Die eucharistische Frau

Impuls zum 20. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

Im Evangelium des Sonntags hören wir erneut die klare Stimme des Herrn, der in Kapharnaum den Menschen das Geheimnis der Eucharistie erklärt. Wieder fällt uns die Kompromisslosigkeit Jesu auf, der jeden Anflug von schierer Metaphorik ausschließt. Der eucharistische Leib ist wirklich das Fleisch Christi und nicht in einem übertragenen Sinn oder als Gleichnis. Christus hat oft Gleichnisse und Bildreden gebraucht, etwa die vielen Vergleiche des Reiches Gottes mit außerordentlich wertvollen Dingen (“Das Himmelreich gleicht einer kostbaren Perle…”, Matth. 13,45). Die Hostie aber ist nicht ein Gleichnis des Herrenleibes, sondern er ist es selbst.

Dieser Sonntag liegt ziemlich genau zwischen zwei Marienfesten, Mariae Himmelfahrt (am 15.8.) und Maria Königin (am 22.8.). Nehmen wir diesen liturgischen “Zufall” zum Anlass, den Zusammenhang des Leibes Christi mit der Jungfrau Maria zu betrachten. Da wir es gewohnt sind, dass im christlichen Verständnis von Gott und der Welt die Dinge immer sehr konkret gesehen werden, wird uns der Gedanke, dass der Leib Christi in der Eucharistie und der Leib Jesu, den Maria in ihrem jungfräulichen Schoß getragen hat, ein und derselbe ist, nicht weiter verwundern. Gleichzeitig aber könnte man von verschiedenen Aspekten sprechen. Der Leib Christi, den Maria durch Überschattung des Heiligen Geistes in ihrem Leib empfangen hat, ist der physische Leib. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung zeigt Jesus sich den Jüngern – das ist nun der Auferstehungsleib, derselbe aber anders, so wie er später auf immer in den Himmel aufgefahren ist. Und schließlich der Leib Christi, den wir in der hl. Kommunion empfangen, ist ein sakramentaler Leib. Drei Sichtweisen, aber derselbe Leib. Man kann es daran festmachen, dass der Leib Jesu nach der Auferstehung anders, aber derselbe war, denn sonst wäre das Grab nicht leer gewesen. Bei der Hl. Messe verwendet der Priester große Sorgfalt darauf, dass dem Leib Christi Ehrerbietung entgegen gebracht wird, was sich u.a. darin äußert, dass er bei der sog. Ablution selbst kleine Partikel des Leibes Christi nicht unbeachtet läßt. Das könnte er tun, wenn die Hostie nur ein Gleichnis wäre.

Was dabei uns angeht, so können wir sicher im Umgang mit dem Leib Christi – denn der Christ hat, wenn er will, täglichen Umgang mit ihm – immer noch dazu lernen. Besonders von Maria können wir lernen, der “eucharistischen Frau”, wie sie schon der sel. Johannes Paul II. genannt hat. In seiner letzten Enzyklika “Ecclesia de Eucharistia” spricht er davon, dass Maria in ihrem ganzen Leben “eucharistische Frau” gewesen ist (vgl. Nr. 53). Er meint wohl damit so etwas wie eine innere Haltung, die Maria schon bei der Verkündigung gehabt hat, dann unter dem Kreuz und bei der Auferstehung und schließlich in einem besonderen Maße “in der Zeit nach Pfingsten, als sie im Sakrament jenen Leib empfing, den sie im Schoß empfangen und getragen hatte” (Papst Benedikt XVI. Ansprache Rom 31. Mai 2005).

Der Papst charakterisiert das Verhältnis Mariens zu Jesus mit dem Wort “erlernen”: “dass Maria Jesus “erlernte” (Predigt 26. Mai 2006). Oder an anderer Stelle: “Sie will uns einen Lebensstil lehren, der Gott als Mittelpunkt der Realität anerkennt (Angelus, 10. September 2006). Sie will uns lehren, nicht ohne Mysterium zu leben.

Das “Geheimnis des Glaubens” lässt uns erkennen, dass unser Leben tiefere und weitere Dimensionen hat, wenn wir, wenigstens ab und zu, mit Glauben auf die Herrlichkeit des Mensch gewordenen Gottes schauen, solange wir selbst “in diesem Leib zuhause sind”.

Maria erinnert uns daran, dass unser Schicksal nicht abwärts gerichtet ist, immer älter und kränker zu werden, um schließlich zu sterben, sondern dass wir im Gegenteil in unserem eigenen Leib, der wie der Leib Jesu einmal verklärt werden soll, “die Realität Gottes” schauen sollen.

Maria ist diesen Weg in vollendeter Weise gegangen und so mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Wie das auch für uns gehen kann – das kann sie uns lehren.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.