Die Ewigkeit erleuchtet das Leben jedes Einzelnen und gibt uns Hoffnung

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 336 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

***

[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus in einer Auseinandersetzung mit den Sadduzäern, die die Auferstehung leugneten. Und genau zu diesem Thema richten sie eine Frage an Jesus, um ihn in Verlegenheit zu bringen und den Glauben an die Auferstehung der Toten lächerlich zu machen. Sie gehen von einem fiktiven Beispiel aus: „Eine Frau war siebenmal verheiratet und hat alle sieben Ehemänner überlebt.“ Dann fragen sie Jesus: „Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein?“ Jesus zeigt sich wie immer mild und geduldig. Zunächst antwortet er ihnen, dass das Leben nach dem Tod nicht denselben Gesetzmäßigkeiten folgt, wie das irdische Leben. Das ewige Leben ist ein ganz anderes Leben, in einer Dimension, in der es unter anderem auch keine Ehe mehr geben wird, da diese an unser irdisches Leben gebunden ist. Die Auferstandenen, sagt Jesus, werden den Engeln gleich sein und in einem anderen Zustand leben, in einer Weise, die wir jetzt nicht verstehen und uns nicht einmal vorstellen können. Das alles erklärt Jesus ihnen.

Dann aber geht Jesus, könnte man sagen, zum Gegenangriff über. Er zitiert die Heilige Schrift und tut dies mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Originalität zugleich, dass wir gar nicht anders können, als unseren Meister, den einzigen Meister, zu bewundern. Den Beweis dafür, dass alle Menschen auferstehen werden, findet Jesus in der Geschichte von Mose und dem Dornbusch (vgl. Ex 3,1-6), in der Gott sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu erkennen gibt. Der Name Gottes ist mit dem Namen der Menschen verbunden, mit denen er einen Bund eingegangen ist, und dieser Bund ist stärker als der Tod. Auch wir dürfen über das Verhältnis zwischen Gott und uns, jeden von uns, sagen: Er ist unser Gott! Er ist der Gott von uns allen! Als ob er unseren Namen hätte. Er selbst sagt es so, und darin besteht der Bund.

Deshalb sagt Jesus: „Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig“ (Lk 20,38). Das ist der entscheidende, grundlegende Bund: der Bund mit Jesus. Er selbst verkörpert diesen Bund, er selbst ist das Leben und die Auferstehung, denn durch seine gekreuzigte Liebe hat er den Tod besiegt. In Jesus schenkt Gott uns das ewige Leben; er schenkt es uns allen, und dank ihm dürfen wir alle die Hoffnung auf ein Leben haben, das noch wirklicher sein wird als dieses. Das Leben, das Gott für uns bereithält, wird nicht einfach nur eine Verschönerung des jetzigen Lebens sein: Es übersteigt unser Vorstellungsvermögen, denn Gott überrascht uns immer mit seiner Liebe und Barmherzigkeit.

