Die Eucharistie ist die Mitte - Heiligsprechung in Rom

Benedikt XVI.: Die Auferstehung erneuert das Herz der Menschen

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ROM, 27. April 2009 (ZENIT.org).- Am gestrigen Sonntag fand auf dem Petersplatz die Heiligsprechung von fünf Seligen statt. Vier von ihnen stammen aus Italien: Arcangelo Tadini (1846-1912), Bernardo Tolomei (1272-1348), Geltrude Comensoli (1847-1903) und Caterina Volpicelli (1839-1894). Nuno de Santa Maria Álvares Pereira (1360-1431) war ein portugiesischer Karmeliter.

Um den Kern des Lebens und Charismas der neuen Heiligen zu erläutern, betonte Papst Benedikt XVI. die zentrale Bedeutung des Geheimnisses der Eucharistie sowie die Tatsache, dass die Auferstehung Christi das Herz der Menschen erneuert: Christus, der „Urheber des Lebens", habe das Böse und den Tod besiegt und sich als „Sühneopfer für unsere Sünden hingegeben".

In besonderer Weise leuchte das Licht des auferstandenen Christus aus den Zügen der fünf neuen Heiligen. Die unterschiedlichen menschlichen und geistlichen Geschicke dieser neuen Heiligen zeigten allen die tiefe Erneuerung, die das Geheimnis der Auferstehung Christi im menschlichen Herzen wirke, und das grundlegende Geheimnis, das die gesamte Heilsgeschichte lenke und leite. „Zu Recht lädt uns die Kirche daher stets und noch mehr in dieser österlichen Zeit dazu ein, unseren Blick auf den auferstandenen Christus zu richten, der im Sakrament der Eucharistie wirklich gegenwärtig ist."

Das Evangelium von den Emmaus-Jüngern (Lk 24,35-38) mache deutlich, dass die Eucharistie der bevorzugte Ort sei, an dem die Kirche den „Urheber des Lebens" erkenne: „In ihr treten wir durch den Glauben in die Gemeinschaft mit Christus ein, der ‚der Priester, der Altar und das Opferlamm' ist (vgl. 5. Präfation für die Osterzeit)".

„Was wäre unser Leben als Christen ohne die Eucharistie?", fragte der Papst anschließend. Die Eucharistie sei das ewige und lebendige Erbe, das uns vom Herrn im Sakrament seines Leibes und Blutes hinterlassen worden sei, das wir ständig neu durchdenken und vertiefen müssten. „Genährt am eucharistischen Brot haben die Heiligen, die wir heute verehren, ihre Sendung der Liebe nach dem Evangelium in den verschiedenen Bereichen zur Vollendung gebracht, in denen sie mit ihren besonderen Charismen gewirkt haben."

Arcangelo Tadini

Arcangelo Tadini habe lange Stunden in Anbetung vor der Eucharistie verbracht und stets den pastoralen Dienst am Menschen in seiner Gesamtheit vor Augen gehabt.

„Dieser heilige Priester gehörte ganz Gott und war bereit, sich in jeder Lage vom Heiligen Geist führen zu lassen. Gleichzeitig war er willig, die Dringlichkeiten des Augenblicks zu erfassen und Abhilfe zu finden." Der Papst betonte auch den prophetischen Charakter der charismatischen Intuition des heiligen Don Tadini gerade für eine Zeit der schweren Wirtschaftskrise wie der heutigen.

Arcangelo Tardini „erinnert uns daran, dass wir den Sauerteig des Evangeliums nur dann, wenn wir eine dauerhafte und tiefe Beziehung mit dem Herrn besonders im Sakrament der Eucharistie pflegen, in die verschiedenen Arbeitsbereiche und in jeden Bereich unserer Gesellschaft einbringen können".

Bernardo Tolomei

Bernardo Tolomei, Gründer einer einzigartigen monastischen benediktinischen Bewegung, offenbare besonders die Liebe zum Gebet und zur manuellen Arbeit. Seine Existenz sei eine „eucharistische Existenz" gewesen, ein ganz der Kontemplation geweihtes Leben, was sich im demütigen aktiven Dienst am Nächsten gezeigt habe.

Bernardo Tolomei sei im Liebesdienst während der Pest 1348 gestorben. „Von dem Vorbild dieses Heiligen kommt auf uns die Einladung, unseren Glauben in ein Leben für Gott im Gebet und im Dienst am Nächsten hinzugeben, gedrängt von einer Nächstenliebe, die auch zum höchsten Opfer bereit ist."

