Die EU soll für den Schutz verfolgter Minderheiten eintreten

Kirchenvertreter zu Besuch beim französischen Staatssekretär für Europafragen in Paris

| 1407 klicks

PARIS, 22. November 2008 (ZENIT.org).- Im Rahmen der inzwischen regelmäßigen Treffen von Kirchenvertretern und Mitgliedern der jeweiligen EU-Ratspräsidentschaft trafen gestern, Freitag, eine Delegation der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) mit dem französischen Staatssekretär für Europafragen, Jean-Pierre Jouyet, zusammen. Die Begegnung, an der auch Kirchenvertreter aus Frankreich teilnahmen, fand im Pariser Außenministerium statt.



Das Gespräch knüpfte an institutionellen Fragen (die Zukunft der EU und der Lisabonner Vertrag) und die Finanzkrise an. In diesem Zusammenhang erneuerten die Kirchenvertreter gegenüber dem Staatssekretär ihren Wunsch, dass der Sonntag in den nationalen Gesetzgebungen sowie in der künftigen EU-Arbeitszeitrichtlinie besser geschützt werde. In Gesellschaft und Wirtschaft, wo Effizienz zum wichtigsten Kriterium geworden sei, erlaube der arbeitsfreie Sonntag, den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen, indem er daran erinnert, dass der Mensch frei ist und nicht Sklave der Arbeit sein sollte.

Im Hinblick auf das Europäische Ratstreffen für Justiz und Inneres am 27. November sprachen die Kirchenvertreter einige Probleme an, die mit Neuansiedlung von Flüchtlingen und die Rückkehr-Politik in der Europäischen Union zu tun haben. Die Delegation unterstrich die Notwendigkeit, eine wirklich gemeinsamen Asyl- und Migrationspolitik aufzubauen, die die Menschenrechte aller achte und die Integration als einen wechselseitigen Prozess betrachte, an dem sowohl Migranten als auch die Gesellschaft des Aufnahmelandes beteiligt sind.

Von Seiten der Kirchen wurde während der Unterredung die große Sorge hinsichtlich der Rechte verfolgter Minderheiten auf der ganzen Welt zum Ausdruck gebracht, insbesondere der christlichen Minderheiten. Sie riefen die EU-Mitgliedsstaaten und die europäischen Institutionen dazu auf, den Respekt vor dem Menschenrecht der Religionsfreiheit zu einem Eckpfeiler ihrer Außenpolitik zu machen.

Konkret wurde die dramatische Situation der Christen im Irak erwähnt, deren Verschwinden das Zeichen einer großen Ungerechtigkeit sei und wohl bedeuten würde, dass der Dialog der Kulturen unmöglich geworden sei, dass ethnische und religiöse Zugehörigkeit die Universalität der Menschenrechte besiegt hätten.

Bei der Unterredung wurden auch globale Herausforderungen wie der Klimawandel und die Beziehungen der EU mit Afrika thematisiert. Es wurde bekräftigt, dass die Kirchen und die Christen durch ihre Reflektion, ihr Beispiel und ihre Initiativen einen großen Beitrag leisten könnten, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

Die Kirchen wurden vertretet durch:
-- Msgr. Antoine Hérouard, Generalsekretär der französischen Bischofskonferenz;
-- P. Arsenius Kardamakis, Ökumenisches Patriarchat;
-- Pastor Yves Parrend, Generalsekretär des Protestanten-Bundes Frankreich,
-- S.E. Christian Kratz, Weihbischof von Straßburg, COMECE-Mitglied;
-- P. Piotr Mazurkiewicz, Generalsekretär der COMECE;
-- Rev. Rüdiger Noll, Direktor der Kommission „Kirche und Gesellschaft“ und assoziierter Generalsekretär der KEK.