Die Familie, die „wichtigste ‚Agentur‘ des Friedens“: Papstbotschaft zum Weltfriedenstag 2008 veröffentlicht

„Die Menschheitsfamilie, eine Gemeinschaft des Friedens“

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ROM, 11. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die Familie ist die „wichtigste ‚Agentur‘ des Friedens“: Nur innerhalb eines gesunden Familienlebens sei es dem Menschen möglich, den Frieden zu lernen. Unter dieser Grundvoraussetzung arbeitet Papst Benedikt XVI. seine Botschaft zum 41. Weltfriedenstag aus, der am 1. Januar 2008 begangen wird. Das Schreiben des Heiligen Vaters wurde heute, Dienstag, im Vatikan vorgestellt.



Der Papst legt darin in 15 Punkten ein Programm vor, innerhalb dessen die positiven Grundlagen der „Menschheitsfamilie“ dargelegt und deren Kernanliegen für eine menschenwürdige Zukunft angeführt werden. Dabei konzentriert sich Benedikt XVI. auf die Bewahrung der Schöpfung, den Engpass bei der Energieversorgung, die atomare Abrüstung und die Verteidigung der ärmeren Länder.

Die Botschaft des Heiligen Vaters wurde im Rahmen einer Pressekonferenz von Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, und Bischof Giampaolo Crepaldi, Sekretär desselben Rates, vorgestellt.

Kardinal Martino erklärte, dass Benedikt XVI. in der ganzen Botschaft sichtbar mache, dass die Familie und der Frieden in einer „fruchtbaren Zirkularität“ aufeinander verweisen. Diese Zirkularität biete einen wichtigen Ansporn zu einer angemessenen kulturellen, sozialen und politischen Konzeption, um die komplexen Thematiken hinsichtlich der Verwirklichung des Friedens in unserer Zeit bewältigen zu können.

Die Botschaft des Papstes ist in zwei große Abschnitte unterteilt: Der erste Teil (Punkte 2-5) hebt den Sinn und den Wert der Verbindung zwischen der Familie und dem Frieden ins Licht. Im zweiten Teil (Punkte 7-15) wird die Menschheitsfamilie in Verbindung mit den Problematiken gesehen, die den Frieden betreffen: Familie, menschliche Gemeinschaft und Umwelt; Familie, menschliche Gemeinschaft und Wirtschaft; Familie, menschliche Gemeinschaft und Sittengesetz, Überwindung der Konflikte und Abrüstung.

Punkt 6 bildet das systematische Bindeglied zwischen dem ersten und dem zweiten Teil der Botschaft. Benedikt XVI. betont dabei die Dimension der Berufung der Familie zur Schaffung der „allgemeinen Menschheitsfamilie“. Wörtlich schreibt der Papst: „Die Familie (geht) aus dem verantwortungsvollen und definitiven Ja eines Mannes und einer Frau hervorgeht und von dem bewussten Ja der Kinder lebt, die nach und nach dazukommen. Um zu gedeihen, braucht die familiäre Gemeinschaft das großherzige Einvernehmen aller ihrer Glieder. Es ist nötig, dass dieses Bewusstsein auch zur gemeinsamen Überzeugung aller wird, die berufen sind, die allgemeine Menschheitsfamilie zu bilden.“ Deshalb müsse der Mensch fähig sein, „persönlich Ja zu dieser Berufung zu sagen, die Gott eigens in unsere Natur eingeschrieben hat. Wir leben nicht zufällig nebeneinander; als Menschen sind wir alle auf demselben Weg und darum gehen wir ihn als Brüder und Schwestern.“ Dieser Weg des Menschen werde vom transzendenten Fundament, das Gott ist, gewährleistet, denn: „Ohne dieses transzendente Fundament ist die Gesellschaft nur eine Ansammlung von Nachbarn, nicht eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die berufen sind, eine große Familie zu bilden.“

Im ersten Teil widmet der Bischof von Rom seine Aufmerksamkeit den deskriptiven Elementen der christlichen Familie als „erstem Ort der Humanisierung“ und erste natürliche Gesellschaft als göttliche Einrichtung. Die Familie ist „die erste und unersetzliche Erzieherin zum Frieden“. Aus diesem Grund habe sie spezifische Rechte, die auf dem Naturrecht gründen, das „ins Herz des Menschen eingeschrieben ist und ihm durch die Vernunft offenbar wird“. „Die Leugnung oder auch Einschränkung der Rechte der Familien bedroht, indem sie die Wahrheit über den Menschen verdunkelt, die Grundlagen des Friedens selbst.“

Der zweite, den besonderen Erfordernissen der Menschheitsfamilie gewidmete Abschnitt, beginnt mit der Frage nach der Umwelt und deren Bewahrung.