Nuno de Santa Maria Álvares Pereira

Nuno de Santa Maria Álvares Pereira sei ein Held und Heiliger Portugals. Die Anfang des 15. Jahrhunderts beginnende Expansion Portugals sei Zeichen dafür gewesen, das Evangelium bis ans Ende der Welt zu tragen. Der heilige Nuno habe sich als Instrument Gottes und als Teil der „Militia Christi" gefühlt. Er habe sich schon als Soldat stets darum bemüht, den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen. „In der zweiten Hälfte seines Lebens ging er in das Karmelitenkloster, das auf seine Veranlassung hin gebaut worden war."

Nuno habe in einer Zeit, die dafür eigentlich wenig geeignet und wenig offen war, aus dem Gebet und aus einem tiefen Glauben gelebt. So habe er gezeigt, dass man zu jeder Zeit und in jeder Umgebung die Prinzipien und Werte des christlichen Lebens tatsächlich leben könne, wenn dieses Leben nur im Dienst der Ehre Gottes und des Gemeinwohls stehe.

Geltrude Comensoli

Geltrude Comensoli habe von Kind an eine besondere Anziehungskraft für den in der Eucharistie gegenwärtigen Jesus verspürt. Die Anbetung des eucharistischen Christus sei zum Hauptziel ihres Lebens geworden. Vor der Eucharistie habe Geltrude ihre Berufung und Sendung in der Kirche verstanden: „die Berufung, sich ohne Vorbehalt dem apostolischen und missionarischen Wirken zu widmen, vor allem zu Gunsten der Jugend". So hab sie ein Institut gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die im eucharistischen Christus „betrachtete Liebe" in „gelebte Liebe" in der Hingabe an den bedürftigen Nächsten umzusetzen.

In einer „verlorenen und oft verwundeten Gesellschaft" wie der unsrigen zeige die heilige Geltrude einer Jugend, die auf der Suche nach Werten und Sinn für das eigene Leben ist, als festen Anhaltspunkt den Gott, der in der Eucharistie zu unserem Wegbegleiter geworden ist.

Geltrude rufe in Erinnerung, daß „die Anbetung vor allen Werken der Nächstenliebe den Vorrang haben muss". Denn: „Der Liebe zum gestorbenen und auferstandenen Christus, der wirklich im eucharistischen Sakrament gegenwärtig ist, entspringt jene Liebe des Evangeliums, die uns dazu drängt, alle Menschen als Brüder und Schwestern zu betrachten."

Caterina Volpicelli

Caterina Volpicelli habe sich darum bemüht, im Neapel des ausgehenden 19. Jahrhunderts in einer Zeit der geistlichen und sozialen Krise „Christus zu gehören, um alle zu Christus zu bringen". Ihren ersten Mitarbeiterinnen habe sie ans Herz gelegt, ein intensives geistliches Leben im Gebet und vor allem im grundlegenden Kontakt mit dem eucharistischen Jesus zu pflegen.

„Um wahre Erzieherinnen im Glauben zu sein, die es anstreben, den neuen Generationen die Werte der christlichen Kultur zu übermitteln, ist es unerlässlich, wie sie es zu wiederholen liebte, Gott aus den Gefängnissen zu befreien, in die ihn die Menschen verbannt haben." Allein im Herzen Christi könne die Menschheit ihre „feste Wohnstatt" finden.

Die heilige Caterina zeige den anspruchsvollen Weg der Umkehr, der das Herz an der Wurzel verändert und sich in mit dem Evangelium übereinstimmende Handlungsweisen umsetzt. „So ist es möglich, die Grundlage zuschaffen, um eine Gesellschaft aufzubauen, die offen ist für Gerechtigkeit und Solidarität und dabei das wirtschaftliche und kulturelle Ungleichgewicht überwindet, das in großen Teilen unseres Planeten weiterhin gegeben ist."

Abschließend rief der Papst die Gläubigen dazu auf, sich vom Vorbild der neuen Heiligen anziehen zu lassen, „damit auch unser Dasein zu einem Lobgesang Gottes werde, in den Spuren Jesu, der voller Glauben im Geheimnis der Eucharistie angebetet wird und dem wir großherzig in unserem Nächsten dienen".