Die EU muss gegenüber der Türkei Stärke zeigen

Es bestehen Zweifel an der Einhaltung der europäischen Normen

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PADUA, 21. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Es ist an der Zeit, dass die Europäische Union gegenüber der Türkei, die im Hinblick auf die Achtung der Religionsfreiheit noch immer keine klare Vorstellung zu haben scheint, Stärke zeigt. Das betont der Rechtsexperte P. Paolo Bizzeti SJ. Der Vorfall vom vergangenen Sonntag, als ein katholischer Priester in der Türkei tätlich angegriffen wurde, sollte die EU veranlassen aufzuwachen.



P. Bizzeti, hat ein Buch über die aktuelle Lage in der Türkei verfasst, „Turchia. Guida per i Cristiani“ („Die Türkei: Leitfaden für Christen), das auf Italienisch erschienen ist. Der Gründer der Vereinigung „Amici del Medio Oriente“ („Freunde des Nahen Ostens“), die sich mit religiösen Fragen befasst, sprach mit ZENIT über den Anschlag auf den italienischen Kapuzinerpater Adriano Franchini und welche Schlüsse daraus zu ziehen seien.

„Ohne den Dingen zu viel Bedeutung beizumessen oder einen Skandal zu inszenieren, weil es ja davon schon genügend gibt, zeigt dieser Vorfall als Teil einer Serie von Gewalttaten, wie sich förmlich eine Krankheit von einer Nation aus verbreitet, die sich auf der einen Seite mit Riesenschritten in Richtung einer demokratischen und pluralistischen Lebensform entwickelt hat, auf der anderen Seite aber noch kein klares Bewusstsein für Religionsfreiheit bekommen hat.“

Deshalb habe man es in der Türkei mit „einer tragischen Situation“ zu tun. „Sollte es die Regierung an einer unbedingt gebotenen Entschlossenheit fehlen lassen, müssen die Voraussetzungen dieses großen und edlen Landes, die europäischen Richtlinien zur Verteidigung von Minderheiten zu erfüllen, grundsätzlich hinterfragt werden.“

Die Europäische Union sollte nach Worten des Jesuitenpaters „energisch auf die wiederholten Gewalttaten reagieren, die man nicht als einfache Zufälle werten darf“.

P. Franchini, 65, wurde am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen.

[Von Miriam Díez i Bosch; Übersetzung von Angela Reddemann]