Die Erde bewahren, damit die Gerechtigkeit darin wohne

Studientagung der Sektion "Bewahrung der Schöpfung" der Kommission "Caritas in veritate" des CCEE

Sankt Gallen, (CCEE) | 322 klicks

Wenn es nicht gelinge, Erzieher der echten Ökologie des Menschen zu sein, würden die Menschen auch keine Propheten einer verantwortungsbewussten Ökologie der Umwelt sein. Die Ökologie des Menschen und die Ökologie der Umwelt schienen eng miteinander verbunden zu sein. Der Schutz der Umwelt – eine Gabe, die mit Weisheit gehütet und betreut werden müsse —  sei zuerst der Schutz des Menschen vor seiner eigener Selbstzerstörung. Die Themen rund um die Bewahrung der Schöpfung seien eng mit der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen verbunden: Dies sind Gedanken einer von der Kommission „Caritas in veritate“ initiierten Studientagung in Luxemburg.

Mit einer Studientagung, die am vergangen 18. September in Luxemburg stattfand, hat die Sektion „Bewahrung der Schöpfung“ der Kommission „Caritas in veritate“ des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), ihre Betrachtung zu diesem Thema wiederaufgenommen. 

Am Treffen, zu dem der Erzbischof der Ortskirche, Msgr. Jean-Claude Hollerich, eingeladen hatte, nahmen verschiedene Experten der Bischofskonferenzen Europas, des Heiligen Stuhls und des Sekretariats des „European Christian Environmental Network“(ECEN) teil.

Mit dieser Zusammenkunft wurde die Arbeit der vergangenen Jahre in diesem Bereich wiederaufgenommen, und es wurde zu einer guten Gelegenheit, den Einsatz der Bischöfe in Europa für die Bewahrung der Schöpfung zu vertiefen. Und dies im Lichte der zahlreichen Aufrufe von Papst Franziskus, der in seinem Lehramt kontinuierlich die Christen zur Verantwortung ermahnt.

Die Tagung wurde mit einer Ansprache von Msgr. André Léonard, Erzbischof von Malines-Bruxelles und Verantwortlicher für diese Sektion, eröffnet, der über die Sendung der Kirche in der Bewahrung der Schöpfung aus einer theologischen, anthropologischen, ethischen und erzieherischen Perspektive ausgehend referierte. Für Msgr. Léonard „ist die Bewahrung der Schöpfung ein hoher Ausdruck der christlichen Liebe“, die nicht verwirklicht werden könne, wenn die metaphysische Dimension des menschlichen Lebens nicht bewahrt werde, wie der Theologe von Balthasar festgehalten habe. Msgr. Léonard unterstrich zudem, dass die Bemühung jedes einzelnen Christen für die Bewahrung der Schöpfung vom Bewusstsein ausgehe, dass das jetzige Universum nur eine Phase des Durchgangs, hin zu den „Neuen Himmeln und Neuen Erde“ ist.

Anschließend haben sich die Teilnehmer mit der sozialen und wirtschaftlichen Dimension des Schutzes der Umwelt befasst, mit einem Vortrag des Ing. Stanislas de Larminat, jahrelanger Generaldirektor eines Agrar- und Lebensmittelunternehmens in Frankreich. Der Ingenieur aus Frankreich unterstrich den Begriff der wirtschaftlichen Solidarität gegenüber den künftigen Generationen, da „es moralisch unerlaubt und wirtschaftlich kontraproduktiv ist, die Last und die Konsequenzen unserer gegenwärtigen Entscheidungen auf die künftigen Generationen abzuwälzen.“

Die Zusammenkunft bot den Teilnehmenden auch Gelegenheit für eine Gegenüberstellung und einen gegenseitigen Austausch von Informationen und gelungenen Praktiken. Es sind nicht immer einheitliche Meinungen aus den Diskussionen hervorgegangen, wohl aber die grundlegende Sendung der katholischen Kirche in der Erziehung zur ganzheitlichen Bewahrung der Schöpfung. Es ist zudem klar geworden, wie wichtig es ist, dass alle Katholiken, die mit diesem Thema konfrontiert sind, Zugang zu zuverlässigen wissenschaftlichen Informationsquellen haben, damit eine Diskussion garantiert wird, die der oben erwähnten Sendung der Kirche dient.

Die Aufmerksamkeit der Kirche für das Thema der Schöpfung ist nicht neu und sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene gut verwurzelt. Es wurden zahlreiche Initiativen auf Bistums- und Pfarrgemeindeebene realisiert. Es tritt jedoch immer mehr die erzieherische Herausforderung hervor, in erster Linie die Beziehung zwischen dem Geschöpf Mensch mit seinem Schöpfer wieder zusammenzufügen. Wo immer diese Beziehung gestört sei, wird die Schöpfung zu reiner Materie, die es zu besitzen gelte, herabgewürdigt, und das Ziel der menschlichen Existenz oder auch einer Nation werdeauf seine Fähigkeit erniedrigt, so viel als möglich zu besitzen, auch wenn dies zu Ungerechtigkeiten und Konflikten führe.