und Spaß: Schwimmen, Beachvolleyball oder Klettern an der Kletterwand. Bei den Jugendlichen beliebt ist das "Fun-Forum" mit lustigen Sketchen. Nachmittags können die Forumsteilnehmer zwischen verschiedenen Angeboten wählen: In einem Intensivkurs Theologie wird in Kurzimpulsen die Enzyklika Papst Benedikts XVI. "Deus caritas est" und die Theologie des Leibes seines Vorgängers Johannes Paul II. vorgestellt und besprochen. Parallel dazu werden Workshops angeboten zu Themen wie "Leid – und wo ist Gott?" "Sexualität und Kirche", "Christsein im Studium- und Berufsleben".

Während des gesamten Forums besteht immer wieder das Angebot – neben viel Trubel und Begegnung – zum stillen Gebet. Auf einer Wiese hinter dem Kapellplatz und in einer benachbarten Kirche können die Jugendlichen Jesus im Allerheiligsten Sakrament anbeten. Priester stehen für Beichtgespräche zur Verfügung. Abends wartet ein interessantes Programm: "Special Guests" aus Politik und Gesellschaft wie der Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus, und auch jugendliche Forumsteilnehmer sprechen auf dem Podium davon, welche Rolle Gott in ihrem Leben spielt.

An einem Abend führen die Studenten der Internationalen Akademie für Musik und Evangelisation aus Altötting das Musical "Feuer vom Himmel", eine moderne Fassung der alttestamentarischen Geschichte des Propheten Elija auf. Parallel zum Forum für die Jugend gibt es wie in den vergangenen Jahren schon ein "Forum 4 Teens" für Jugendliche zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren und ein Familien- und Kinderforum für Familien und Alleinerziehende mit Kindern. Neben Jugendlichen aus allen Teilen der Welt kommen auch jedes Jahr Kardinäle und Bischöfe zu den Jugendtreffen.

Das Forum Altötting, so der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, "gehört zu den bewährtesten Jugendforen im deutschen Sprachraum". Dort finde sich gelebter Glaube, kulturelle Momente, Begegnung, Fest, Gebet, Gottesdienst, Freundschaft und die Erfahrung von Weltkirche. "Auf Neudeutsch würde ich sagen: Ein 'must'." Markus Keller ist dem Forum Altötting treu geblieben. Er war neun von zehn Mal dabei. Mittlerweile gehört er mit zu den Organisatoren und steht auch oft auf der Bühne und moderiert Gespräche. Trotz seines Einsatzes ist "das Forum" für ihn nach wie vor eine Kraftquelle, ein Höhepunkt: "Ich komme mit einem Paket Unverdautem und einer Kiste offener Fragen", beschreibt er seinen Seelenzustand am Anfang jedes Sommertreffens, "am Schluss gehe ich im inneren Frieden und mit einem lachenden Herz". Vor zwei Jahren sprach ihn die Medizinstudentin Karoline aus Innsbruck vor der Altöttinger Gnadenkapelle auf seinen Vortrag an. Die beiden sind mittlerweile ein Paar und zum Sommertreffen 2006 werden sie gemeinsam kommen.

[© Die Tagespost vom 24.06.2006]