Es trifft also das genaue Gegenteil von dem zu, was die Sadduzäer erwarteten: Nicht das irdische Leben wird als Maßstab für die Ewigkeit, für das andere Leben gelten, das uns erwartet, sondern die Ewigkeit – jenes Leben – erleuchtet das Leben jedes einzelnen unter uns und gibt ihm Hoffnung! Wenn wir nur mit menschlichen Augen schauen, kommen wir zu dem Schluss, dass der Weg des Menschen vom Leben in den Tod führt. Das ist es doch, was wir alle sehen können! Doch das ist nur, was das menschliche Auge sieht. Jesus stellt diese Perspektive auf den Kopf und sagt uns, dass unsere Reise vom Tod ins Leben führt, in das wahre Leben! Wir befinden uns auf einer Reise, einer Wallfahrt, dessen Ziel das wahre Leben ist, und jenes wahre Leben erleuchtet auch jetzt schon unsere Wallfahrt! Der Tod steht also hinter uns, in unserem Rücken, nicht vor uns. Vor uns steht der Gott der Lebenden, der Gott des Bundes, der Gott, der unseren Namen trägt, wie er selbst gesagt hat: „ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“; er trägt auch meinen Namen, deinen Namen, deinen Namen… unsere Namen. Gott der Lebenden! … Vor uns liegt der endgültige Sieg über Sünde und Tod, der Anfang einer neuen Zeit der Freude und des Lichts, die kein Ende kennen wird. Doch schon auf dieser Welt, im Gebet, in den Sakramenten, in unseren Mitmenschen, begegnen wir Jesus und seiner Liebe und bekommen so einen Vorgeschmack des Lebens nach der Auferstehung. Die Erfahrung, die wir von seiner Liebe und Treue machen, entfacht in unseren Herzen ein Feuer und nährt unseren Glauben in die Auferstehung. Denn wenn Gott treu ist und uns liebt, kann diese Liebe nicht zeitlich begrenzt sein: Treue währt ewig und kann sich nicht verändern. Die Liebe Gottes ist ewig und kann sich nicht verändern! Sie ist nicht zeitlich begrenzt: Sie währt ewig! Sie hilft uns, weiterzugehen! Er ist für immer treu und wartet auf uns, auf jeden von uns, begleitet uns alle mit seiner ewigen Treue.

[Nach dem Angelus:]

Heute Nachmittag wird in Paderborn, in Deutschland, die Seligsprechung von Maria Theresia Bonzel stattfinden, der Gründerin der Armen Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung, die im 19. Jahrhundert lebte. Sie schöpfte ihre geistige Kraft aus der Eucharistie, um sich mit unermüdlicher Energie den Schwächeren zu widmen. Danken wir dem Herrn für ihr Zeugnis!

Ich will den Menschen auf den Philippinen und in jener gesamten Weltgegend, die von einem furchtbaren Orkan getroffen wurde, meine Nähe zusichern. Leider gibt es zahlreiche Opfer und große Schäden. Lasst uns für diese Brüder und Schwestern einen Augenblick still beten und dann ein Ave Maria sprechen, und wir wollen ihnen auch eine konkrete Hilfe zukommen lassen. Lasst uns beten. [Es folgt ein Ave Maria].

Heute ist auch der 75. Jahrestag der sogenannten „Kristallnacht“: Die Gewalttaten gegen Juden und ihre Wohnungen, Geschäfte und Synagogen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren ein trauriger Schritt in Richtung auf die Tragödie des Holocausts. Lasst uns dem jüdischen Volk, unseren älteren, größeren Brüdern, unsere Nähe und Solidarität ausdrücken. Und lasst uns zu Gott beten, damit dass Gedächtnis, die Erinnerung an die Sünden der Vergangenheit uns immer helfe, gegen jede Form von Hass und Intoleranz wachsam zu sein.

In Italien begeht man heute den „Erntedanktag“. Ich schließe mich den anderen Bischöfen an und versichere die Welt der Landwirtschaft meiner Nähe, die besonders auch den jungen Menschen gilt, die sich der Arbeit auf dem Lande widmen. Ich ermutige alle, die arbeiten, damit es niemandem an einer gesunden und ausreichenden Ernährung mangelt.

Ich grüße alle Pilger, die aus verschiedenen Länder gekommen sind, die Familien, die Pfarrgruppen, die Vereine; besonders grüße ich die Gläubigen der Diözesen Liguriens, die in Begleitung von Kardinal Bagnasco und der anderen Bischöfe ihrer Region gekommen sind.

Ich grüße das “Istituto Secolare Operaie Parrocchiali”, den “Centro Académico Romano Fundación”, die Gläubigen aus den Vereinigten Staaten von Amerika und aus Tahiti, sowie die aus Riccione, Avezzano, Turin, Bertonico und Celano. Ein besonderer Gruß geht an die Jugendlichen der Päpstlichen Missionswerke und denen aus Pescara und Monte San Savino, sowie an das Grüne Kreuz von Alessandria.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Auf Wiedersehen und gesegnete Mahlzeit!