Kardinal Martino hob in seiner Präsentation hervor, dass für den Papst die Umweltfrage eng mit der Frage des Friedens verknüpft ist. Der Friede mache es notwendig, so der Kardinal, dass die Erde als gemeinsames Haus empfunden wird, zu dessen verantwortlicher Verwaltung im Dienst aller der Weg des Dialogs gewählt werden muss statt der Weg einseitiger Entscheidungen. Gegenüber ideologischen Formen, die für einen „Biozentrismus“ charakteristisch sind, berufe sich Benedikt XVI. auf die christliche Lehre, dass der Mensch eine Vorrangstellung hinsichtlich ihres Wertes über die ganze Schöpfung besitzt.

Die Umwelt zu respektieren will nicht heißen, die materielle Natur oder die Tierwelt als wichtiger zu erachten als den Menschen. „Es bedeutet vielmehr“, so der Text der Botschaft, „sie nicht in egoistischer Weise als völlig verfügbar für die eigenen Interessen anzusehen, denn auch die kommenden Generationen haben das Recht, aus der Schöpfung Nutzen zu ziehen, indem sie ihr gegenüber dieselbe verantwortliche Freiheit zum Ausdruck bringen, die wir für uns beanspruchen.“ Weitere Überlegungen sind den Energievorräten des Planeten gewidmet, die einen steten Dialog unter den Nationen notwendig machen.

Die zweite Frage betrifft den wirtschaftlichen Aspekt. Dazu schreibt der Papst: „Die Familie (macht) eine echte Erfahrung von Frieden, wenn keinem das Nötige fehlt und das familiäre Vermögen — die Frucht der Arbeit einiger, des Sparens anderer und der aktiven Zusammenarbeit aller — gut verwaltet wird in Solidarität, ohne Unmäßigkeiten und ohne Verschwendungen.“ Diese Sicht der Familie hält die beiden Aspekte von Familie zusammen: „Zwischen den einzelnen Menschen und unter den Völkern müssen korrekte und ehrliche Beziehungen gefördert werden, die allen die Möglichkeit geben, auf einer Basis der Parität und der Gerechtigkeit zusammenzuarbeiten. Zugleich muss man sich um eine kluge Nutzung der Ressourcen und um eine gerechte Verteilung der Güter bemühen.“

Der dritte Themenbereich betrifft die ethische Dimension der Familie, deren „Glieder sich einer gemeinsamen Richtlinie unterwerfen: Diese muss dem egoistischen Individualismus wehren und die einzelnen zusammenhalten, indem sie ihre harmonische Koexistenz und ihren zielgerichteten Fleiß fördert.“ Dies müsse auch für die ganze Menschheitsfamilie gelten.

Der Papst beklagt, dass in der Völkerfamilie „viel willkürliches Verhalten“ zu verzeichnen ist – „sowohl innerhalb der einzelnen Staaten als auch in den Beziehungen der Staaten untereinander“. Dies habe zahlreiche Situationen zur Folge, „in denen der Schwache sich nicht etwa den Erfordernissen der Gerechtigkeit beugen muss, sondern der unverhohlenen Kraft dessen, der über mehr Mittel verfügt als er“.

Macht aber müsse immer „durch das Gesetz gezügelt werden, und das hat auch in den Beziehungen zwischen souveränen Staaten zu geschehen“.

Grundlage ist, dass die „Erkenntnis des natürlichen Sittengesetzes dem Menschen nicht verwehrt“ ist, wie der Papst bekräftigt. Allerdings müsse der Mensch in sich gehen und sich angesichts seiner Bestimmung „nach der inneren Logik der tiefsten in seinem Wesen vorhandenen Neigungen“ fragen. Es ist für Benedikt XVI. unverzichtbar, „auf dieses fundamentale Gesetz zurückzugehen und für diese Suche unsere besten intellektuellen Energien einzusetzen“.

Den vierten und letzten Punkt der Erfordernisse für die Familie widmet Benedikt XVI. der Tragik des Krieges und der atomaren Abrüstung. Der Papst beklagt den atomaren Rüstungswettlauf und die Tatsache, dass auch Entwicklungsländer einen großen Teil ihres Bruttosozialprodukts für Waffenkäufe aufwenden. Benedikt XVI. verweist auf die vielfältigen diesbezüglichen Verantwortlichkeiten: „Da sind die Länder der industrialisierten Welt, die aus dem Waffenverkauf reichen Gewinn ziehen, und da sind die herrschenden Oligarchien in vielen armen Ländern, die durch den Kauf immer höher entwickelter Waffen ihre Situation stärken wollen.“ Der Papst fordert eine Mobilisierung aller Menschen guten Willens, um zu einer wirkungsvollen Entmilitarisierung zu kommen, insbesondere im Bereich der Atomwaffen.

Benedikt XVI. fühlt sich verpflichtet, „die Autoritäten dazu aufzurufen, die Verhandlungen für eine fortschreitende und vereinbarte Abrüstung der vorhandenen Nuklearwaffen mit festerer Entschlossenheit wieder aufzunehmen“.

Am Schluss seiner Botschaft erinnert Benedikt XVI. an drei Jahrestage: den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948-2008); den 25. Jahrestag der Annahme der Charta der Familienrechte durch den Heiligen Stuhl (1983-2008) sowie das 40jährige Jubiläum der Feier des ersten Weltfriedenstags (1968- 2008).